Bildungsforscher schaute über die Schulter
31.03.2026 MellingenMellingen: Bildungsforscher John Hattie und Janet Clinton besuchten im Rahmen ihrer Schweizreise die Schule Mellingen-Wohlenschwil
Die Schule Mellingen-Wohlenschwil erhielt diese Tage prominenten Besuch aus dem fernen Australien.
Die NZZ ist nicht bekannt für reisserische ...
Mellingen: Bildungsforscher John Hattie und Janet Clinton besuchten im Rahmen ihrer Schweizreise die Schule Mellingen-Wohlenschwil
Die Schule Mellingen-Wohlenschwil erhielt diese Tage prominenten Besuch aus dem fernen Australien.
Die NZZ ist nicht bekannt für reisserische Schlagzeilen. Doch bei John Hattie, Bildungsforscher aus Australien, hält sie nicht zurück: Der «Cristiano Ronaldo für die Lehrer» und schlicht der «einflussreichste Bildungsforscher der Welt» wird er genannt. Denn Professor John Hattie ist international bekannt für seine Forschungsarbeiten zu wirksamem Lernen und Unterricht. Gemeinsam mit Professorin Janet Clinton untersucht er seit vielen Jahren, welche Faktoren den Lernerfolg tatsächlich beeinflussen. Im Zentrum steht immer wieder die Leitfrage: Wie kann Lernen sichtbar gemacht werden?
Besuch in drei Klassen
So auch an diesem Mittwochmorgen in Mellingen. Monique Struck, Lehrerin und Verantwortliche für die Schulentwicklung an der Sek- und Realschule, führt John Hattie und Janet Clinton in drei Klassenzimmer. Monique Struck beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen Hatties, auch an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Dank ihr und dem Team von «Lernen sichtbar machen» (lernensichtbarmachen.ch) sind die beiden Spitzenwissenschafter an der Schule MeWo.
Es sind eine fünfte und sechste Primarklasse und eine zweite Serealklasse, in denen sie vorbeischauen. Die Kinder und Jugendlichen in allen Klassen arbeiten selbstständig und im Austausch miteinander sowie mit der Lehrperson – mal konzentriert am Laptop oder mit Arbeitsblättern, mal lebhaft diskutierend.
Man spürt sofort, dass John Hattie und Janet Clinton Pädagogen aus Leidenschaft sind. Sofort gehen sie zu Schü- lerinnen und Schülern hin, fragen, woran sie gerade arbeiten, wie sie das tun und wie gut es funktioniert. Die Kinder und Jugendlichen geben gerne Auskunft – auf Englisch, versteht sich. Das Schöne daran: Weder die Besuchenden noch die Schülerinnen und Schüler zeigen irgendwelche Berührungsängste. Hier begegnen sich einfach neugierige Menschen mit einem ehrlichen Interesse am Gegenüber.
Er ging zuerst nicht gerne zur Schule
In der Serealklasse stellen die Jugendlichen schliesslich Fragen an John und Janet: Gingen sie als Kinder gerne zur Schule? Johns Augen blitzen auf. Nein! Zuerst nicht, erst später, als er selbstständiger und selbstgesteuert lernen konnte. Was war ihnen am liebsten an der Schule? Für Janet war es klar der Sport – welcher genauso wichtig war für den Lernerfolg wie alles andere. Beide stellen bei jeder Frage auch gleich eine Gegenfrage: Gehst du gerne zur Schule? Welches Fach magst du am liebsten? Schliesslich fragt eine Schülerin: Wie weiss ich, dass ich Erfolg habe? Das ist der Kern. John Hattie sagt: Du musst wissen, was Erfolg in der Schule bedeutet. Du musst deine Ziele kennen, dank deiner Lehrperson – und dann kann die Arbeit beginnen. Später am Tag reflektiert der Australier über seinen Besuch an der Schule MeWo: «I often go to schools. We go around classes and we see teachers teaching. I did not see that today. I saw kids learning. I saw the interaction. I saw them struggling. And some of them were really struggling. And that’s what it should be. Isn’t it wonderful?» Auf Deutsch, zusammengefasst: Er sah keine dozierenden Lehrpersonen, sondern (hart) lernende Kinder und ihre Interaktionen. Ist das nicht wunderbar?
Simon Koller




