Die heutige Zeit ist wohl die mit der höchsten Geschichtendichte, seit es Menschen gibt. Überall begegnen wir Geschichten. Die Werbung erzählt eine Geschichte, um ihr Produkt zu verkaufen; Politiker erzählen sie, um wieder gewählt zu werden und fast jeder sieht jeden Tag ...
Die heutige Zeit ist wohl die mit der höchsten Geschichtendichte, seit es Menschen gibt. Überall begegnen wir Geschichten. Die Werbung erzählt eine Geschichte, um ihr Produkt zu verkaufen; Politiker erzählen sie, um wieder gewählt zu werden und fast jeder sieht jeden Tag irgendwelche «Stories» in den sozialen Medien. Alles Geschichten. Jeden Tag. Zugegeben; die Geschichten werden kürzer. Im Falle der «Stories» sind sie meist 24 Stunden einsehbar. Da muss jeden Tag eine neue kommen. In einer Welt, in der es von Geschichten nur so wimmelt, muss zweierlei einmal gesagt sein: Die allermeisten dieser unzähligen Geschichten sind schlecht. Sehr schlecht. Wann hat Sie das letzte Mal eine Geschichte wirklich bewegt? Ich meine nicht Erzählungen tatsächlicher Vorkommnisse, sondern den fiktionalen Teil dieser Erzählungen. Alle Geschichten, die die sozialen Medien schreiben, sind zu kurz, um gut zu sein. Sie zeigen zwar eine nichtwirkliche Welt, haben also irgendwie schon Fiktionalitätscharakter, weder die Erzählzeit noch die erzählte Zeit reichen aber für bedeutenden Gehalt aus. Warum erzählen wir uns diese Geschichten überhaupt? Wer hört sie? Wer interessiert sich für sie? Geschichten, die nicht um des Erzählens Willen erzählt werden, halte ich für per se schlecht. Nicht weil sie schlecht erzählt sind, oft bauen Politiker wirklich tolle, sehr fiktionale Elemente in ihre Geschichten ein, sondern weil sie nur zu einem bestimmten Zweck erzählt werden. Die Geschichte könnte noch so gut sein, wenn sie nur erzählt wird, damit ich ein Produkt kaufe, wurde sie einfach missbraucht.
Entsprechend dieser Unzahl an schlechten Geschichten, sind wirklich gute Geschichten selten zu finden. Wenn wir sie aber finden, sollten wir sie auch würdigen. Ich glaube wir sind von den vielen schlechten Geschichten so abgestumpft, dass wir das zu wenig machen. Wahrscheinlich wissen wir auch gar nicht mehr, was eine gute Geschichte ausmacht. Aber es gibt sie. In ganz unterschiedlichen Formen und Vorkommen. In Filmen, Serien, Büchern, Bildern, Musik. Kurz: Gute Geschichten erzählen ist eine Kunst. Eine ist mir kürzlich in Form von Peter Stamms Roman «In einer dunkelblauen Stunde» begegnet. Eine weitere mit dem Serienfinale von «Stranger Things» ins Sichtfeld gerückt. Das Album «Schwarzer Lotus» von Megaloh. Gute Geschichten sind rar. Schätzen wir, dass wir sich noch haben.