Dem Projekt eine Chance geben
24.02.2026 MägenwilAm 8. März entscheidet Mägenwils Stimmbevölkerung, ob sie einen Strassentausch prüfen lassen will
Am 8. März entscheidet die Bevölkerung von Mägenwil über ein Geschäft, das der Dorfgemeinschaft wichtige Erkenntnisse liefert. Erkenntnisse ...
Am 8. März entscheidet Mägenwils Stimmbevölkerung, ob sie einen Strassentausch prüfen lassen will
Am 8. März entscheidet die Bevölkerung von Mägenwil über ein Geschäft, das der Dorfgemeinschaft wichtige Erkenntnisse liefert. Erkenntnisse über einen Strassenabtausch, der eine Vision möglich macht: Ein ruhigerer Dorfkern mit weniger Verkehr, schattiger und grüner dank zusätzlicher Bäume.
Um was geht es? An der Urne entscheiden die Mägenwiler Stimmberechtigten über einen Vorprojektierungskredit in Höhe von 80 000 Franken. So viel zahlt die Gemeinde für Vorstudien und Machbarkeitsabklärungen, die einen Strassentausch zwischen Kanton und Gemeinde prüfen. Die Mägenwiler Finanzkommission beurteilt die Kosten als «tragbar». Die Gesamtkosten belaufen sich auf 160 000 Franken. Daran beteiligt sich der Kanton mit ebenfalls 80 000 Franken.
Geprüft wird ein Tausch zwischen zwei Strassen, die im Dorf die Hauptverkehrsachsen bilden. Auf der einen Seite die Kantonsstrasse K268 West, die als Hauptstrasse mitten durchs Dorf führt – vorbei an Geschäften, Wohnhäusern, Restaurants, Gemeindehaus und Schule. Diese Strasse ist heute im Besitz des Kantons.
Auf der anderen Seite die Industriestrasse, die unterhalb der Bahnlinie durch die Industrie- und Gewerbezone führt und der Gemeinde gehört.
Hauptstrasse gegen Industriestrasse? Was sind die Konsequenzen für das Dorf? Welche Folgen hat der Tausch für den Kanton? Das gilt es zu klären.
Der Vorprojektierungskredit liefert Daten für eine fundierte Diskussionsgrundlage. Mehr nicht! Die Stimmberechtigten entscheiden (noch) nicht über einen Strassenabtausch. Sobald Erkenntnisse und Daten vorliegen, kann die Gemeinde aber einen nächsten Schritt einleiten. Das letzte Wort hat jedoch auch dann der Souverän.
Mit einem «Ja» zum Vorprojektierungskredit entstehen noch keine Folge- und Mehrkosten. Gemäss grober Schätzung würden Abtausch und Sanierung der betroffenen Strassen die Gemeinde über 10 Millionen Franken kosten. Ohne Strassenabtausch kostet die Strassensanierung 6 Millionen Franken – rund 4 Millionen Franken weniger.
Warum setzt sich der Gemeinderat für den Strassenabtausch ein? Der Gemeinderat möchte den Dorfkern umgestalten. Das kann er nur, wenn die Strasse der Gemeinde gehört. Dann ist eine Temporeduktion von 50 auf 30 möglich und der Dorfkern – zwischen Kreisel Gewerbepark und geplantem Kreisel Industriestrasse – wird ruhiger. Der Kanton geht davon aus, dass die Anzahl Fahrten um rund 60 Prozent (6000 Fahrten weniger) sinken würde, also 4000 statt 10 500 Fahrten. Der Verkehr würde sich grösstenteils auf die Industriestrasse verlagern. In der beruhigten Hauptstrasse würden Bäume gepflanzt; Liegenschaftenbesitzerinnen und -besitzer erhielten Spielraum, um die Umgebung vor ihren Häusern zu gestalten – davon könnte auch das Gewerbe profitieren.
Die Hauptstrasse wäre weniger Trennungslinie: Es würde angenehmer, vom Quartier am Hang zu den Häusern an der Bahnlinie zu spazieren.
Der Gemeinderat hatte den Vorprojektierungskredit im November an der letzten Winter-Gmeind beantragt. 51 Stimmberechtigte befürworteten diesen Kredit, 107 lehnten ihn ab. Die Gemeindeversammlung hatte ihren Entscheid gefällt.
Erfolgreich hatten Gegnerinnen und Gegner damals die Kosten ins Spiel gebracht. Die «desolaten» Gemeindefinanzen würden Mehrkosten von über 4 Millionen Franken, die der Strassenabtausch nach sich zieht, nicht zulassen. Wenig Gefallen fanden sie auch an einer Temporeduktion auf der Hauptstrasse und sie äusserten Bedenken zum Weiterbestehen des Gewerbes. Ein Strassentausch sei unsinnig, weil sich an der Strassenführung nichts ändere. Längst fliesse der Verkehr von Wohlenschwil Richtung Auffahrt N1 Zürich über die Industriestrasse; wer Richtung Lenzburg und Auffahrt N1 Zürich wolle, wähle auch künftig die Hauptstrasse. Die Gegner plädieren deshalb für ein «Nein» zum Vorprojektierungskredit.
Das Ergebnis der Gemeindeversammlung unterlag indes dem fakultativen Referendum. Dieses ergriffen die unterlegenen Befürworter. Erfolgreich. Sie sammelten innert kurzer Zeit 294 gültige Unterschriften – nötig sind in Mägenwil 265 Unterschriften.
Die Befürworterinnen und Befürworter sehen den Strassenabtausch als «einmalige Chance, die Verkehrs- und Lebensqualität im Dorfkern nachhaltig zu steigern». Sie sehen im Strassenabtausch zudem eine langfristige Investition. Die Annahme des Vorprojektierungskredites gebe dieser Idee «eine realistische und faire Chance». Vorteile sehen sie in der Verkehrsentlastung und in der Verkehrssicherheit, auch in der Gestaltungsfreiheit, weil einschränkende Vorschriften, wie sie für eine Kantonsstrasse gelten, wegfallen. Zudem rolle der Verkehr weiterhin durch die Hauptstrasse – es gibt kein Durchfahrtsverbot. Sie plädieren aus diesen Gründen für ein «Ja».
Mit dem Vorprojektierungskredit wird der Strassenabtausch lediglich geprüft. Mägenwilerinnen und Mägenwiler sollten sich darauf einlassen und «Ja» sagen. Die Kosten von 80 000 Franken sind für die Gemeinde verkraftbar. Wer schon jetzt «Nein» zum Strassenabtausch sagt, verhindert eine Diskussion, die für Mägenwil eine Chance darstellt. Denn: Ohne Abklärungen wird das Dorf nie von den Vorteilen und Nachteilen erfahren, die ein Strassentausch bringen könnte.


