Beat Gomes, ehemaliger Reussbote-Redaktor und Stadtrat, wurde von Hans Jucker missbraucht
Beat Gomes war eines der Missbrauchsopfer von Sportmoderator Hans Jucker. Er lebte als Jugendlicher im Heim, in welchem Jucker ein und aus ging. Mehrfach musste er den Moderator sexuell ...
Beat Gomes, ehemaliger Reussbote-Redaktor und Stadtrat, wurde von Hans Jucker missbraucht
Beat Gomes war eines der Missbrauchsopfer von Sportmoderator Hans Jucker. Er lebte als Jugendlicher im Heim, in welchem Jucker ein und aus ging. Mehrfach musste er den Moderator sexuell befriedigen.
Im Sommer 2025 verschob Beat Gomes, der mehr als zehn Jahre in Mellingen lebte, seinen Lebensmittelpunkt nach Brasilien. Dort geniesst er heute seinen Ruhestand. Es ist kein Geheimnis: Beat Gomes (74) erlebte keine einfache Jugend: Er war Verdingbub, kam als Jugendlicher 1966 ins Landerziehungsheim Albisbrunn, wurde in jungen Jahren kriminell und musste sogar ins Gefängnis. Später konnte er die Matura nachholen, studierte und wurde schliesslich Journalist beim Blick, in den letzten Jahren war er Reussbote-Redaktor. Gomes war von 2018 bis 2025 auch Stadtrat in Mellingen.
Im erwähnten Landerziehungsheim in Albisbrunn kam Gomes unter anderem in Kontakt mit Sportreporter Hans Jucker (1946–2011). Seit Anfang Woche ist bekannt, dass Jucker 1971 wegen sexueller Handlungen mit Jugendlichen zu acht Monaten bedingt verurteilt wurde. Zu seinen Opfern gehörte Ende der 1960er-Jahre Willi Fegble, der die Schandtaten des Sportmoderators im Buch «Ich bin ein Unfall» veröffentlicht hatte. Fegbles Geschichte erschien vor wenigen Tagen im «Blick».
«Jetzt muss ich Klartext reden»
Als Beat Gomes dessen Geschichte im fernen Brasilien las – dem Internet sei Dank– und auch das Video mit Fegble sah, wühlte ihn dessen spürbares Leiden auf. Erneut. Denn auch Gomes war ein Opfer von Hans Jucker. Sowohl Fegble als auch Gomes lebten damals mit vielen anderen Jugendlichen im gleichen Landerziehungsheim Albisbrunn. In diesem Heim arbeitete der Vater von Hans Jucker als Koch. Wie Gomes erzählt, sei Sohn Hans Jucker schon damals sehr populär als Reporter und Speaker an Sportveranstaltungen gewesen. Im Heim sei er ein und aus gegangen.
Gomes erzählte seine eigene Geschichte dem «Blick», weil ihm wichtig ist, öffentlich zu machen, dass Fegble nicht alleine da steht. «Jetzt muss ich Klartext reden!» – das sei für ihn ausser Diskussion gestanden, erzählt er am Donnerstag beim Video-Call mit dem «Reussbote».
Beat Gomes, der damals noch Beat Alder hiess, war nicht nur im Heim, er spielte auch Fussball in Affoltern, Zürich. «Ich war 14 Jahre alt, ein kleiner, schmaler Bub», sagt er. Manchmal habe ihn Hans Jucker nach dem Fussballtraining ins Heim zurückgefahren. Auf einer dieser Fahrten verlangte der Reporter schliesslich, dass ihn der 14-Jährige befriedige. «Jucker wandte nicht einfach rohe Gewalt an», sagt Gomes. Vielmehr ging er psychologisch raffiniert vor: Jucker wusste, dass Gomes heimlich rauchte – wie andere Jugendliche im Heim auch. Er drohte, ihn zu verraten und Gomes tat, was Jucker von ihm verlangte. «Ich musste ihn oral befriedigen», erzählt er. Zu solchen Übergriffen sei es immer wieder gekommen, sagt Gomes. Jucker habe ihm zehn oder zwanzig Franken dafür gegeben. «Geld für Zigaretten», sagt Gomes. Jeder wusste davon, aber alle hätten weggeschaut. Niemand habe ihnen geholfen, nicht seine Mutter, nicht die Staatsanwaltschaft in Winterthur. Der Staatsanwaltschaft schilderten mehrere Jugendliche gemeinsam die sexuellen Übergriffe von Hans Jucker. Statt ihnen zu helfen, seien sie ins Heim zurückgefahren und hart bestraft worden.
Als Heimkinder seien sie damals in der Gesellschaft als «wertlose Menschen» wahrgenommen worden, sagt Beat Gomes. Und auch für Jucker seien sie «kaputte Menschen gewesen, ohnehin schon verdorben». Gomes gelang es nach jahrelanger Psychotherapie seinen eigenen Weg zu gehen. «Den Geruch des Missbrauchs aber werde ich nie mehr los», sagt er.
Heidi Hess