Mellingen: Seit Montag dominiert ein grosser Kran den Zentralplatz. Sein Ausleger reicht über die Reuss bis zu den Altstadtdächern
Der Turmdrehkran steht. Die grossen Herausforderungen aber beginnen erst jetzt. Die Bauarbeiten müssen auf engem Raum über die ...
Mellingen: Seit Montag dominiert ein grosser Kran den Zentralplatz. Sein Ausleger reicht über die Reuss bis zu den Altstadtdächern
Der Turmdrehkran steht. Die grossen Herausforderungen aber beginnen erst jetzt. Die Bauarbeiten müssen auf engem Raum über die Bühne gehen. Daneben muss auch der Verkehr sicher fliessen können.
m Montag ab 7 Uhr morgens wurde der Turmdrehkran bei der
Reussbrücke vor der Mellinger Altstadt aufgebaut. Turmelement um Turmelement wuchs er in die Höhe, bis er 35 Meter hoch war. Anschliessend wurde der 70 Meter lange Ausleger, der bis zu den Dächern der Altstadthäuser am anderen Reussufer reicht, zusammengebaut. Mithilfe dieses Krans werden Teile der 100 Jahre alten Brücke in den kommenden Wochen zurückgebaut.
Arbeiten auf engem Raum
Diese Sanierung ist allerdings mit einigen Herausforderungen verbunden. Da ist zum einen der Platz. «Es hat hier wenig Installationsfläche», erklärt Laurence Spaar, die als Bauführerin beim Unternehmen Cellere arbeitet, das vom Kanton mit dem Rückbau beauftragt wurde. Der Umschlagplatz für Lastwagen ist klein. Es sei auf diesem engen Raum auch schwierig, sagt Spaar, Materialien zwischenzulagern, ob es sich dabei um Schalungen, Abbruchteile oder um Aushubmaterial handelt.
Und auf dem Zentralplatz müssen Autos, Lieferwagen und Busse weiterhin verkehren können, auch Fussgänger und Velofahrerinnen. Am Montag, beim Kranaufbau, ist der Umweg aus Sicherheitsgründen sogar noch etwas länger. Er führt an der Stetterstrasse um den ehemaligen Coop herum. Bereits am folgenden Tag gilt aber für den Langsamverkehr – zu Fuss und mit dem Velo – wieder der seit einigen Monaten gewohnte Umweg über den Städtlisteg.
Im Juli wird die Brücke angehoben
Im Vorfeld wurden bei der 100-jährigen Brücke Proben entnommen, die Aufschluss über die Zusammensetzung des Materials geben. «Aber das Baumaterial ist alt», sagt Polier Stefan Fuchs zu bedenken. «Der Rückbau beginnt deshalb mit eher kleinen Abbruchteilen.»
«Die Arbeiten am Widerlager auf der Seite Zentralplatz sind bereits im Gang», erklärt Laurence Spaar. Im Juli soll die Brücke hydraulisch um rund 2,6 Meter angehoben werden. Sie wird im Anschluss gesichert und es wird auch ein Schutzgerüst um sie herum montiert. Dann werde die Betondecke mithilfe des Turmdrehkrans entfernt, erklärt die Bauführerin. Rund 20 Tage rechnet Laurence Spaar für diese Arbeiten. Zeitintensiver werde voraussichtlich der Abbruch der Tragkonstruktion aus Stahl. Vor dem Absenken der Brücke wird die neue Fahrbahnplatte erstellt und die revidierten Lager werden wieder versetzt.
Heidi Hess
«Ich freue mich jeden Tag auf meine Arbeit»
Frauen sind im Baugewerbe selten, Frauen in der Bauführung erst recht. Laurence Spaar aber gehört zu jenen wenigen Frauen, denen genau diese Arbeit gefällt. Auf der Baustelle in Mellingen verantwortet sie den Rückbau der Brücke und freut sich jeden Tag auf ihre Arbeit. «Auch wenn es manchmal lange Arbeitstage sind», sagt sie lachend.
Laurence Spaar spricht hochdeutsch mit leichtem Akzent. Sie kommt aus dem Elsass und absolvierte eine trinationale Ausbildung als Bauingenieurin. Seit Herbst 2002 wird der trinationale Studiengang zum Bauingenieurwesen in der Region Oberrhein angeboten. Getragen wird dieses Projekt von der Fachhochschule beider Basel in Muttenz, von der Fachhochschule Karlsruhe und von der Universität Robert Schumann in Strasbourg.
Spaar sagt, ihr sei früh klar gewesen, dass sie nicht im Planungsbüro arbeiten will, sondern in der Ausführung, auf der Baustelle. Wichtig sei in ihrer Funktion das nötige Fachwissen mitzubringen und den Kollegen auf Augenhöhe zu begegnen. (hhs)