Der Schaden ist gross, aber der Bus wird fahren
10.07.2026 NiederrohrdorfNiederrohrdorf: Sobald das Migros-Wohnmobil wieder fahrtüchtig ist, wird sich Daniel Zehnder erneut auf den Weg Richtung Ukraine machen
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht: Der von Daniel Zehnder umgebaute Migros-Wohnbus kann repariert werden. Allerdings kostet der ...
Niederrohrdorf: Sobald das Migros-Wohnmobil wieder fahrtüchtig ist, wird sich Daniel Zehnder erneut auf den Weg Richtung Ukraine machen
Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht: Der von Daniel Zehnder umgebaute Migros-Wohnbus kann repariert werden. Allerdings kostet der Schaden, entstanden nach einer Streifkollision, rund 25 000 Franken.
Es sieht gut aus für das Migros-Wohnmobil, das vor über drei Wochen an der Schweizer Grenze beschädigt wurde. So stark, dass es ins Reusstal zurück gebracht werden musste. Nun aber besteht Hoffnung: Der umgebaute, alte Migros-Wagen, den der Niederrohrdorfer Daniel Zehnder der ukrainischen Armee geschenkt hatte («Reussbote», 16. und 19. Juni), wird wieder fahren. Zehnder steht erleichtert in der Mülliger Carrosserie. Dort soll der Wohnbus repariert werden.
Passiert ist der Unfall am Dienstag, den 16. Juni. Als Daniel Zehnder an diesem Morgen losgefahren war, ahnte er nicht, dass die lange Reise bereits an der Schweizer Grenze zu Ende sein wird. Geplant war eine dreitägige Fahrt im Konvoi mit zwei Krankenwagen und einem weiteren Wohnbus, um über Chemnitz und Krakau die Ukraine zu erreichen – auf dem Beifahrersitz ein Lkw-Berufschauffeur, mit dem er sich auf der langen Fahrt abwechseln wollte.
An der ukrainischen Grenze, in Lwiw, sollte der Wohnbus der ukrainischen Armee übergeben werden. Armee-Angehörige wollten die Fahrzeuge anschliessend an die ukrainische Kriegsfront im Osten überführen. Der Migros-Wagen sollte dort künftig medizinischem Personal – Ärztinnen, Ärzten und Physiotherapeuten – in der Nähe eines Feldlazaretts als Unterkunft dienen. Im Wohnbus können sie duschen, essen und schlafen.
Endstation: Zollstelle Thayngen
Daraus wird vorläufig nichts. Denn während die übrigen Fahrzeuge am Freitag, 19. Juni, termingerecht in Lwiw ankamen und drei Fahrzeuge der ukrainischen Armee übergeben konnten, verursachte das Migros-Wohnmobil einen Unfall an der Zollstelle in Thayngen.
Wie konnte so etwas passieren? «Wir hatten richtig viel Pech», sagt Daniel Zehnder, um anzufügen, sie hätten letztlich aber auch Glück im Unglück gehabt. Zwei Stunden lang hatte der Niederrohrdorfer am Dienstagmorgen ab 6 Uhr seinen Bus selbst gefahren. Danach überliess er das Steuer seinem Begleiter, dem Berufschauffeur. Als dieser das Wohnmobil in Thayngen, an der deutschen Grenze, aus dem Parkplatz der Zollstelle lenkte, verliess ein bulgarischer Lastwagen eine Parkreihe nebenan ebenfalls den Parkplatz. «Wir fuhren mit dem Migros-Wagen im Schritttempo. Der Bulgare war ziemlich rassig unterwegs, hatte mindestens 60 Stundenkilometer statt der erlaubten 20 drauf», meint Zehnder. Als Zehnders Begleiter in einer Kurve etwas weit ausholen wollte, um links einzubiegen, kam es zur Streifkollision mit dem bulgarischen Lkw. «Beim Zusammenprall krachte es laut», sagt Zehnder. Am Wohnmobil zersplitterten die Frontscheiben, vorne auf der rechten Seite klaffte ein grosses Loch. Auf der Steuerseite blieb der Chauffeur unverletzt. Daniel Zehnder aber verletzte sich am Knie – mittlerweile sei es einigermassen verheilt, meinte er zwei Wochen nach dem Unfall bei der Schadenbesichtigung in Mülligen.
