«Das wäre für Coop nicht interessant»
30.10.2026 MellingenMellingen: Die Grundeigentümerin und Investorin Tierstein AG nimmt Stellung zum geplanten Coop-Standort
Coop wird an der Birrfeldstrasse umziehen. Laut Plan weiter weg von der Altstadt. Dagegen wehrt sich der lokale Gewerbeverein. Der Investor erklärt, warum der Umzug ...
Mellingen: Die Grundeigentümerin und Investorin Tierstein AG nimmt Stellung zum geplanten Coop-Standort
Coop wird an der Birrfeldstrasse umziehen. Laut Plan weiter weg von der Altstadt. Dagegen wehrt sich der lokale Gewerbeverein. Der Investor erklärt, warum der Umzug nahezu alternativlos ist.
Der Gewerbeverein Region Mellingen äusserte Anfang Oktober in einer Stellungnahme seine Bedenken, weil der Grossverteiler Coop von seinem heutigen Standort an den Stadtrand von Mellingen ziehen will. Das zeigt der Entwicklungsrichtplan «Zentrumszone Birrfeldstrasse», der bis zum 16. Oktober in Mellingen zur öffentlichen Mitwirkung auflag. In diesem Rahmen formulierte der Gewerbeverein mit der Untergruppe Altstadt seine Sorgen. Wenn nämlich in grosser Entfernung zur Altstadt ein neues Einkaufszentrum errichtet wird, werden diese neuen Kundenströme die Altstadt links liegen lassen, so die Befürchtung. Der Gewerbeverein bat deshalb Behörden und Planer, nochmals zu prüfen, ob der Standort des Coop nicht näher an die Altstadt verschoben werden kann – laut Stellungnahme der Gewerbetreibenden «insbesondere in Richtung Postareal». Altstadt und Zentrumszone sollen miteinander verbunden werden.
Wie lautet die Antwort der Firma Tierstein AG auf dieses Begehren, die Grundeigentümerin und Investorin ist? Das Unternehmen aus Frick erarbeitete den Entwicklungsrichtplan gemeinsam mit einem «Ausschuss der Stadt Mellingen zur Sicherung der öffentlichen Interessen», dem Planungsbüro Planar, einem Architekturbüro und einem Landschaftsarchitekturbüro. Dieser Richtplan wurde der Mellinger Bevölkerung Anfang September an einem Info-Abend vorgestellt. Danach begann die Mitwirkungsphase, die mittlerweile abgeschlossen ist. Auf Anfrage sagt nun Stephan Feldhaus, Mediensprecher der Tierstein AG, dass die Anregungen aus der Bevölkerung nach Abschluss der öffentlichen Mitwirkung diskutiert werden – auch die Stellungnahme des Gewerbevereins. «Wir werden uns mit den Vertreterinnen und Vertretern aus dem Gewerbe treffen», erklärt Feldhaus und bekräftigt, sie seien grundsätzlich an Gesprächen sehr interessiert. «Wir hören zu», verspricht er, «und schauen uns das an.»
Bei der Post ist «Retailer» geplant
Er sagt aber auch, dass die Tierstein AG auf diesem Areal seit sieben Jahren mit der Planung beschäftigt sei. Der Planungsbeginn der Tierstein erfolgte somit fast zeitgleich mit dem Baustart für die Mellinger Umfahrungsstrasse, die schliesslich im Herbst 2022 in Betrieb genommen werden konnte. Auf der Fläche neben der Birrfeldstrasse, die im Besitz der Tierstein ist, seien mit der Umzonung zwei Zentren geplant worden: eine Zentrumszone A im hinteren Teil der Birrfeldstrasse, wo sich heute Coop und die Firma Lastech befinden, und die Zentrumszone B beim Postareal in nächster Nähe zur Altstadt. Für jede dieser Zonen wurde eine Nettoverkaufsfläche definiert. Coop benötige dafür 2400 Quadratmeter. «Eine Fläche dieser Grösse», so Feldhaus, «kann in der Nähe der Post und der Altstadt nicht realisiert werden.» Hinzu komme, dass andere Bevölkerungsgruppen eine ausreichende Anzahl an Parkplätzen beim Coop wünschten.
Das Thema «Frequenzbringer» werde indes vom Investor Tierstein ernst genommen. Deshalb plane der Investor bei der Post einen «Retailer», respektive einen Detailhändler mit bis zu 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Ein grosser Coop sei an diesem Standort, im Herzen von Mellingen, hingegen keine Alternative. «Das wäre für Coop nicht interessant», sagt Stephan Feldhaus. Ein Frequenzbringer wie Coop könne in der Nähe einer Altstadt unterstützend wirken, eine Garantie für eine belebte Altstadt sei er nicht. Mediensprecher Feldhaus fügt an, das Unternehmen Tierstein sei «kein kalter Immobilienentwickler mit Dollarzeichen im Gesicht». Die Planung einer Wohnüberbauung auf diesem Areal soll auch für die Mellinger Bevölkerung stimmen, betont er: «Hier soll etwas Gutes entstehen.»
Heidi Hess

