Beim Alarm legt er den Schalter um
06.01.2026 Region RohrdorferbergAuch an den Feiertagen zum Jahreswechsel sind die Feuerwehren rund um die Uhr einsatzbereit
Die Feuerwehr Rohrdorf rückte zwischen Heilig Abend und Silvester mehrfach aus. Kommandant Marc Hägler (44) aus Oberrohrdorf erklärt, was es bedeutet, jederzeit abrufbereit zu sein ...
Auch an den Feiertagen zum Jahreswechsel sind die Feuerwehren rund um die Uhr einsatzbereit
Die Feuerwehr Rohrdorf rückte zwischen Heilig Abend und Silvester mehrfach aus. Kommandant Marc Hägler (44) aus Oberrohrdorf erklärt, was es bedeutet, jederzeit abrufbereit zu sein und warum es gerade in brenzligen Situationen Fingerspitzengefühl braucht.
◆ Wie lange sind Sie bei der Feuerwehr Rohrdorf, wie lange sind Sie Kommandant?
Ich bin bereits seit 2001 dabei und seit 2014 Kommandant. Ich bin durch meinen damaligen Lehrmeister auf die Feuerwehr aufmerksam gemacht worden, der selbst Kommandant bei der Feuerwehr Brugg war. Mein Götti war Kommandant bei der Feuerwehr Wettingen. Ich bin also schon früh in Berührung gekommen.
◆ Was ist für Sie persönlich das Faszinierende an der Feuerwehr?
Einerseits ist es die Möglichkeit, anderen helfen zu können in einer Situation, in der sie sich in der Regel nicht mehr selbst helfen können. Darüber hinaus ist es die Herausforderung, mit sehr wenigen Mitteln und unter sehr grossem Zeitdruck Entscheidungen treffen zu müssen. Und nicht zuletzt die eindrückliche Kameradschaft – wir sind eine grosse Familie.
◆ Kann jeder/jede zur Feuerwehr? Was muss man mitbringen?
Grundsätzlich sind alle willkommen. Man sollte eine körperliche Grundfitness mitbringen und Deutsch können. Die Feuerwehr ist ein Abbild der Gesellschaft. Es gibt die unterschiedlichsten Berufe und Hintergründe. Dadurch kann die Feuerwehr mit den vielschichtigsten Problemen umgehen. Jeder bringt aus seinem Bereich eigene Fähigkeiten ein. Man muss allerdings leider sagen, dass der Aufwand immer grösser wird, Neuzugänge zu rekrutieren. Heute wollen viele keine festen Verpflichtungen eingehen. Schliesslich wird von den Feuerwehrleuten erwartet, dass sie an den Ausbildungen und regelmässigen Übungen teilnehmen.
◆ Ist die Tätigkeit gefährlich?
Nein, gefährlich ist es nicht. Es gibt natürlich ein Restrisiko, das wir aber durch gute Ausbildung und Training möglichst gering zu halten versuchen.
◆ Aus welchen Gründen rücken Sie am häufigsten aus?
Die häufigsten Einsätze sind technische Hilfeleistungen aller Art. Wenn zum Beispiel Wasser in einem Gebäude austritt oder eine Ölspur auf der Strasse die Sicherheit im Verkehr gefährdet. Die Einsätze der Feuerwehren sind je nach Region auch etwas unterschiedlich. Bei der Feuerwehr in Mellingen ist beispielsweise Hochwasser ein häufigeres Szenario.
◆ Was war die brenzligste Situation, an die Sie sich erinnern?
Brenzlige Situationen kann es immer mal geben – vor allem aufgrund des Verkehrs, wenn man auf der Strasse arbeitet. Aber auch beim sogenannten Innenangriff mit Atemschutz. Ich erinnere mich an einen Einsatz beim Brand des «Roten Löwen» in Oberrohrdorf vor 20 Jahren als ein Kamerad durch einen Fussboden im brennenden Gebäude gebrochen ist. Das war einer meiner ersten Einsätze mit Atemschutz. Das sind so Schlüsselerlebnisse, die einem in Erinnerung bleiben. Am meisten lernt man ohnehin aus den Einsätzen. Darüber hinaus versuchen wir zuvor unter sicheren Bedingungen in der Ausbildung zu trainieren, wie man in den einzelnen Situationen vernünftig reagiert. Im Einsatz stellt man ausserdem die Eigensicherung voran. Im ungünstigsten Fall kann das bedeuten, dass eine Rettung nicht durchführt werden kann. Das Schlimmste was passieren kann ist, dass man seine eigenen Leute retten muss.