Der Schaden kann repariert werden
Fest steht, der bulgarische Lenker, der von rechts kam, hatte nicht nur Vortritt, sein 40-Tönner verzeichnete nach dem Zusammenprall auch kaum einen Kratzer. Vielleicht wollte er deshalb einfach weiterfahren? Jedenfalls mussten ihn die Zöllner, die unverzüglich von allen Seiten herbei geeilt waren, an der Weiterfahrt hindern. Zehnder erwähnt aber auch, dass den Bulgaren trotz der Geschwindigkeitsüberschreitung letztlich weniger Schuld trifft, weil er Rechtsvortritt hatte. Das bestätigte vor Ort die zuständige Schweizer Polizei.
Daniel Zehnder und sein Begleiter waren am Boden zerstört. Eben erst hatten sie an der Zollstelle mit den Kollegen vom Konvoi noch im Migros-Mobil gesessen und Kaffee getrunken. Nun blieb ihnen nichts anderes übrig als die restlichen Konvoi-Fahrer alleine weiterfahren zu lassen, um das tägliche Fahrtenziel einzuhalten.
Ihre eigene Reise im 13 Tonnen schweren Wohnbus hatte, kaum begonnen, viel zu früh geendet. Daniel Zehnder tätigte auf der Zollstelle mehrere Anrufe und beauftragte schliesslich das Transportunternehmen Senn mit der Bergung des Migros-Wagens. Seither steht er in der Carrosserie Mülligen bei Dani Huber und Stefan Ruflin, die auf die Reparatur von Bussen spezialisiert sind – unter anderem kümmern sie sich um die Busse des hiesigen Reiseunternehmens Twerenbold oder auch um die Limmattalbusse.
Die Experten prüften das havarierte Fahrzeug und meldeten die gute Nachricht: Der Schaden ist zwar gross, er kann aber repariert werden. In zwei bis drei Wochen sollte der Bus wieder fahrtüchtig sein – so viel Zeit dürften Spengler- und Lackier-Arbeiten beanspruchen. Die Reparatur geht allerdings ins Geld: Garageninhaber Stefan Ruflin rechnet mit rund 25 000 Franken, allein die Frontscheiben schlagen mit 5000 Franken zu Buche. Für die Reparatur werden Zehnder und sein Begleiter selbst aufkommen müssen, weil die Haftpflichtversicherung des unfallverursachenden Chauffeurs die Kosten nicht übernimmt.
Die Mission ist noch nicht beendet
Sie würden sich die Reparaturkosten teilen, erklärte der Niederrohrdorfer. Zusätzlich lanciert er auf der Plattform «wemakeit» ein Crowdfunding – falls Interessierte die Mission unterstützen möchten (siehe Kasten). Zehnder wagt nämlich einen zweiten Anlauf. Sobald die Reparaturen abgeschlossen sind, will er erneut Richtung Lwiw fahren. Er wird sich Zeit nehmen für die weite Fahrt. Eine gute Woche will er hinter dem Steuer sitzen, dieses Mal nur er. Alleine fährt er trotzdem nicht. Seine Partnerin Susanne Lehmann wird ihn begleiten. Sie wird Beifahrerin sein, so wie früher als sie mit der Familie nach Schweden, Italien oder durch Frankreich reisten.
Heidi Hess
Crowdfunding für den Migros-Wohnbus
Daniel Zehnder hat auf der Online-Plattform wemakeit.com ein Crowdfunding eingerichtet. Unter dem Stichwort «Migros truck repair» kann, wer mag, die Reparatur des Migros-Wohnbus mit einer Spende unterstützen. Im Bus soll medizinisches Personal nahe der ukrainischen Kriegsfront wohnen. (hhs)




