Roman Wyler ist im Sennhof aufgewachsen und lebt mit seiner Familie in Remetschwil. Der eidg. dipl. Bauleiter engagiert sich in seiner Freizeit als Gemeinderat, als Parteipräsident der Mitte Bezirk Baden und im Schwingsport.
Das Sommerloch ist eine eigenartige Sache. Während ...
Roman Wyler ist im Sennhof aufgewachsen und lebt mit seiner Familie in Remetschwil. Der eidg. dipl. Bauleiter engagiert sich in seiner Freizeit als Gemeinderat, als Parteipräsident der Mitte Bezirk Baden und im Schwingsport.
Das Sommerloch ist eine eigenartige Sache. Während viele Ferien machen, müssen Zeitungen trotzdem gefüllt werden. Dieses Jahr mit Regierungsratskandidat Dominik Gresch. Im Aargau tritt Regierungsrat Stephan Attiger Ende Jahr zurück. Maja Riniker gilt als klare Favoritin für seine Nachfolge.
Gresch hätte Riniker kaum schlagen können. Seine Chancen waren überschaubar. Aber zwölf Jahre Exekutiverfahrung in Zofingen, langjährige Erfahrung als Grossrat und Führungserfahrung aus der Privatwirtschaft machen ihn zu einem valablen Kandidaten. Dann kamen die Schlagzeilen. Gresch hatte Betreibungen wegen Steuerschulden von rund 80 000 Franken. Er bestätigte dies und erklärte, sämtliche Ausstände seien inzwischen beglichen. Die Berichterstattung darüber ist legitim. Ein Regierungsratskandidat muss sich solche Fragen gefallen lassen. Nun ist Gresch nicht mehr auf der Kandidatenliste. Er begründet seinen Rückzug damit, dass «die politische Auseinandersetzung zunehmend auch sein privates Umfeld erreicht haben». Ob er tatsächlich wegen der Medienberichte aufgegeben hat, weiss ich nicht. Das wäre eine Behauptung, die ich nicht belegen kann. Schade ist es trotzdem. Aus einem interessanten Wahlkampf wird nun eine Wahl mit einer sehr klaren Favoritin und einigen Kandidaturen ohne realistische Chancen. Politiker wie Cédric Wermuth oder Andreas Glarner zeigen zudem: Eine Vergangenheit mit strafrechtlichen Verurteilungen muss einer erfolgreichen politischen Karriere nicht zwingend im Weg stehen. Die Fälle sind nicht vergleichbar, aber politische Biografien sind selten nur schwarz oder weiss. Und genau deshalb sollte am Ende der Wähler entscheiden. Die Medien sollen Missstände aufdecken, recherchieren und unangenehme Fragen stellen. Aber sie sind längst mehr als Beobachter. Nicht umsonst werden sie als vierte Gewalt bezeichnet. Sie können beeinflussen, wer überhaupt noch zur Wahl steht. Ich hätte mir deshalb gewünscht, Gresch wäre angetreten. Dann hätten wir entscheiden können, wie wir seine Vergangenheit gewichten. Vermutlich hätte Riniker trotzdem gewonnen. Aber dann hätten wir es entschieden. Nun scheint uns diese Entscheidung abgenommen worden zu sein. Vielleicht war es Greschs eigene Entscheidung, vielleicht der politische Druck. Vielleicht war es auch das Sommerloch. Sicher ist nur: Das Sommerloch hat einen bemerkenswerten Fang gemacht. Einen Kandidaten. Und vielleicht ein Stück Demokratie gleich mit.