Die älteste Fasnachtsvereinigung am Rohrdorferberg feiert ihr 70-Jahre-Jubiläum am 11. Februar mit Gästen in der Zähnteschüür
Am «Gruusige Mettwoch» (11. Februar) wird in Staretschwil nicht einfach gefeiert – da wird gepoltert, gerichtet, ...
Die älteste Fasnachtsvereinigung am Rohrdorferberg feiert ihr 70-Jahre-Jubiläum am 11. Februar mit Gästen in der Zähnteschüür
Am «Gruusige Mettwoch» (11. Februar) wird in Staretschwil nicht einfach gefeiert – da wird gepoltert, gerichtet, gelacht und eingeschenkt. Die Polterzunft-Staretschwil wird 70 Jahre jung – laut, frech und ohne jede Altersmilde.
Wie alles begann: Wir schreiben den 14. Februar 1956. Während andere Blumen zum Valentinstag verschenkten, schlossen ein paar fasnachtshungrige Männerchörler im Restaurant Frohsinn zu Staretschwil einen Bund fürs Leben – zumindest für die Fasnacht. Am Rohrdorferberg wurde beschlossen: Hier wird künftig gefasnachtet – und zwar herrenmässig! So entstand die Polterzunft-Staretschwil, eine Männerzunft mit mittlerweile fast einem dreiviertel Jahrhundert auf dem Buckel und dennoch jung geblieben.
Wagenbande schraubt und bastelt
Seit 1999 ist die Wagenbande quasi das «rollende Rückgrat» der Zunft. Jahr für Jahr wird ein Wagen gebaut, der exakt zum Motto passt. Ab August des Vorjahres wird wöchentlich geschraubt, gebastelt und manchmal geflucht, immer begleitet von guter Musik, noch besserer Stimmung und der leisen Hoffnung, dass am Umzug alles hält. Während der Fasnacht ist die Truppe dann überall unterwegs: Reusstal-Fahrten, Umzüge, Inthronisationen und Fasnachtsbälle gehören zum Programm. Die Polteri sind in der fünften Jahreszeit vielerorts anzutreffen. Neue, lässige Jungs sind in der Zunft übrigens jederzeit willkommen. Mut, Humor und Durst vorausgesetzt.
Geister, Hexen, verlorene Guggen
Auf Staretschwiler Boden hauste einst der sagenumwobene Hinterbächligeist. Um ihn zu vertreiben, rückte eine Geister- und Hexengruppe aus – mit mässigem Erfolg, aber grossem Auftritt. 1976 folgte die erste Guggenmusik, später bekannt als die Holzberewöörm. Sie sorgte bis 2022 für Lärm. Danach fusionierte sie mit den Rohrdorfer Chesslern zu den Sumpfberghüülern. Resultat: Die Polterzunft feiert seither ohne eigene Gugge, aber keinesfalls leise.
Der «Nationalfeiertag» mit Urteil
Der Gruusige Mettwoch, immer vor dem Schmutzigen Donnerstag, ist der höchste Feiertag der Zunft. Der Name stammt aus Zeiten, als es mittwochs regelmässig Katzen hagelte – was metereologisch ungeklärt ist. Was passiert an diesem Brauch? 1. zünftiges Poltern 2. eine imposante Gerichstverhandlung und 3. am Ende der Garaus für den Polteri – zumindest theoretisch. Gefeiert wurde bis 2011 im «Frohsinn» und früher wurde der Polteri dort vor dem Haus verbrannt. Später wurde der «Rote Löwen» in Oberrohrdorf zum Stammlokal und ist es bis heute geblieben. Doch 2026 ist alles anders: «Erstmals werden wir dieses Jahr nicht in unserem Stammlokal feiern, weil wir die Gerichtsverhandlung mit der Jubiläumsfeier verbinden», sagt Zunftmeister «Zufi Dani» alias Daniel Müller.
Jubiläum in der Zähnteschüür
Zum 70-jährigen Jubiläum findet der Gruusige Mettwoch mit Polterigericht am 11. Februar ausnahmsweise in der Zähnteschüür statt. «Der ideale Standort für die Feier, wir erwarten rund 150 geladene Gäste, zahlreiche Fasnachts- und Zunftfreunde», erklärt der Zunftmeister. – Alle seien herzlich willkommen am Anlass und ein Eintritt wird nicht erhoben. Die Gerichtsverhandlung findet erstmals nicht draussen, sondern «in-door» statt. «Das wird speziell fürs Publikum und auch für uns», so der Zunftmeister. Die Feierlichkeiten danach sind an der Zahl 7 aufgehängt. «Wir lassen die Zahl 7 hochleben und laden Siebner-Delegationen der befreundeten Zünfte zuerst zum leckeren Apéro ein.» Für alle Gäste gebe es sieben mottogerechte Bars. Beispielsweise mit Bier, Whisky, Holdrio oder Apérol Spritz. «Jeder Gast erhält einen Halsbändel, mit persönlichem Zunft-Becher und eine Bar-Rallye-Karte. Bei dieser Bar-Rallye gibt es für die Trinkfreudigen drei ‹exklusive› Preise zu gewinnen», erklärt Müller.
Livemusik und Guggensound
Musikalisch sind die «Lucky Boys» angemeldet, ebenso spielen die Guggenmusiken Bänkliclique und Sumpfberghüüler aus Oberrohrdorf und die Spritzehüsliclique aus Tägerig. «Dieser Abend soll etwas Besonderes sein», sagt der Zunftmeister, «ein Mix aus Guggensound, Livemusik, Unterhaltung und Festakt.» Die Zähnteschüür wird stilvoll geschmückt. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Der Festakt selbst wird kurz, knackig und unterhaltsam serviert – schliesslich wartet das Vergnügen. Start ist um 18:33 Uhr, um 19:33 Uhr betritt «Das Hohe Gericht» die Bühne. Ankläger und Verteidiger sind bereit – und ob der Polteri im Jubiläumsjahr davonkommt, bleibt bis zuletzt offen.
Der amtierende Zunftmeister, turnusgemäss für zwei Jahre im Einsatz, führt gemeinsam mit «Präsi Mäse» alias Marcel Godat durch den Abend – mit Überblick, Humor und hoffentlich ohne Fehlurteile.
Marc Benedetti
Siehe auch polterzunft.ch