Shimeon Balmer arbeitet als Prozess Architekt bei Swisscom und amtet als Co-Präsident der Die Mitte-Ortspartei in Niederwil-Nesselnbach. Er ist ausserdem Mitglied der kantonalen Schiesskommission für die Bezirke Muri und Bremgarten.
Ich habe nun ein halbes Jahrhundert ...
Shimeon Balmer arbeitet als Prozess Architekt bei Swisscom und amtet als Co-Präsident der Die Mitte-Ortspartei in Niederwil-Nesselnbach. Er ist ausserdem Mitglied der kantonalen Schiesskommission für die Bezirke Muri und Bremgarten.
Ich habe nun ein halbes Jahrhundert auf meinem Zähler und bin eines dieser «Kinder des Friedens». Den kalten Krieg habe ich nur noch am Rande mitbekommen, die Mauer fiel und mit ihr die Sowjetunion und überall wurden die Armeen heruntergefahren. Die zelebrierte Diplomatie, die über Jahrzehnte den Frieden in Europa sicherte, verschwand nach und nach und wich dem allgegenwärtigen Populismus. Die westliche Hemisphäre kümmerte sich um Anliegen von politischen Minderheiten und um woke Themen wie der kulturellen Aneignung oder der gendergerechten Schreibweise. Und wenn das alle Probleme gewesen wären, so würde ich wirklich viel lieber wieder darüber diskutieren, wie die Gleichstellung von Frau und Mann in den Gesellschaften Europas einzementiert werden könnte.
Stattdessen steht der Russe schon wieder vor den Toren Europas und streckt seine weltpolitisch verkrüppelten Finger nach seinen früheren Besitztümern aus und dem verflossenen Selbstverständnis als Globalplayer am Tisch der Grossen. Und da nun auch die USA dem kollektiven Wahnsinn unterliegen und erneut den König unter den Soziopathen zu ihrem Präsidenten kürten, sind die «Black-Live-Matter»- Proteste nur noch Geschichte, genauso wie die harten Klimaziele von Kyoto. Kein Ton mehr davon, alles weicht dem weltpolitischen Wahnsinn und verdrängt damit die Realität um uns herum.
Denn die Wahrheit ist unbequem. Diese Themen waren nie wichtiger als die Nachrichten, die sie ersetzten. Wenn heute ein George Floyd durch einen ICE-Agenten sterben würde, gäbe es keine globalen Aufstände. Es wäre nur ein weiterer Eintrag in der Statistik der Grenzkontrollen. So wie vor kurzem, als die USA eine Mädchenschule im Iran bombardierten, weil sie das Gebäude mit dem der iranischen Revolutionsgarde verwechselten. Da gab es keine Empörungskundgebungen, nur das leise Raunen der Diplomatie über «bedauerliche Missverständnisse».
Was lernen wir daraus? Dass Empörung eine Währung ist, die wir nur für die Themen ausgeben, die gerade ins Bild passen. Der «weltliche Wahn» ist nicht nur der Populismus, sondern unsere Fähigkeit, dem «grossen Leid» mehr Empörung zu schenken als den vielen kleinen Einzelschicksalen. Und während im Südsudan die Milizen Hunderttausende Menschen massakrieren, lauschen wir als Gesellschaft weiter dem unaufhörlichen Medien-Erguss aus dem Weissen Haus.