Das Axtwerfen ist auch Frauensache
04.09.2026 NiederrohrdorfNiederrohrdorf: Die Schweizer Meisterschaft im Doppelaxtwerfen findet diesen Monat am Rohrdorferberg stattnieder
Am 19. und 20. September messen sich in der Reithalle Niederrohrdorf rund 90 Axtwerfer und -werferinnen an ihrer Schweizer Meisterschaft. Eine der Organisatorinnen, ...
Niederrohrdorf: Die Schweizer Meisterschaft im Doppelaxtwerfen findet diesen Monat am Rohrdorferberg stattnieder
Am 19. und 20. September messen sich in der Reithalle Niederrohrdorf rund 90 Axtwerfer und -werferinnen an ihrer Schweizer Meisterschaft. Eine der Organisatorinnen, Lynn Grossniklaus aus Stetten, ist amtierende Europameisterin und freut sich riesig darauf.
Der «Reussbote» berichtete schon öfters über die Sportart Doppelaxtwerfen. Immer wieder machen Axtwerfer-innen aus unserer Region von sich reden, weil der «Axtwurfverein Rohrdorf» seinen Sitz in Oberrohrdorf hat. Ursprünglich als Zeitvertreib während Corona gegründet, ist der Verein heute aktiv im Wettkampfsport und nimmt an den nationalen sowie internationalen Anlässen teil. Die 42-jährige Lynn Grossniklaus aus Stetten ist Vereinsmitglied und liebt ihr Hobby. Sie hat es sehr weit gebracht: Im Juli 2025 gewann sie in Slowenien den Titel der Europameisterin. Sie reiste mit ihrer Familie an die EM – auf eigene Kosten. «Doppelaxtwerfen ist halt immer noch eine Randsportart», sagt sie, «es gibt in der Schweiz keine regelmässigen Sponsoren, die uns unterstützen.»
Meisterschaft in der Reithalle
Grossniklaus freut sich, dass die Rohrdorfer in diesem Jahr die Schweizer Meisterschaft in der Reithalle von Niederrohrdorf ausrichten dürfen und der Sport dadurch weiter an Popularität gewinnen kann. Die Meisterschaft findet abwechslungsweise in der Deutschschweiz, in der Romandie oder dem Tessin statt. Diesmal ist die Deutschschweiz dran. «Es haben sich bisher 90 Axtwerfer und -werferinnen angemeldet», sagt die Sportlerin, «100 sind die Grenze.» Am Samstag findet die Qualifikation statt. 12 Scheiben werden nebeneinander aufgehängt. Jeder und jede hat 36 Würfe. «Bei fast 100 Personen wird das eine Weile gehen.» Am Sonntag gehts mit dem Teamwerfen weiter. Weil die Gefahr besteht, dass sich die Besten zusammentun, werden die Teams gemischt. Jeweils der beste und der mittlere und der schlechteste aus der Qualifikation bilden eine Gruppe. «So erhalten auch die Schwächeren eine Chance, aufs Treppli zu kommen», erklärt Grossniklaus. Am Nachmittag finden die Finale und die Siegerehrung statt. Es wird eine Festwirtschaft in der Reithalle geben. «Zuschauerinnen und Zuschauer sind natürlich herzlich willkommen», sagt die Stetterin.
Lynn Grossniklaus wird mit ihrer handgeschmiedeten Doppelaxt werfen. «Ich habe sie von meinem Mann Benj zu Weihnachten bekommen. Sie sieht ein wenig anders aus als die Standardaxt», erklärt sie. Auf der Axt ist ihr Name eingraviert. Ein gelernter Schmied aus Bremgarten hat sie angefertigt. Sie ist mit 2,2 Kilogramm relativ schwer. Das geforderte Mindestgewicht beträgt 1134 Gramm. Geworfen wird bei der Doppelaxtmeisterschaft mit einer zweischneidigen Axt. Sie muss neben dem Mindestgewicht eine Mindestlänge von 61 Zentimeter haben und die Schneide darf nicht grösser als 15,2 Zentimeter sein.
Trainingsort zu Hause ist die Scheune
Trainieren tut die Sportlerin nicht nur auf dem Trainingsgelände in Oberrohrdorf, sondern auch in der Scheune des ehemaligen Bauernhauses an der Mellingerstrasse 8 in Stetten, das sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern, Njola und Lijan, seit 2017 bewohnt. Im Volksmund heisst das Haus Bianchioder Fischerhaus. Es wird schon lange nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. In der grossen Scheune hat Grossniklaus ihre Zielscheiben aus Holz aufgehängt. Ansonsten ist die Scheune ein Paradies für ihre Kinder mit Kletterwänden und vielen Spielmöglichkeiten. Auf den Geschmack des Axtwerfens ist die Athletin übrigens an einem Mittelaltermarkt vor vier Jahren gekommen. Sie war dort mit Blackmoore, dem Wikinger-Verein, den ihr Mann vor 15 Jahren gegründet hat. «Mein Mann und ich sind Fans von allem Nordischen», erzählt sie.
Der moderne Sport des Axtwerfens kommt jedoch aus Kanada und den USA. Er hat sich aus den Wettkämpfen nordamerikanischer und skandinavischer Holzfäller (Lumberjacks) entwickelt, verbreitete sich als Trend über ganz Nordamerika und kam schliesslich als Freizeitsport nach Europa. Der Axtwurfverein Rohrdorf hat sein Trainingslokal an der Zürichstrasse 11 in Oberrohrdorf und trainiert jeweils Mittwochabend und Samstagnachmittag. Siehe auch: axtwurf.ch
Marc Benedetti

