Mellingen: Wo liegen die buchstäblichen «Hotspots» im Städtchen und wo ist es kühler – und warum? Der Klimaspaziergang lieferte Antworten
Der Anlass passte zur aktuellen Hitzeperiode: Die Stiftung Naturama lud kürzlich zum ...
Mellingen: Wo liegen die buchstäblichen «Hotspots» im Städtchen und wo ist es kühler – und warum? Der Klimaspaziergang lieferte Antworten
Der Anlass passte zur aktuellen Hitzeperiode: Die Stiftung Naturama lud kürzlich zum «Klimaspaziergang» ein. 34 Interessierte nahmen teil.
Seit 1997 steigen die Temperaturen an, nicht nur im Kanton Aargau, sondern weltweit», begrüsste Martina Siegrist die 34 Teilnehmenden auf der Iberg-Wiese. Im Auftrag des Kantons organisiert die Stiftung Naturama Aargau kostenlose «Klimaspaziergänge». Diesmal lud sie nach Mellingen ein, zusammen mit der Stadt und dem Verein Birdlife. Vor einigen Jahren fand dieselbe Veranstaltung in Niederrohrdorf statt. Es geht darum, Gemeindeplaner und die Bevölkerung zu sensibilisieren für den Klimawandel und zu zeigen, mit welchen Massnahmen heisse Temperaturen erträglicher gemacht werden können.
Temperaturen gemessen
Martina Siegrist und ihre Kollegin Isabelle Glanzmann liefen mit zwei Gruppen durchs Städtchen – auf der Suche nach heissen und kühlen Orten im Siedlungsgebiet. Doch zuerst erhielt jede und jeder ein Messgerät (eine Art Laser-Pistole) ausgehändigt, mit der die Temperaturen gemessen werden konnte. Jeder zielte auf verschiedene Dinge. Die Temperaturunterschiede zwischen Asphalt (in der Sonne oder im Schatten), Bänkli, einer Wiese – oder einer Bierdose – waren beträchtlich. Dann startete der Rundgang. Durch das schattig-kühle Gartengässli ging es zur «Asphaltwüste» Lenzburgerstrasse. Dann traf man sich unter Schatten spendenden Bäumen im Friedhof zum Infohalt wieder. In einigen 100 Meter Distanz völlig unterschiedliche Temperaturen. Martina Siegrist erklärte, dass es wichtig sei, Bäume in Bauvorhaben zu integrieren und ihnen den nötigen Platz zu geben. Die teilnehmende Stadtpräsidentin Györgyi Schaeffer meinte, dass neue Bäume an der Birrfeld-/Lenzburgerstrasse geplant seien. Eine Klimakarte von Mellingen wurde präsentiert. Die Altstadt ist die heisseste Zone. Die Wärme kann dort fast nicht entweichen. Später gings weiter in die Überbauung «Punkt Sieben» an der Jurastrasse. «Positiv ist, dass der Platz zwischen den Häusern entsiegelt ist. Dadurch kann viel Wasser versickern», erklärte die Vertreterin von Naturama. Pro Quadratmeter versiegelte Fläche würden ansonsten 1000 Liter Regenwasser ungenutzt verschwinden. Auch die gepflanzten Rotbuchen fand sie positiv. Doch die Spielgeräte auf dem Platz waren glühend heiss: 57 Grad mass der Autor beim Sitz einer Schaukel. Im Neugrün sorgt der Brunnen für angenehme Kühle. Auch die Baumaterialein und deren Farbe hätten einen Einfluss auf die Temperaturen. Weiss reflektiert das Licht und kühlt. Dunkle Farben sorgen für Hitze. Auf dem Pausenplatz der Schulanlage Kleine Kreuzzelg war es besonders heiss. «Gerade Kinder und ältere Leute sind gefährdet bei hohen Temperaturen», sagte Siegrist. Die grossen Fensterfronten und die dunkle Fassade des Primarschulhauses bezeichnete sie als problematisch. Die Gruppe diskutierte ausserdem über das Thema «hitzefrei» und warum Schulen heute verzichten (die Betreuung der Kinder ist nicht mehr gewährleistet). Das Fazit des Klimaspaziergangs: Mellingen braucht mehr entsiegelte Fläche und Bäume. Gut fürs Klima sind auch offene Wasserflächen. Also weniger Grau und mehr Grün in Mellingen! Viele Infos zu diesem Thema enthält auch der «Massnahmenplan Natur Mellingen» der Stadt Mellingen von 2025.
Marc Benedetti
Infos zu Klimakarten unter ag.ch/de/ themen/klimawandel/klimakarten