◆ Machen Ihre Frau oder Ihre Kinder sich jeweils Sorgen vor dem Einsatz?
Mein Frau Nicole ist selbst bei der Feuerwehr, dort haben wir uns kennengelernt. In dem Moment, in dem ich in den Einsatz gehe, schalte ich den Modus um – auch im Umgang mit meiner Frau. Sie ist dann ein Mitglied des Teams, das bestimmte Fähigkeiten mitbringt. Ich kann diese zwei Welten trennen. Unsere Kinder sind erst 3 und 5 Jahre alt und verstehen das Ganze natürlich noch nicht so. Für sie ist es einfach faszinierend zu hören, was passiert ist. «Hat es fest gebrannt?», fragen sie beispielsweise hinterher.
◆ Sie treffen in Ihren Einsätzen häufig auf Menschen in Ausnahmesituationen. Wie geht man damit um?
Es braucht Fingerspitzengefühl. Man trägt zwar eine Uniform und repräsentiert somit eine Behörde. Andererseits muss man anerkennen, dass die Leute sich in einer Ausnahmesituation befinden. Ich bin einmal als Erster allein und ohne Ausrüstung zu einem brennenden Haus gekommen und wurde vom Besitzer beschimpft, warum ich denn nichts unternehme. So etwas muss man dann ausblenden.
◆ Ein Feuerwehrmitglied ist rund um die Uhr auf Abruf auch an den Feiertagen – ist das nicht belastend?
Für mich ist das kein Thema. Ich weiss, dass wenn der Anruf kommt auch Not herrscht und, dass man sich darum kümmern muss. Wenn man diese Grundhaltung nicht hat oder einen so etwas belastet, ist man vielleicht bei der Feuerwehr falsch. Ausserdem muss nicht jeder bei jedem Einsatz ausrücken. Es gibt eine Rotation. Es werden zudem immer mehr Leute aufgeboten als gebraucht werden, damit sicher genügend vor Ort sind.
◆ Auch an Heilig Abend musste die Feuerwehr Rohrdorf ausrücken und am 26. Dezember ebenfalls. Was war passiert?
Die beiden Einsätze waren in der Gemeinde Fislisbach, mit deren Feuerwehr wir für grössere Einsätze einen gegenseitigen Alarmverbund und auch sonst eine sehr enge Zusammenarbeit pflegen. Am 24. Dezember gab es einen Balkonbrand. Es waren aber keine Personen in der Wohnung. Am 26. Dezember gab es einen Brand neben einem Einfamilienhaus hinter Garagenboxen. Aus der Perspektive der Person, welche die Feuerwehr rief, sah es jedoch so aus, als stehe das gesamte dahinter liegende Haus in Flammen. Die gesamte Feuerwehr Fislisbach, die Kommandogruppe der Feuerwehr Rohrdorf und die Stützpunktfeuerwehr Baden mit der Autodrehleiter rückten aus.
◆ Sind Sie an Silvester wegen des Feuerwerks in erhöhter Alarmbereitschaft?
Grundsätzlich sind wir zu jeder Zeit im gleichen Status. Am 1. August und zu Silvester spielt die Brandgefahr eine etwas grössere Rolle. Es geht für uns über die Feiertage aber eher darum, die Führung entsprechend zu organisieren, dass immer jemand einsatzbereit ist.
◆ Können Sie privat trotzdem das Feuerwerk geniessen?
Ja. Für mich ist das klar getrennt. Wenn ich nicht im Einsatz bin, kann ich auch an etwas anderes denken und bin wie alle im Feiermodus.
◆ Was ist das Schönste nach einem Einsatz?
Am schönsten ist es, wenn man jemandem aus einer ganz schlimmen Situation heraushelfen konnte und die Person sich dann bedankt und zeigt, dass sie dies nicht als selbstverständlich erachtet und einem so Wertschätzung entgegen bringt. Manchmal reichen aber auch Kleinigkeiten, wie eine aus dem Baum gerettete Katze, für schöne Begegnungen.
Michael Lux

