Mellingen: Die Trauerweide beim Städtlisteg ist in die Reuss gekippt – sie erreichte das Alter von rund 50 Jahren
Die ausladende Trauerweide stand Jahrzehnte neben dem Städtli- oder Soldatensteg und schmückte das Reussufer. Seit zwei Wochen ist sie ...
Mellingen: Die Trauerweide beim Städtlisteg ist in die Reuss gekippt – sie erreichte das Alter von rund 50 Jahren
Die ausladende Trauerweide stand Jahrzehnte neben dem Städtli- oder Soldatensteg und schmückte das Reussufer. Seit zwei Wochen ist sie verschwunden. Besorgte Leser wandten sich an die Redaktion. Was ist da geschehen?
Trauerweiden sind ein schöner Anblick mit ihren grossen Kronen und herabhängenden Ästen. Eine solche Weide stand auch bis vor kurzem am Reussufer beim Städtlisteg. Jetzt ist sie weg. Am 20. Juli kippte der Baum und landete kopfüber in der Reuss. Laut Auskunft des Werkdienstes hätte die Weide ohnehin gefällt werden sollen. Am 6. Juli fand mit Vertretern des Kantons und des Forstbetriebs Birretholz eine Besprechung betreffend der abgestorbenen Weide statt. Das Grundstück, wo die Weide stand, gehört dem Kanton. Gemeinsam kam man zum Schluss, dass dieser Baum gefällt werden sollte, da er ein Gefahrenpotenzial für die Fussgänger bei der Soldatenbrücke darstellte.
Der Mellinger Städtlifotograf Viktor Zimmermann hat den Moment, als die Weide im Fluss lag, mit seiner Drohne fotografiert und dies auf der Gemeinde-Website dokumentiert. «Durch ein rasches gemeinsames Eingreifen der Mitarbeiter von Jenni und Partner, Peter Jenni, Simon Dimitri und dem Werkdienst konnte verhindert werden, dass die Reuss den gefallenen Baum flussabwärts schwemmte», weiss er zu berichten. Der Baumstamm wurde aus dem Fluss geholt. Nur das Wurzelwerk trieb den Fluss hinunter und strandete unterhalb des ARA-Stegs auf der linken Reussseite. «Es bietet den Wasservögeln jetzt dort eine nachhaltige ‹Begegnungszone›, sagt Viktor Zimmermann. Der Baumspezialist Simon Dimitri von «Dimi-Tree» aus Remetschwil arbeitete für die Firma Jenni, als die Sache passierte. «Der Baum war schon länger abgestorben», sagt er auf Anfrage. Die Trockenheit habe wahrscheinlich dazu beitragen, dass die letzten Wurzeln nachgegeben hätten. «Es hat sie wohl im Boden verrissen», sagt er. Wie alt war der Baum? Laut Viktor Zimmermann, der mit seiner Frau Madlen das Fotoarchiv Mellingen betreut, stand 1975 am Ufer noch keine Weide. Es seien aber damals auf der Wiese, der Reuss entlang, Bäume gepflanzt worden. Aufgrund der Jahresringe schätzt er das Alter der Weide auf rund 50 Jahre. Sie genoss einen gewissen «Promistatus», war sie doch 1999 auf der Titelseite der Städtlichronik abgebildet. Erich Probst von Bau und Planung Mellingen hat eine mögliche Erklärung, warum der Baum umgekippt ist. «Wir wissen, dass das Reussufer im Laufe der Jahre an gewissen Stellen unterspült wird, was zu Senkungen oder sogar kleinen Hohlstellen am Ufer führt», sagt er. Das sei kaum zu beeinflussen. «Vorliegend scheint jedoch der schlechte Zustand der Trauerweide massgebend gewesen zu sein. Deshalb auch die Vorbereitungen zum Fällen des Baums.»
Marc Benedetti