Am «Gruusige Mettwoch» hängt der Polteri im Gebälk der Zähnteschüür – er wird dort oben bleiben
Von nah und fern waren sie gekommen, um dem Spektakel beizuwohnen. 150 geladene Gäste und viele mehr feierten, polterten und lachten mit der ...
Am «Gruusige Mettwoch» hängt der Polteri im Gebälk der Zähnteschüür – er wird dort oben bleiben
Von nah und fern waren sie gekommen, um dem Spektakel beizuwohnen. 150 geladene Gäste und viele mehr feierten, polterten und lachten mit der jubilierenden Polterzunft. Nur einer hatte gar nichts zu lachen.
Der arme Polteri! An diesem Abend war er chancenlos. Seine Zunft feierte, ja, jubilierte – 70 Jahre alt war sie geworden. Der Polteri aber hing am «Gruusige Mettwoch» bereits hoch oben im Gebälk der Zähnteschüür. Früh hatte sich die Schlinge um seinen Hals zugezogen. Das hohe Gericht machte ihm dennoch den Prozess. Ein Spektakel, das sich die Gäste nicht entgehen liessen. Aus nah und fern waren sie gekommen: Die Andalusier aus Mellingen, vom Berg die Bänkli-Senioren, Chessler-Ladys und Sumpfberghüüler, auch die Wohler Götti-Gesellschaft war da, aus Niederwil die Näbelriiter, Rüsschatze und die Schränzer-Clique, die Stetter Fasnachtsnarren und die Tägeriger Sprützehüsliclique feierten mit und viele mehr … – insgesamt an die 150 geladene Gäste.
Für den Polteri allerdings wurde es schwierig, sein Sündenregister war umfangreich. Ankläger Hidigeigei sprach die «ganz dunklen Kapitel» des Polteris aus dem letzten Jahr an. Erfolgreich habe die Bevölkerung die vom Gemeinderat geplante Steuererhöhung von 85 auf 89 Prozent abwenden können. «Chömid mer jetzt i d’Krise? Müend mer jetzt ufe met de Priise?»
– Der gute Rat muss schliesslich vom Polteri gekommen sein: Der Gemeinderat solle doch die Preise der Waldhütte erhöhen, auch wenn er an diese Hütte keinen Rappen zahlen musste. «Wenns scho ned met de Erhöhig vo de Stüüre chönd schocke», meinte Hidigeigei, «chönds immerhin d’Lüüt met de Gebühre för di gschänkt Waldhütte abzocke.» 70 Jahre lang hätten sie sich in der Polterzunft gegen den Polteri gewehrt. Sein Verhalten werde immer schlimmer, schloss Hidigeigei. Klar sei er nicht so schlimm wie die Idioten, die in Russland und Amerika hockten. Aber hier, in Oberrohrdorf, müsse man klein beginnen und den Polteri ein für allemal über den Jordan schicken.
Die guten Taten des Polteris
Dazu hatte aber auch Verteidiger Fidigeigei ein Wörtchen zu sagen. Wohl ahnend, dass er – wie jedes Jahr – auf verlorenem Posten stehen würde. Der Polteri habe indes auch Gutes geleistet. Den mittlerweile frühpensionierten Chef der Regionalpolizei Rohrdorferberg jedenfalls habe er nach der Mail-Affäre im letzten Jahr bei einem Computer-Kurs der Pro Senectute angemeldet. Dort könne der ehemalige Repol-Chef lernen, wie man Mails an die richtige Adresse verschicke.
Wenig Gefallen fand Fidigeigei auch daran, dass die Altersgrenze für die Teilnahme an der Seniorenreise in Oberrohrdorf erhöht wurde. Senior, meinte er, sei man ab 65. Vom Polteri liess Fidigeigei deshalb den Befehl ausrichten: «De Heimi (Gemeindeammann Thomas Heimgartner) und de Holi (Gemeinderat Tobias Holenweger) chauffiere die wiibliche Seniore ufene Kaffifahrt während d Sevi (Gemeinderätin Severine Jegge) und d Angi (Gemeinderätin Angela Kaiser) für alli Männer ab 65 a de Stange en Rundi göhnd go tanze.»
Zunftmeister «Dani vom nedere Dorf» amtete danach als Richter. Er blickte hoch ins Gebälk, wo der Polteri bereits seit 48 Stunden hing. Es sei nicht mehr viel zu machen, meinte er und sprach sein Urteil: «Tod durch Erhängen». Die Menge applaudierte und machte sich ans Feiern. Bei bester Laune und mit sieben Bars, von der Polteri-Bar über eine Whisky- und Spritz-Bar bis hin zur Bier- und Hot-Bar ...
Heidi Hess