Wo wir uns einig sind
Sportsfreund Toni war wieder einmal voll im Schuss. «Ich bin ja kein politischer Tiefflieger, doch so langsam kann ich sie nicht mehr hören und sehen. Die Argumente dafür oder dagegen sind gesagt, geschrieben, in die Schweiz ...
Wo wir uns einig sind
Sportsfreund Toni war wieder einmal voll im Schuss. «Ich bin ja kein politischer Tiefflieger, doch so langsam kann ich sie nicht mehr hören und sehen. Die Argumente dafür oder dagegen sind gesagt, geschrieben, in die Schweiz hinausposaunt, auf den sozialen Medien gepostet und am Familientisch besprochen!» Tonis Gesichtsfarbe wurde rot und röter, ich machte mir echt Sorgen. Dabei waren wir erst beim zweiten Bier, also auf einem Level, das noch im Bereich «nicht besorgniserregend» einzuordnen ist. Mit anderen Worten: Tonis roter Kopf musste tatsächlich andere als alkoholische Ursachen haben. Dann liess er die Katze verbal aus dem Sack und, unter uns gesagt, überraschte sie mich nicht wirklich: «Ich habe die Diskussionen um die ‹Nachhaltigkeitsinitiative› satt. Du kannst sie auch ‹Keine 10-Millionen-Schweiz› nennen. Egal, es reicht langsam, es ist alles gesagt!»
Aus Erfahrung weiss ich, dass ich meinen temperamentvollen Sportsfreund einfach ausreden lassen muss. Geduldig schweigen und warten, bis er wieder auf dem Boden gelandet ist. Dann kommt es in der Regel schon gut. So war es auch diesmal. Nachdem er sich beruhigt und tief durchgeatmet hatte, erklärte er mir ganz unaufgeregt: «Wir hätten doch viele andere aktuelle Themen. Wenn du weisst, was ich meine.» Klar wusste ich es: Eishockey- und Fussball- Weltmeisterschaften. Da sind wir uns einig und brauchen keine Volksabstimmung.
Jean