Annetta Schup- pisser ist in Tä- gerig aufge- wachsen, Grossrätin und wohnt in Baden. Sie hat Masterstudiengänge in Interna- tional Law & Management in St. Gallen absolviert und arbeitet im Finanzwe- sen. In ihrer Freizeit segelt sie ...
Annetta Schup- pisser ist in Tä- gerig aufge- wachsen, Grossrätin und wohnt in Baden. Sie hat Masterstudiengänge in Interna- tional Law & Management in St. Gallen absolviert und arbeitet im Finanzwe- sen. In ihrer Freizeit segelt sie leiden- schaftlich gern.
Es gibt Entscheidungen im Leben, die trifft man nicht strategisch. Eine Heirat gehört dazu. Sie ist ein Versprechen, ein gemeinsamer Schritt in die Zukunft – manchmal leise auf dem Standesamt, manchmal gross gefeiert mit Familie und Freunden, aber immer persönlich. Und genau deshalb sollte sie nicht davon abhängen, ob sich dieser Schritt auch steuerlich «rechnet».
Trotzdem war lange genau das der Fall. Viele Paare stellten irgendwann fest: Mit dem Trauschein wird es romantisch – und plötzlich auch etwas teurer. Nicht, weil sich ihr Alltag verändert hätte, sondern weil das Steuersystem anders rechnete. Das sorgte nicht selten für Stirnrunzeln am Küchentisch statt nur für Hochzeitsfreude.
Mit dem Ja zur Individualbesteuerung hat die Stimmbevölkerung hier ein klares Zeichen gesetzt. Künftig soll jede Person unabhängig vom Zivilstand besteuert werden. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Fairness – und vor allem näher an der Lebensrealität vieler Paare und Familien heute.
Doch ein Volksentscheid allein verändert noch keinen Steuerbescheid. Bis die neue Regelung überall umgesetzt ist, braucht es Anpassungen bei Bund, Kantonen und Gemeinden. Genau deshalb ist es jetzt wichtig, dass die Umsetzung vorwärtsgeht. Wer Ja gesagt hat, erwartet zu Recht auch Wirkung im Alltag.
Denn es geht nicht nur um Zahlenkolonnen. Es geht um wichtige Momente im Leben: ums Heiraten, ums Gründen einer Familie oder darum, Arbeit und Betreuung neu aufzuteilen. Solche Entscheidungen entstehen aus Überzeugung – nicht aus steuerlichen Überlegungen.
Als nächster Schritt braucht es nun klare gesetzliche Grundlagen auf Bundesebene und koordinierte Anpassungen in den Kantonen. Steuerverfahren müssen umgestellt, Tarife neu festgelegt und Übergangslösungen definiert werden. Das ist anspruchsvoll, aber machbar – und vor allem notwendig. Entscheidend ist, dass dieser Prozess transparent vorangeht und nicht unnötig verzögert wird.
Die Individualbesteuerung ist deshalb mehr als eine Reform im Hintergrund. Sie ist ein Schritt zu mehr Gleichstellung und zu einem Staat, der Vertrauen in die Lebensentscheide seiner Bürgerinnen und Bürger zeigt. Jetzt ist es an der nationalen Politik, dieses Versprechen zügig einzulösen – damit aus einem guten Entscheid bald gelebte Realität wird.