Angriff auf Geld: Betrüger ziehen alle Register
05.06.2026 Oberrohrdorf-StaretschwilOberrohrdorf: Die Kantonspolizei Aargau hielt als Auftakt zur Mitgliederversammlung der Spitex Heitersberg einen Vortrag über Betrugsmaschen
Andrea Abderhalden von der Kantonspolizei Aargau überraschte, verblüffte und informierte die sehr zahlreich erschienenen ...
Oberrohrdorf: Die Kantonspolizei Aargau hielt als Auftakt zur Mitgliederversammlung der Spitex Heitersberg einen Vortrag über Betrugsmaschen
Andrea Abderhalden von der Kantonspolizei Aargau überraschte, verblüffte und informierte die sehr zahlreich erschienenen Besuchenden über fast schon filmreife Betrugsbeispiele.
or der diesjährigen Mitgliederversammlung lud die Spitex Heitersberg zu einem öffentlichen Referat zum Thema «Sicherheit im Alter» ein. Das Thema interessierte sichtlich. Um 18 Uhr fanden sich 150 Besuchende in der Zähnteschüür in Oberrohrdorf ein. Referentin Andrea Abderhalden arbeitet seit 25 Jahren bei der Kapo Aargau und ist seit sechs Jahren in der Prävention tätig. In ihrem Referat zeigte die Polizistin den Anwesenden realitätsnah aktuelle Betrugsformen auf. Telefonbetrug, Schockanrufe, der «falsche Polizist», Anlagebetrug, Einbruchdiebstahl sowie die sogenannte «falsche Liebe im Internet» wurden thematisiert. Dazu verriet sie auch, wie man sich im Alltag wirksam davor schützen kann.
Mit den Präventionsreferaten will die Kapo möglichst viele Leute erreichen und für Betrugsmaschen sensibilisieren. «Für die Kapo ist dies leider ein Tagesgeschäft. In den Medien wird jeweils nur ein Bruchteil der Vorfälle veröffentlicht», sagte Abderhalden.
Anlagebetrug: Dunkelziffer ist hoch
Abderhalden sagte gleich zu Beginn ihres Referats, dass sie oft höre, mir kann das nicht passieren. Die Aussage sei heikel. Jeder, auch sie, könne Opfer eines Betrugs werden. «Sie werden staunen, um wie viel Geld es dabei geht,» so Abderhalden. Der Anlagebtrug sei das, was den grössten finanziellen Schaden hervorrufe und oft auch nicht einfach zu durchschauen. So habe ein Herr vor einigen Jahren auf einer Plattform 30 Franken einbezahlt. 2025 bekam er einen Anruf, bei dem ihm gesagt wurde, dass das von ihm einbezahlte Geld inzwischen eine Million Franken wert sei. Um das Geld auszulösen, müsse er für die entstandene Arbeit ein paar Einzahlungen tätigen. «Von Mitte letztem Jahr bis Anfangs 2026 hat der gute Herr fast 900 000 investiert», erzählte Abderhalden. «Geld hat er keines mehr gesehen.» Fakt sei, Geld das auf der Bank liege und nicht angelegt sei, arbeite nicht. Bei unrealistischen Gewinnankündigungen daher stets die Hände davon lassen. Meist resultiere wegen des hohen Geldverlustes bei Geschädigten noch eine psychische Belastung. «Tatsache ist, auf Betrüger fallen nicht dumme, sondern oft auch intelligente Menschen mit guten Jobs rein», so die Referentin. So gab es 2025 im Aargau 236 Fälle mit einer Schadenssumme von 19 Millionen Franken alleine im Anlagebetrug. «Die Dunkelziffer ist noch höher und man kann die Summe daher, um ein Zehnfaches hochrechnen», sagte sie. «Ich finde das erschreckend.» Die meisten Geschädigten würden bei ihrer Anzeige erwarten, dass die Polizei ihr Geld wieder zurückhole. Die Täterschaft sei aber nicht dumm und oft könne nicht nachvollzogen werden, wohin das Geld floss.
Ein zweites Mal über Tisch gezogen
Der sogenannte Recovery Scam ist ebenfalls weit verbreitet. «Stellen Sie sich vor, Sie sind Opfer von einem Online-Anlagebetrug», führte Andrea Abderhalden aus. «Ein paar Jahre später werden Sie von jemandem kontaktiert, der vorgibt, er sei darauf spezialisiert, Geld von Betrugsopfern zurückzuholen.» Und natürlich müssen die Geschädigten zuerst Geld einbezahlen, damit diese Person die Arbeit aufnehme. «Das heisst, beim Recovery Scam werden Sie ein zweites Mal über den Tisch gezogen», sagte Abderhalden.
Falsche QR-Codes bei Parkgebühren
Eine bekannte Betrugsmasche ist auch, an Bankdaten zu kommen. In einem SMS oder Mail wird geschrieben, dass ein Paket nicht zugestellt werden kann, da die Adresse fehlt. Es müsse auf einen Link gedrückt werden, um dies zu vervollständigen. Abderhalten rät, immer zuerst den Absender oben anzuschauen. Da erkenne man dann, dass es nicht die Post sei. «Sofort die Mail löschen und nie auf einen Link drücken», so die Polizistin. Dies nach dem Motto, bei einer Unsicherheit lieber einmal zu viel löschen.
Vorsicht ist auch bei Parkgebühren, die man per QR-Codes bezahlt, geboten. Hier können Betrüger den offiziellen QR-Code überkleben und selbst das Geld einkassieren. Abderhalden riet in diesem Fall: «Wenn Sie mit Twint bezahlen immer zuerst die App anwählen und nie über die Kamera den QR-Code scannen. Die App erkennt eine Fälschung.»
Romance Scam: Angriff auf das Herz
«Es gibt viele seriöse Plattformen für Partnervermittlungen, leider tummeln sich dort auch Betrüger», führte Abderhalden in ihrem Referat aus. «Ein Herr fand auf einer Dating-Plattform eine Frau aus Bulle und verliebte sich in sie», so die Polizistin. Nach einer Weile hätte die Dame ihm erzählt, dass sie nach ihrer Scheidung 800 000 in Gold, 900 000 in bar und eine Villa in Marrakesch für 1,2 Millionen Franken erhalte. Weil sie so dankbar sei, wolle sie ihm Gold schenken. Dafür müsse sie aber zuerst Geld haben, um an ihr Vermögen zu kommen. «Schlussendlich hat der verliebte Herr 500 000 Franken investiert, der Kontakt wurde abgebrochen, das Geld war weg», sagte Abderhalden. Eine andere Betrugsmasche ist der Schockanruf. Ein vermeintlicher Polizist oder Staatsanwalt ruft das Opfer an und sagt, dass die Tochter oder der Sohn einen Unfall mit Todesfolge verursacht hätte. Sie oder er werde in Haft genommen, wenn nicht sofort 100 000 Franken Kaution bezahlt werde. «Polizei und Staatsanwälte werden Sie nie telefonisch kontaktieren, sondern nur persönlich und schon gar keine Kaution fordern», sagte die Referentin. «Beenden Sie den Anruf in so einem Fall sofort.» Der Rat von Andrea Abderhalden: Im Zweifel die Nummer 117 wählen – lieber einmal zu viel, als zu wenig.
Debora Gattlen

