«Der finanzielle Handlungsspielraum ist da»
12.06.2026 NiederrohrdorfNiederrohrdorf: Ein Gespräch mit Gemeinderat Kevin Van über die Baukosten für neue Schulen vor der Gemeindeversammlung am 16. Juni
An der Gemeindeversammlung soll der Baukredit zur Erweiterung der Oberstufe über 15 Millionen Franken genehmigt werden. Auch die ...
Niederrohrdorf: Ein Gespräch mit Gemeinderat Kevin Van über die Baukosten für neue Schulen vor der Gemeindeversammlung am 16. Juni
An der Gemeindeversammlung soll der Baukredit zur Erweiterung der Oberstufe über 15 Millionen Franken genehmigt werden. Auch die Primarschule benötigt einen Neubau. Gemeinderat Kevin Van äussert sich zu Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten.
In Niederrohrdorf müssen zwei Schulanlagen erweitert werden.
Der Baukredit für den geplanten Neubau «Torfmoos» beim Oberstufenzentrum der Kreisschule Rohrdorferberg ist an der Gemeindeversammlung in Niederrohrdorf traktandiert (siehe Artikel unten). Niederrohrdorf muss an die Gesamtkosten (41,1 Millionen Franken) einen Anteil von 15,35 Millionen Franken zahlen. Die Anteile der übrigen Verbandsgemeinden sehen folgendermassen aus: Oberrohrdorf 13,789 Mio.; Remetschwil 6,815 Mio.; Bellikon 5,145 Mio. Franken.
Niederrohrdorf ist beim Schul-Neubau aber doppelt gefordert. Denn dieses Jahr wird auch der Projektierungskredit für den Primarschul-Neubau an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung beantragt. – Der «Reussbote» suchte deshalb das Gespräch mit Gemeinderat Kevin Van, verantwortlich für das Ressort Bildung.
◆ Niederrohrdorf muss grosse Summen für neue Schulhäuser zahlen. Bereits nächste Woche geht es um den Kreditanteil von 15,351 Millionen Franken für die Erweiterung des Oberstufenzentrums. Warum ein «Ja»?
Kevin Van: Niederrohrdorf ist Standortgemeinde und bietet Familien den Vorteil, dass Kinder vom Kindergarten bis zur Oberstufe vor Ort zur Schule gehen können. Der Standortvorteil war damals auch für unsere Familie ein wichtiger Grund, hierher zu ziehen. Gleichzeitig ist unsere Gemeinde in den vergangenen Jahren stark gewachsen und wird gemäss Bevölkerungsanalyse weiterwachsen. Deshalb müssen wir die Infrastruktur rechtzeitig ausbauen, damit auch künftig eine hohe Bildungsqualität gewährleistet werden kann. Die Erweiterung der Oberstufe ist eine notwendige Investition in die Zukunft unserer Gemeinde. Sie stärkt zudem die Attraktivität des Dorfes als Wohn- und Lebensort.
◆ Jetzt geht es um die Kreisschule. Viele denken aber bereits an die Kosten für das Primarschulprojekt. Am 15. September wird an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung der Projektierungskredit beantragt. Wieviel wird die Primarschule kosten? Dazu können wir aktuell noch keine verlässlichen Zahlen nennen.
◆ Aber diese Zahlen interessieren. Auch an der kommenden Gmeind. Wie werden Sie antworten, Herr Van?
Die Frage ist berechtigt. Ich gehe davon aus, dass wir bis zur Gemeindeversammlung eine erste Bandbreite der zu erwartenden Kosten präsentieren können. – Eine fixe Zahl zu nennen, wäre heute nicht seriös.
Aufgrund des Volumens des Siegerprojektes «Palimpsest» und im Vergleich mit ähnlich grossen Projekten wird man mit Kosten von 30 bis 40 Millionen Franken für die Erweiterung der Primarschule rechnen müssen. Kann Niederrohrdorf Kosten dieser Grössenordnung tragen?
