Der Sieger «Palimpsest» spielt mit Schichten
27.05.2026 NiederrohrdorfNiederrohrdorf: Das Siegerprojekt für die Erweiterung der Primarschule steht fest, die Projekte können im Gemeindehaus besichtigt werden
Das Siegerprojekt und weitere Projekte sind bis zum 11. Juni im Gemeindehaus ausgestellt. Das Projekt «Palimpsest» ...
Niederrohrdorf: Das Siegerprojekt für die Erweiterung der Primarschule steht fest, die Projekte können im Gemeindehaus besichtigt werden
Das Siegerprojekt und weitere Projekte sind bis zum 11. Juni im Gemeindehaus ausgestellt. Das Projekt «Palimpsest» überzeugte die Jury aufgrund intelligenter Organisation, wenig Platzverlust und sorgfältig entwickelter Ausgestaltung.
Das Siegerprojekt für die Primarschulerweiterung in Niederrohrdorf steht fest. Am letzten Mittwoch wurde der Schleier an einer Vernissage gelüftet. Neun Projekte wurden eingereicht. Drei Projekte schieden früh aus. Von den übrigen sechs entschied sich die Jury für das Projekt «Palimpsest» der Luzerner Architekten Michael Bürgi, Lukas Burkhard und Sven von Euw, die mit den Landschaftsarchitekten Andreas Geser, Liya Bernasconi und Paul Kienzle aus Zürich zusammenarbeiteten sowie mit Philipp Hess vom Luzerner Bauingenieurbüro Blesshess. Andreas Ritter, Leiter der Abteilung Planung und Bau in Niederrohrdorf, erklärte im Foyer der Gemeindeverwaltung, wo die Arbeiten ausgestellt sind, dass das Siegerprojekt des Luzerner Büros die Anforderungen des Wettbewerbprogramms am besten umgesetzt habe. Das Projekt punktet laut Jurybericht mit der städtebaulichen Setzung, überzeugenden Grundrissen und architektonischer Qualität, weniger ausgearbeitet ist indes die Umgebungsgestaltung.
Die fünfköpfige Jury setzte sich aus den Niederrohrdorfer Gemeinderäten Kevin Van (Bildung) und Patrik Hitz (Finanzen und Hochbau), Andreas Ritter (Ersatz), den Architekten Vinzenz Luginbühl, Claudia Mühlebach und Matthias Sozzi (Ersatz) sowie dem Landschaftsarchitekten Florian Bischoff zusammen – Vertreterinnen und Vertreter der Schulraumplanungskommission waren ohne Stimmrecht.
Diese Jury fällte ihr Urteil nach folgenden sechs Kriterien: «Städtebauliche Qualität» in Bezug auf die Integration der Neubauten und Ersatzneubauten ins Schulareal; «Architektonische Qualität» bei der Umsetzung des Raumprogramms nach betrieblichen und pädagogischen Vorgaben; «Freiraumqualität» in der Umgebung, auch mit Parkplätzen; «Soziale Nachhaltigkeit» mit Anbindung ans Quartier und unter Einbezug der Bedürfnisse aller Nutzenden; «Ökologische Nachhaltigkeit» beim Bau und beim Betrieb mit standortgerechter und vielfältiger Bepflanzung und nicht zuletzt die «Wirtschaftlichkeit» mit den Baukosten.
Sechs Projekte für die zweite Runde
Neun Projekte wurden fristgerecht und anonym eingereicht. Drei Projekte fielen bereits in einer ersten Beurteilungsrunde weg, weil sie in keinem der zentralen Kriterien vollständig zu überzeugen vermochten. Die Machbarkeitsstudie forderte, dass der Neubau für die Primarschulerweiterung direkt an die Mehrzweckhalle gebaut wird. Das verspricht einen geringen Raumverlust beim Pausenplatz. Idealerweise soll der Neubau bei laufendem Schulbetrieb gebaut werden. Das Schulhaus Rüsler wird dann in einer zweiten Etappe zurückgebaut und durch ein neues Aulagebäude mit Bibliothek und Musikräumen ersetzt.
