Der Migros-Wohnbus ist in Lwiw angekommen
11.08.2026 NiederrohrdorfNiederrohrdorf – Lwiw: Am vergangenen Donnerstag erreichte der alte Migros-Wagen die Ukraine, Auszüge aus dem Reisetagebuch
Vier Tage dauerte die Fahrt von der Schweiz durch Deutschland und Polen bis in die Ukraine, wo der Wohnbus der Armee übergeben ...
Niederrohrdorf – Lwiw: Am vergangenen Donnerstag erreichte der alte Migros-Wagen die Ukraine, Auszüge aus dem Reisetagebuch
Vier Tage dauerte die Fahrt von der Schweiz durch Deutschland und Polen bis in die Ukraine, wo der Wohnbus der Armee übergeben wurde.
m Montag vor einer Woche machte sich der Niederrohrdorfer Daniel Zehnder zum zweiten Mal auf den Weg in die Ukraine. Dieses Mal sollte es gelingen, den alten Migros-Wagen, den er vor über 20 Jahren eigenhändig zum Wohnmobil umgebaut hatte, der ukrainischen Armee zu übergeben. Beim ersten Anlauf, Mitte Juni, ereignete sich an der Schweizer Grenze ein Unfall mit grossem Sachschaden – am Steuer sass Zehnders Begleitchauffeur, der ihn auf der langen Fahrt entlasten sollte. Der Wohnbus, der ein Geschenk für die ukrainische Armee ist, musste zurück zum Start und in der Carrosserie Mülligen repariert werden (der «Reussbote» berichtete). Mit über 20 000 Franken Reparaturkosten rechneten Daniel Zehnder und sein Begleiter – es wurden weniger. Den Inhabern der Carosserie, Dani Huber und Stefan Ruflin, gefiel das Engagement so sehr, dass sie die Rechnung mit einem grosszügigen Rabatt weiterleiteten.
Anfang letzter Woche machte sich Daniel Zehnder erneut auf den Weg. Am Steuer sass er dieses Mal alleine – neben ihm allerdings seine Partnerin Susanne Lehmann. Die beiden verfassten ein «Whatsapp»-Reisetagebuch, aus welchem der «Reussbote» Auszüge veröffentlichen darf.
Montag, 3. August
«Der frühe Start um 6.30 Uhr hat sich gelohnt. Bis circa um 11.00 Uhr war der Himmel bedeckt und die Temperatur kühl. Kurz vor Stuttgart auf einer Lkw-Raststätte machen wir eine Kaffeepause und fahren zügig Richtung Nürnberg weiter. Wir müssen unbedingt vor 13 Uhr auf dem Camping-Platz «Zur Alten Mühle» bei Nürnberg ankommen. Es herrscht auf diesem Autobahnabschnitt reger Verkehr und wir fahren mit 80 kmh (Migros-Geschwindigkeit) hinter dutzenden Lastwagen auf der rechten Spur Richtung Norden. Ganz knapp vor Torschluss erreichen wir den Campingplatz nach 400 Kilometer Fahrt. Wir haben uns auf einer riesigen, ausgetrockneten Wiese eingerichtet, in der Nähe einiger Bäume – «kühlere» Plätze sind alle besetzt! Es wird zunehmend heis- ser! Geschätzt sind es bis zu 38 Grad. Wir duschen uns kalt ab und wollen im Biergarten ein kühles Bier bestellen.»
Dienstag, 4. August
«Früh am Morgen, um 7.30 Uhr machen wir uns auf den Weg für die nächsten 430 Kilometer. Gegen 14.00 Uhr erreichen wir Görlitz an der polnischen Grenze. Es ist wieder unglaublich heiss! Wir installieren das Wohnmobil am Ufer des Berzdorfer Sees. Das Grenzgebiet hier ist sehr gepflegt, hübsche Häuser und Eichenal- leen bis an den Horizont ... und gegen Abend endlich Regen!»
Mittwoch, 5. August
«Nach dem Regen gestern Abend ist es kühl. Die Nacht ist erfrischend und wir schlafen tief und lang. Der Morgen beginnt tropisch feuchtwarm. Um 10 Uhr fahren wir über die polnische Grenze, 10 Minuten vom Campingplatz entfernt. Der Grenzposten ist abgelegen und wir passieren ihn problemlos, allein auf weiter Flur. Ein junger Grenzsoldat, bewaffnet mit einer
Kalaschnikow hält uns kurz an und winkt uns dann durch: You can go! Die Fahrt nach Krakau ist kräfteraubend, hunderte Lkws in beide Richtungen und Stau. Die Sonne brennt gnadenlos durch die Windschutzscheibe. Draussen 38 Grad, im Wohnmobil ohne Klimaanlage 40 Grad und mehr. Nach sieben Stunden und 440 Kilometer Fahrt, kommen wir auf dem Campingplatz Smok, umgeben von Bäumen, mitten in der Stadt Krakau an.»
Donnerstag, 6. August
«Heute fahren wir Punkt 8 Uhr los. Die Hitzeglocke, die sich lange über Mittel- und Südwesteuropa ausgebreitet hatte, ist in den letzten Tagen nach Osten gezogen. Die Strecke nach Krakau ist eintönig. Abgemähte Kornfelder und endlose Wiesenflächen. Lkws werden immer seltener. Wir begegnen aber oft polnischen Militärfahrzeugen. Um 12 Uhr sind wir an der Grenze. Sie lassen uns nicht durch, wir wissen nicht warum und müssen zurück. Bei einem kleinen Grenzübergang wird unser Wohnmobil schliesslich genau inspiziert, es gefällt den Zöllnerinnen sehr. Die Grenzbeamtin auf der ukrainischen Seite freut sich, als sie die Schenkungs-Urkunde der ukrainischen Armee abstempelt. – Endlich sind wir in der Ukraine. Der Groove der Häuser erinnert uns an Russland. Um 16.45 Uhr osteuropäischer Zeit erreichen wir Lwiw. An einer Tankstelle wartet unser ukrainischer Vermittler.»
Am Freitagmorgen, 7. August, wird das Migros-Wohnmobil zwei höheren Offizieren der ukrainischen Armee übergeben. Beide sind seit 2014 im aktiven Militärdienst. Sie staunen über das Innenleben des Busses, können ihr Glück kaum fassen und äussern sich sehr dankbar. – Daniel Zehnder und Susanne Lehmann aber erleben in Lwiw die Trauer und die Tapferkeit der Menschen im Krieg. (hhs)





