Auch ein Palmesel kann Geschichten erzählen
10.04.2026 MellingenMellingen: Sechs Monate lang wurde die Stadtscheune umgebaut. Die neue Ausstellung wird heute Abend eröffnet und mit einem Konzert gefeiert
Die neue Dauerausstellung ist auch ein Geschenk zum 30-Jahr-Jubiläum der Stadtscheune. Yvonne Fischer, neue Leiterin der Stadtscheune, und ...
Mellingen: Sechs Monate lang wurde die Stadtscheune umgebaut. Die neue Ausstellung wird heute Abend eröffnet und mit einem Konzert gefeiert
Die neue Dauerausstellung ist auch ein Geschenk zum 30-Jahr-Jubiläum der Stadtscheune. Yvonne Fischer, neue Leiterin der Stadtscheune, und Stadtrat Hanspeter Koch erzählen, was sie kurz vor der Vernissage beschäftigt.
Eimer mit Farbe und Leitern stehen neben den dicken Mauern. Auf dem Boden liegen Kabel und Werkzeugkoffer. Aus dem Dachgeschoss hört man Stimmen bis ins Erdgeschoss der Mellinger Stadtscheune, wo die neue Theke der Bibliothek steht. An der Wand lehnt ein Schild mit der Aufschrift «Museum offen». Betriebsamkeit herrscht am Dienstagabend in der Stadtscheune. In den letzten Monaten wurde das Haus umgebaut, um der neu konzipierten Dauerausstellung «Mellingen – Perle und Zankapfel?», finanziert einzig durch Sponsoring in der Höhe von rund 400 000 Franken, einen idealen Rahmen zu bieten.
Die Ruhelosigkeit lässt erahnen, dass Grosses bevorsteht. Am Freitagabend, 10. April, öffnet das Museum nach rund sechs Monaten Umbau wieder seine Türen. Die neue Ausstellung «Perle und Zankapfel» erzählt Mellingens Stadtgeschichte anhand von Schlüsselobjekten wie Zwinglibecher, Juliusbanner oder Palmesel. Letzterer ist in seinem Original rund 400 Jahre alt und wurde in Mellingen an den Palmsonntagsprozessionen mitgezogen. 1893 verkaufte die katholische Kirchpflege diesen Esel allerdings ans Nationalmuseum Zürich, wie Historiker Rainer Stöckli schreibt. Zurückgeben wollte das Landesmuseum den Esel nicht. Das Original durfte aber gescannt und detailgetreu aus Kunststoff nachgebildet werden. Dieser neue Esel steht nun im dritten Stock in der Stadtscheune, wo über «Leben und Glauben zwischen den Fronten» erzählt wird. Nichts unterscheidet den neuen vom alten Esel. Es sei denn das Material – denn der originale Palmesel ist aus Holz.
Stadtrat Koch ist zufrieden
An diesem Abend ist Bauabnahme. Stefan Schmid, Paul Zürcher und Stadtrat Hanspeter Koch von der Mellinger Museumskommission sind im Haus. Im Dachgeschoss trifft man auch die neue Leiterin der Stadtscheune, Yvonne Fischer. Überall ist sie gefragt. Handwerker pinseln noch etwas Farbe an eine Säule, Beleuchtungen werden kontrolliert und Ausstellungskästen Treppen hinunter getragen. Der Szenograph Konrad Süsskow vom Zürcher Büro «Raumprodukt», zuständig für die gestalterische Umsetzung des Ausstellungskonzeptes, spricht mit dem Elektriker. Kleinere Mängel beim Multimedia-Auftritt oder bei der Beleuchtung müssen bis zur Vernissage am Freitagabend behoben werden.
Stadtrat Hanspeter Koch indes ist zufrieden: «Das Ziel, eine organisatorische und inhaltliche Neupositionierung in der Stadtscheune, ist erreicht.» Die neue Dauerausstellung zum 30-Jahr-Jubiläum – 1996 wurde das Museum Mellingen eröffnet – präsentiert sich mit einem frischen, modernen Auftritt. «Das zeigt sich in Farbgebung und Digitalisierung», erklärt Koch. «Die Ausstellung konzentriert sich anhand von historischen Schlüsselobjekten auf das Wesentliche in Mellingens Geschichte.»
Vor allem aber soll das Haus mit Bibliothek, Museum und dem Forum (Raum für Kunst) multifunktional und flexibel genutzt werden können. «In dieser Einheit muss künftig geplant werden», sagt der Stadtrat. Das gehe nicht anders. «Alles ist Stadtscheune. Das bedeutet aber auch, dass Bilderbuchstunden auf allen Stockwerken möglich sind.» Im Forum, im ersten Stock, können auch die Projektions-Leinwände hochgezogen werden, damit die Wände frei werden für Kunstobjekte und Gemälde. «Es gibt», so Koch, «kaum Nutzungsgrenzen.»
«Ein spannendes Mosaiksteinchen»
Wenn sich aber unterschiedliche Nutzungen wie Bibliothek mit Ausleihe und Lesungen, Museumsbesuch oder temporäre Kunstausstellungen in einem Haus finden sollen, ist der Anspruch an Kommunikation und Koordination hoch. Das fällt in die Kompetenz von Historikerin Yvonne Fischer, die die Stadtscheune seit Februar leitet. Ihre ersten Wochen auf der «Baustelle Stadtscheune» seien herausfordernd gewesen, erzählt sie. Sie habe sich nicht so sehr mit dem Umbau beschäftigt. Viel wichtiger war ihr, die Mitarbeitenden der Bibliothek abzuholen. «Der Start scheint gelungen», meint sie. Auch weil das Bibliotheks-Team über so viel Fachwissen verfüge. Die Historikerin, die mit ihrer Familie in Menziken lebt und zuvor für das Museum Burg Zug und Museum Aargau arbeitete, freut sich auf die Ausstellungs-Eröffnung am Freitag. In die Geschichte Mellingens hat sie sich eingelesen. Sie sei mittlerweile auf einem guten Stand, werde sich aber weiterhin in Details vertiefen: «Mein Wissen wird mit Mellingens bewegter Geschichte um ein spannendes Mosaiksteinchen erweitert.»
Davon werden Yvonne Fischer und Hanspeter Koch heute und am Sonntag erzählen, wenn die Tafel «Museum offen» vor der Stadtscheune steht.
Heidi Hess
«La Petite Ecurie» – Konzert in der Kirche
Am 10. April erinnert die Stadtscheune in Mellingen feierlich an ihr 30-jähriges Bestehen. 1996 eröffnet, präsentiert sich der multifunktionale Raum mit einer neuen Dauerausstellung zur Stadtgeschichte. Das Städtchen wurde belagert und durch fremde Truppen besetzt. Der grosse Wunsch nach Frieden wurde auch von der Musik aufgenommen. Wie das klingt, ist beim Konzert des Ensembles «La Petite Ecurie» in der Stadtkirche zu hören (Kollekte). hhs
Freitag, 10. April: 16 Uhr, Vernissage (Stadtscheune). 18 Uhr: Konzert «La Petite Ecurie» (Stadtkirche). – Sonntag, 12. April: Ausstellung, 10 bis 17 Uhr (Stadtscheune).