Das platzsparende Siegerprojekt
Grosser Vorteil dieses Projekts ist der gleichzeitige Gewinn von Schulraum und Pausenplatz, weil der geplante viergeschossige Neubau teilweise über die bestehende Mehrzweckhalle ragt – die Architekten sprechen in diesem Zusammenhang von «Überkragen».
Acht Klassenzimmer befinden sich auf einem von drei übereinanderliegenden Geschossen. «Vier davon sind nahezu vollständig auf einer Länge über der Mehrzweckhalle geplant», sagt Andreas Ritter. Sie sind sozusagen über diese Halle geschichtet, was letztlich auch der Bedeutung von «Palimpsest» entspricht. «Dadurch wird das Gebäude breit, ohne dass auf dem Pausenhof viel Platz verloren geht.»
Das neue Primarschulgebäude orientiert sich zur Esterlistrasse und wird zum Zentrum der Anlage. Das schafft laut Jury «eine klare Adressierung und stärkt die Identität der Schule». Ein grosszügiger Eingang zwischen zwei Treppenanlagen schafft einen neuen Zugang zur Mehrzweckhalle. Von dort führt eine neue Treppe ins Untergeschoss, das alle Gebäude intern verbindet. Diese unterirdische Verbindung zwischen Aula, Schulhaus und Mehrzweckhalle wertet die Jury als weiteres Plus, weil sie die Schule in eine zusammenhängende Anlage überführt.
Empfehlung zur Weiterbearbeitung
Die Jury bezeichnet das «Überkragen des Neubaus über die Mehrzweckhalle» als «mutigen Vorschlag», weil er «eine komplexe Lastableitung durch das bestehende Untergeschoss sowie kostspielige und aufwendige Fundationen» nötig macht. Diese Massnahmen würden sich laut Jury aber rechtfertigen, weil daraus mehrere qualitative und funktionale Vorteile entstehen: «Neben dem reduzierten Fussabdruck werden Bestand und Neubau zu einer Einheit mit neuen Qualitäten.»
Pausenplatz und Aussenräume empfiehlt die Jury beim Siegerprojekt zur Weiterbearbeitung, weil der Freiraum «noch etwas schematisch» wirke. Für die Umgebungsgestaltung hätten alle Teilnehmenden interessante Lösungen geliefert, kommentiert Andreas Ritter. Generell würdigte die Jury die hohe Qualität der Projektbeiträge. Das ermöglichte, einen hochwertigen Vorschlag für die Primarschule Niederrohrdorf zu ermitteln.
Bis zum 11. Juni können die Projekte im Foyer der Gemeindeverwaltung besichtigt werden. Am 15. September lädt der Gemeinderat zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung mit Kreditantrag ein, zuvor findet am 13. August ein Informations-Abend statt.
Heidi Hess
Auch die Erweiterung der Primarschule ist ein Thema
In der Gemeinde Niederrohrdorf werden fast gleichzeitig zwei Schulen erweitert. Das kann durchaus für Verwirrung sorgen.
Mehr Platz braucht die Primarschule Niederrohrdorf, weil die vorhandenen Räumlichkeiten nicht ausreichen, um die ansteigenden Schülerzahlen aufzufangen und die heutigen pädagogischen Anforderungen an Schulräume abzudecken. Eine Machbarkeitsstudie legte Schulraumbedarf und Standort fest. Am 15. September 2026 entscheidet die Niederrohrdorfer Stimmbevölkerung an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung über den Kredit für das Siegerprojekt «Palimpsest».
Mehr Platz benötigt auch die Kreisschule Rohrdorferberg (Oberstufe) mit Schülerinnen und Schülern aus den vier Verbandsgemeinden Niederrohrdorf, Oberrohrdorf, Remetschwil und Bellikon. Niederrohrdorf ist Standortgemeinde, wobei die Schulhäuser des Oberstufenzentrums direkt an das Areal der Primarschule grenzen. Über den Kredit für das Oberstufen-Bauprojekt «Torfmoos» wird in allen vier Verbandsgemeinden am 16. Juni gleichzeitig abgestimmt.
In diesem Artikel geht es nur um die Primarschulerweiterung. (hhs)





