Mellingen: Brunnenmeister Roger Knöpfel gibt einen Einblick in die Wasserversorgung während grosser Trockenheit
Auch die Stadt Mellingen empfiehlt sparsamen Umgang mit Trinkwasser. – Warum kann das Hallenbad dennoch gefüllt werden? Warum wird der Sportplatz ...
Mellingen: Brunnenmeister Roger Knöpfel gibt einen Einblick in die Wasserversorgung während grosser Trockenheit
Auch die Stadt Mellingen empfiehlt sparsamen Umgang mit Trinkwasser. – Warum kann das Hallenbad dennoch gefüllt werden? Warum wird der Sportplatz bewässert?
Konnte das Hallenbad in Mellingen rechtzeitig zum Schulbeginn mit Wasser gefüllt werden? Trotz Wasserknappheit? Ein Leser äusserte seine Skepsis. Der Mellinger Brunnenmeister Roger Knöpfel aber entwarnt: «Das Becken des Hallenbades ist gefüllt. Mit dem Schulbeginn wird auch der Schwimmunterricht wieder aufgenommen.» Ab Montag, 17. August, ist das Hallenbad wieder offen.
«Das Füllen des Schwimmbeckens war allerdings mit einem erheblichen Koordinationsaufwand verbunden», erklärt er. Ab 6 Uhr morgens durfte Bademeisterin Manuela Paladino 180 Kubikmeter Wasser in das Becken fliessen lassen. Danach musste sie den Hahn zudrehen. So ging es fünf Tage lang, bis 900 Kubikmeter Wasser im Becken waren und das Bassin voll war. Bei dieser Wasserentnahme mussten der tägliche Trinkwasserbedarf, die Bewässerung der Sportplätze und landwirtschaftliche Wasserbezüge berücksichtigt werden. Knöpfel sagt aber: «Das Hallenbad hat einen hohen Stellenwert für die Öffentlichkeit.»
Warum Fussballplätze bewässern?
Genau wie die Fussballplätze, deren Bewässerung für viele schwer nachvollziehbar ist. Knöpfel sagt, er verstehe den Unmut der Menschen. Der Grat zwischen notwendigem und vermeidbarem Wasserverbrauch sei schmal. Würde aber die Bewässerung der Sportplätze vollständig eingestellt, müsste im Folgejahr mit hohen Kosten gerechnet werden, um die Plätze wieder instand zu stellen. Noch sei es in Mellingen möglich, meint er, auch den Fussballplatz zu bewässern.
Positiv: Weniger Wasser für Frigemo
Dennoch macht sich auch in der Mellinger Wasserversorgung die aktuelle Trockenperiode deutlich bemerkbar.
Die Grundwasserstände seien bereits zu Beginn dieses Jahres nicht besonders hoch gewesen, sagt Knöpfel. «Anfang Jahr lag der Grundwasserspiegel im Grundwasserpumpwerk Esp bei rund 425,5 m ü. M. Aktuell bewegen wir uns mit etwa 423,5 m ü. M. nahe am Minimum.» Knöpfel vergleicht mit 2024, wo der Grundwasserstand Anfang Jahr bei ungefähr 429 m ü. M. lag oder mit 2025, wo es immerhin auch 426,6 m ü. M. waren. Grund für den aktuell niedrigen Grundwasserstand waren die geringen Niederschläge im vergangenen Winterhalbjahr.
Die Trockenperiode zeigt sich in Mellingen im Tagesverbrauch: Normalerweise liegt das Mittel bei rund 1,5 Millionen Litern (1500 m3) Trinkwasser. Während der aktuellen Trockenperiode verzeichnet Mellingen jedoch Spitzenverbräuche von über 3,3 Millionen Litern (3300 m3) pro Tag. Positiv wirke sich aus, dass die Mellinger Frigemo, die Tiefkühlgemüse produziert, im Juni und auch aktuell weniger Betrieb habe als üblich, erklärt Roger Knöpfel. Dies zeige sich im Gesamtwasserverbrauch sehr deutlich.
Noch kann Baden Wasser liefern ...
«Jede Gemeinde ist anders aufgestellt», sagt Brunnenmeister Knöpfel. Mellingen hat Lieferverträge mit Baden. Deshalb könne die Stadt Mellingen den Wasserbedarf zurzeit decken. Man sei aber in regelmässigem Austausch. «Sollte Baden kein Wasser mehr liefern können, sieht es auch bei uns definitiv anders aus», betont Knöpfel. In einem ersten Schritt würden wohl die öffentlichen Brunnen abgestellt, danach ein verbindliches Verbot für bestimmte Wassernutzungen ausgesprochen werden. Sollte dies nicht ausreichen, müsste auch die Bewässerung der Sportplätze nach Priorität reduziert oder eingestellt werden. Die Stadt Mellingen appelliert weiterhin an die Bevölkerung – wie die meisten Gemeinden – sorgsam mit dem Trinkwasser umzugehen, auf die Bewässerung privater Rasenflächen, das Waschen von Autos auf privaten Plätzen sowie das Spritzen von Vorplätzen zu verzichten.
Heidi Hess