Niederrohrdorf braucht diese Schulraumerweiterungen. Und ja, die Gemeinde hat die finanziellen Möglichkeiten. Wir haben keine Schulden und verfügen über einen Bilanzüberschuss von fast 70 Millionen Franken. Der nötige finanzielle Handlungsspielraum ist vorhanden. Wir investieren in die Zukunft und schaffen Infrastruktur, die kommenden Generationen zugutekommt.
◆ Niederrohrdorf kann sich also beide Schulen leisten?
Die Gemeinde verfügt dank ihrer soliden, finanziellen Lage über sehr gute Finanzierungsmöglichkeiten. Unser Ziel ist es, die notwendigen Investitionen für den Schulraum ohne Steuererhöhung durchzubringen. Die dadurch entstehende Verschuldung kann langfristig abgebaut werden.
◆ Die Gemeindeversammlung genehmigte im Sommer 2024 das Instrument «Vorfinanzierung». Wieviel wurde seither für die «Erweiterung Primarschule» zur Seite gelegt?
Der Stand per Ende 2025 beträgt rund 2,9 Millionen Franken.
◆ Beide Projekte bieten spannende Ansätze. Sind sie auch kostengünstig? Es sind weder die günstigsten noch die teuersten Lösungen. Sowohl beim Kreisschul-Projekt «Torfmoos» als auch beim Primarschul-Projekt «Palimpsest» wurden die Projekte nicht allein nach den Kosten beurteilt, sondern aufgrund einer Gesamtbetrachtung von Funktionalität, Qualität und Wirtschaftlichkeit. Dabei haben die gewählten Projekte am meisten überzeugt.
◆ Wie rechtfertigen Sie die Kosten?
Funktionalität wurde höher gewichtet als architektonische Schönheit. In Bezug auf das Primarschulprojekt «Palimpsest» bauen wir keinen Luxustempel, sondern eine auf Effizienz und den Schulbetrieb ausgerichtete Anlage. Gleichzeitig müssen wir das Gesamtkonzept im Auge behalten. Wir bauen für die nächsten vierzig bis sechzig Jahre. Ein günstigeres Projekt spart zwar kurzfristig Geld, kann aber später höhere Unterhalts-, Sanierungs- oder Anpassungskosten verursachen. Die Baukosten allein dürfen deshalb nicht das einzige Entscheidungskriterium sein.
◆ Also Folgekosten?
Ja. Ein konkretes Beispiel ist die Mehrzweckhalle. Dort wurde seinerzeit aus Spargründen ein einfaches Dach gewählt, das heute keine zusätzlichen Lasten aufnehmen kann. Dadurch werden spätere Aufstockungen erschwert und teurer. Langfristig zahlt sich das nicht aus.
◆ Warum gerade diese Projekte?
Beide nutzen den verfügbaren Standort besonders überzeugend. Beide wurden äusserst platzsparend in den vorhandenen Raum eingefügt. Es geht wenig Pausenplatz verloren und beim Grundriss oder beim Schulraum müssen keine Abstriche gemacht werden. Bei der Kreisschule wurde die Doppelturnhalle am Hang in Richtung Torfmoos teilweise in den Boden integriert. Beim Primarschulprojekt wird durch die teilweise Überkragung der bestehenden Mehrzweckhalle zusätzlicher Raum geschaffen, ohne mehr Land zu beanspruchen. Zudem könnten beide Projekte erweitert werden.
◆ Beim Primarschul-Projekt «Palimpsest» ist der Platzgewinn interessant. Aber bautechnisch dürfte es sich um eine komplexe Lösung handeln?
Die Statik wird bei diesem Projekt eine wichtige Rolle spielen. Das Siegerteam hat jedoch bereits Erfahrungen mit vergleichbaren Lösungen und verfügt über das notwendige Know-how. Die Details werden nun vertieft ausgearbeitet, damit wir im September dieses Jahres für den Projektierungskredit bereit sind.
Heidi Hess

