Urs Heinz Aerni, aufgewachsen in Fislisbach, ist Journalist, Literatur- agent und Kulturvermittler. Oft ist er in der Natur – auch im Reusstal – anzu- treffen, wenn er als Feldornithologe für Vereine, Firmen und andere Gruppen mit allerhand Geschichten aus der Vogelwelt ...
Urs Heinz Aerni, aufgewachsen in Fislisbach, ist Journalist, Literatur- agent und Kulturvermittler. Oft ist er in der Natur – auch im Reusstal – anzu- treffen, wenn er als Feldornithologe für Vereine, Firmen und andere Gruppen mit allerhand Geschichten aus der Vogelwelt unterwegs ist.
Neulich in Kufstein, Tirol. An einem Kulturfestival unterhalte ich mich mit zwei jungen Menschen, so Mitte der 20er und beide im Bildungsund Erwerbsleben. Dann kommen wir auf den Jäger, der aus Versehen ein Pferd erschoss, in Graubünden. Die beiden schauten mich an. «Graubünden?».
Ich: «Ja, der flächenmässig grösste Kanton der Schweiz, der ja auch an Tirol und Südtirol grenzt.» Die beiden kennen den Namen Graubünden nicht. Ich erwähne St. Moritz und Davos. Jetzt nicken die beiden. Wie kommt es, dass die beiden sehr sympathischen, aktiven und fröhlichen Menschen im Tirol den «Nachbarkanton» nicht kannten?
Laut dem «Brockhaus» ist «Allgemeinbildung derjenige Teil der Bildung, der allen Menschen zukommt oder zukommen sollte.» Oder laut «Wikipedia» ist es ein Begriff, «mit dem die entscheidenden Kenntnisse und Befähigungen bezeichnet werden, die notwendig sind, um aktiv und kritisch an der Gestaltung möglichst aller Bereiche der modernen Gesellschaft teilnehmen zu können.» Schön gesagt.
Es scheint, dass die Allgemeinbildung aus unterschiedlichen Gründen erodiert und schrumpft. Einer davon sei laut einer Expertin gegenüber Radio SRF nach der schlecht ausgefallenen PISA-Studie über schulischen Leistungen, dass der immer grösser werdende Aufwand für die Sensibilisierung für Umgangsformen, Rücksichtnahme auf Schwächere und Mobbing-Prävention Zeit von anderen Fächern frisst. So schwindet die Schulzeit für Geschichte, Deutsch, Rechnen etc.
Ein anderer Grund für ein allgemeines Nichtwissen über die Welt und Gesellschaft sei das Konsumieren mit Tunnelblick. Die Zeiten des Blätterns in der Zeitung durch die Ressorts «Inland», «Ausland», «Region», «Wissenschaft», «Sport» und «Kultur» sind vorbei. Das Zappen im linearen Fernsehen von einer Talk-Sendung über eine Reportage bis zu einem Spielfilm tut heute jener Teil der Menschheit, der nicht mehr so lange unter uns weilt. Heute konsumiert man die Infos und News aus einer für sich zurecht gezimmerte Weltanschauung. Eine Meinungsbildung, die aus vielen Blickwinkeln entsteht, ist durch das Scrollen in Special-Interest-Kanälen unmöglich. Apropos Neudeutsch: Wie nennt man meine beiläufige Werbung hier im Text für das Literaturfestival Zofingen mit Gastland Tschechien vom 16. bis 18. Oktober? Richtig: Product Placement. Wollte Sie einfach testen. Der passende Buchtipp: «Das große Buch der Allgemeinbildung. Grundwissen von A bis Z.» 978-3-411- 05620-0, Duden/Cornelsen Verlag.