Anspruchsvoller Alltag in einzigartiger Natur
17.03.2026 Natur, Region ReusstalRegion: Die Rangerinnen und Ranger der Stiftung Reusstal haben sich mittlerweile auch im unteren Reusstal bewährt, sagt deren Leiter
Nach erfolgreichem Probebetrieb sind die Rangerinnen und Ranger weiterhin in der Region aktiv. Niklaus Peyer, Leiter der Gruppe Information und ...
Region: Die Rangerinnen und Ranger der Stiftung Reusstal haben sich mittlerweile auch im unteren Reusstal bewährt, sagt deren Leiter
Nach erfolgreichem Probebetrieb sind die Rangerinnen und Ranger weiterhin in der Region aktiv. Niklaus Peyer, Leiter der Gruppe Information und Aufsicht Reusstal, berichtet über deren Aufgaben sowie Begegnungen im Alltag.
◆ Was ist die primäre Aufgabe der Rangerinnen und Ranger?
In erster Linie sollen die Naturschutzzonen und damit ihre grosse Tier- und Pflanzenvielfalt vor Schäden und Störungen bewahrt werden. Die Gruppe Information und Aufsicht Reusstal sorgt für die Einhaltung der naturschutzspezifischen Verbote und Gebote, melden aber auch Schäden an Infrastruktur- und Erholungseinrichtungen, protokollieren Lücken in der Besucherlenkung oder der Beschilderung und achten auf mögliche Problemgebiete mit Handlungsbedarf. Dazu nehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gruppe Information und Aufsicht Reusstal bei Bedarf direkten Kontakt mit den zuständigen Stellen auf, wie zum Beispiel Naturschutz- und Gewässerunterhalt, Jagdaufsicht, Fischereiaufsicht, Polizei oder Rettungsdienste. Bei Verstössen gegen Schutzbestimmungen wird in erster Linie informiert. Dadurch sollen die Besucher und Besucherinnen für eine schonende Erholungsnutzung und die Einhaltung der Verhaltensregeln im Gebiet sensibilisiert werden. Bei Feststellung strafbarer Handlungen wird direkt im Feld eine Verwarnung ausgesprochen, eine Anzeige gemacht oder die Polizei gerufen.
◆ 2022 und 2023 war der Rangerdienst der Stiftung Reusstal probehalber am Reussufer bei Stetten im Einsatz. Seit 2024 ist er fest eingerichtet. Wie ist das Fazit?
Die Gruppe Information und Aufsicht Reusstal (I&A) bewährt sich weiterhin bestens und leistet kompetente Arbeit. Sie beaufsichtigt den Flachsee und das Reusstal seit 1974, kontrolliert seit 1982 die korrekte Umsetzung des Reusstaldekrets im oberen Reusstal, seit 2024 des Reussuferschutzdekrets im unteren Reusstal zwischen Bremgarten und Mellingen (Kanton Aargau), der Reusstal-Schutzverordnung der Gemeinden Ottenbach, Obfelden und Maschwanden (Kanton Zürich) und seit Anfang 2025 auch das neu gestaltete und rund 20 Hektaren grosse Gebiet des Auenregenerationsprojekts «Reussegger Schachen» bei Sins (Kanton Aargau).
◆ Werden dort künftig weiterhin Ranger/-innen eingesetzt?
Ja, die Rangerinnen und Ranger beaufsichtigen das Gebiet weiterhin. Die Zusammenarbeit sowie der Informationsfluss mit den verantwortlichen Unterhaltsdiensten der Kantone Aargau und Zürich, sowie auch mit den Gemeinden im unteren Reusstal ist gut etabliert und läuft direkt über die Leitung der Gruppe I&A. ◆ Wer ist Auftraggeber, die Gemeinden oder der Kanton Aargau?
Im unteren Reusstal der Kanton Aargau und folgende Gemeinden: Bremgarten, Eggenwil, Fischbach-Göslikon, Mellingen, Niederwil, Stetten, Künten und Tägerig.
◆ Wer übernimmt die Kosten?
Kanton und Gemeinden.
◆ Wie viele Ranger/-innen sind insgesamt im Reusstal im Einsatz?
Die Gruppe Information und Aufsicht besteht momentan aus 15 Personen (inklusive meiner Person).
◆ Wie oft sind sie unterwegs?
Die «Natur Schutzengel», auch Rangerinnen und Ranger genannt, sind täglich unterwegs, auch bei schlechtem Wetter, an den Wochenendtagen im Sommer auch zu zweit oder zu dritt. An Sonntagen mit grossem Besuchsaufkommen informieren sie die Bevölkerung an Informationsstand-Aktionen über verschiedene Themen wie zum Beispiel Biber, Wasservögel, Libellen, Fische, Frösche, Eidechsen usw. und betreuen auch die Ausstellung im Zieglerhaus in Rottenschwil.
◆ Welche Ausbildung oder Weiterbildungen müssen angehende Ranger/- innen mitbringen?
Voraussetzungen sind Begeisterung für die Natur und Engagement zu deren Schutz, Freude am Kontakt mit Menschen, Selbstständigkeit, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, freundliches, diplomatisches und offenes, aber bei Bedarf auch bestimmtes Auftreten, körperliche Belastbarkeit. Wir sind bei jedem Wetter zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs. Von Vorteil sind darüber hinaus eine Berufslehre oder ein Studium in einem «grünen Beruf» oder gleichwertige Kenntnisse, Kenntnisse in Didaktik, Umweltbildung, Naturbildung oder Ähnliches, Arten- und Ökologiekenntnis der im Gebiet vorkommenden Arten und Lebensräume, Rangerausbildung/-erfahrung oder gleichwertige Kompetenzen.
◆ Wie begegnen die Menschen den Rangerinnen und Rangern – eher positiv oder ablehnend?
Mehrheitlich positiv, aber Leute, die bei Verstössen «erwischt» werden oder nicht einsehen, dass sie etwas Schlechtes oder Verbotenes tun, reagieren manchmal unwirsch oder sogar unfreundlich.
◆ Auf Ihrer Homepage finden sich auch extreme Erlebnisberichte. Eine Rangerin wurde sogar von einem Hund gebissen, wie häufig sind solche negativen Ereignisse?
Das kommt glücklicherweise nur selten vor. Auch weil unsere Leute regelmässig in ihrer Kommunikations- und Konfliktfähigkeit weitergebildet und geschult werden. Der Arbeitsalltag in der Gruppe Information und Aufsicht Reusstal ist anspruchsvoll, abwechslungsreich und voller Überraschungen. Es ist klar, dass gewisse Stresstoleranz und Hartnäckigkeit auch dazu gehören.
◆ Was sind die schönen Momente im Berufsalltag?
Die Naturerlebnisse und -beobachtungen, das Reusstal im Lauf der Jahreszeiten zu erleben, Interessante Gespräche mit Besucherinnen und Besucher und deren Dankbarkeit bei Auskünften und Informationen.
◆ Gibt es Pläne, den Rangerdienst an der Reuss weiter auszuweiten?
Das Naturschutzgebiet «Ried am Boll» in den Gemeinden Knonau und Maschwanden, welches ebenfalls durch die Schutzverordnung SVO Knonau geschützt wird, soll 2026 durch die Gruppe I&A Reusstal ebenfalls beaufsichtigt werden.
Michael Lux
Infos: stiftung-reusstal.ch

