Roman Wyler ist im Sennhof aufgewachsen und lebt mit seiner Familie in Remetschwil. Der eidg. dipl. Bauleiter Tiefbau engagiert sich in seiner Freizeit als Gemeinderat in Remetschwil und als Kampfrichterverantwortlicher im Schwingsport.
Ich bin ein Fan von Sprichwörtern und ...
Roman Wyler ist im Sennhof aufgewachsen und lebt mit seiner Familie in Remetschwil. Der eidg. dipl. Bauleiter Tiefbau engagiert sich in seiner Freizeit als Gemeinderat in Remetschwil und als Kampfrichterverantwortlicher im Schwingsport.
Ich bin ein Fan von Sprichwörtern und Zitaten. Nur geht es mir mit denen wie bei Witzen, ich kann mir kaum je eines merken. Mein Lieblingszitat: «Im Land der Blinden ist der Einäugige König» (Erasmus von Rotterdam). Eines, das ich als Kind so lustig fand, war: «Auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn» (unbekannt). Beide Sprichwörter scheinen aus heutiger Sicht sehr zynisch und zeichnen ihr Gegenüber als eher unzureichend und vielleicht auch ein wenig unbeholfen. Letzthin habe ich ein schönes Zitat aufgeschnappt: «I am only one man, and there is little I can do, but woe to the one who seeks to forbid me that little» (Seymour Cray). Übersetzt: «Ich bin nur ein Mann und kann nicht viel ausrichten, aber wehe dem, der mir das Wenige verbieten will.» Dies ist ein Spruch, der einem bei den aktuellen Abstimmungs- und Wahlbeteiligungen zu denken geben sollte. Es gibt aber auch modernere und lustige Sprichwörter: «Gib immer 100%, ausser beim Blutspenden» (unbekannt) oder «Hinter jedem lustigen Mann steht eine Frau, die die Augen verdreht» (Jim Carrey). Kürzlich bin ich über eine alte chinesische Weisheit gestolpert, die mich beeindruckt hat: «Die grösste Macht der Menschen ist die Widerstandslosigkeit» (Sunzi). Als jemand, der die Konfrontation zwar nicht sucht, aber auch nicht scheut, widerspricht mir dieses Zitat. Doch in den Funktionen, die ich innehatte und noch immer innehabe, scheint es mir oft sehr hilfreich. Die Kernaussage ist, dass die grösste Macht nicht darin besteht, einen Feind durch rohe Gewalt zu besiegen, sondern seinen Widerstand ohne Kampf zu brechen. Es geht um strategische Überlegenheit, Flexibilität und das Nutzen der Situation, statt sich stur entgegenzustellen. Oder anders gesagt: Manchmal muss man einen Kampf verlieren, um den Krieg zu gewinnen.
Vielleicht ist genau das der Reiz solcher Sprichwörter. Sie behaupten, die Welt sei erklärbar, am besten in einem einzigen Satz. Der Einäugige wird zum König, das blinde Huhn findet sein Korn, und der Einzelne verteidigt trotzig sein bisschen Handlungsspielraum.
In der Realität ist es weniger elegant. Da stolpern viele Einäugige gleichzeitig herum, die Hühner picken oft daneben und das «Wenige», das man sich nicht nehmen lassen will, wird erstaunlich selten überhaupt eingefordert. Vielleicht ist es am Ende wie so oft:
An Weisheiten fehlt es nicht, nur an Leuten, die sie anwenden.