«Die einzig wahre Grossstadt an der Reuss»
21.08.2026 Region Reusstal, PorträtSchauspieler und Hörspielsprecher Aaron Hitz (42) ist in Mellingen aufgewachsen. Heute lebt er in Zürich. Ein Porträt und Gedanken zur Kultur
Das sagt Aaron Hitz über seinen Ort der Kindheit, Mellingen. Heute tourt er auf Bühnen durch das Land, spricht ...
Schauspieler und Hörspielsprecher Aaron Hitz (42) ist in Mellingen aufgewachsen. Heute lebt er in Zürich. Ein Porträt und Gedanken zur Kultur
Das sagt Aaron Hitz über seinen Ort der Kindheit, Mellingen. Heute tourt er auf Bühnen durch das Land, spricht Hörspiele ein und ist immer wieder in Filmen zu sehen.
Überhaupt scheint der Kanton Aargau ein guter Nährboden für Menschen zu sein, die die Kunst auf der Bühne lieben. Der Aargau nennt sich dabei selbstbewusst «Kulturkanton» und verweist auf die «kulturellen Aushängeschilder aus dem Kanton Aargau». Zum Beispiel tummeln sich in der Schweizer Kabarett-Szene viele Stars aus dem Aargau. Beispiele? Patti Basler aus dem Fricktal, Charles Nguela aus Niederlenz, Philippe Kuhn aus Baden und natürlich Peach Weber aus Wohlen (wohnt in Hägglingen). Was die Theaterbühne und den Film angeht, fallen diese Nşamen auf Stefan Merki, geboren in Baden, Erich Vock aus Aarau, Fabienne Hadorn aus Muri, Lale Yavaş aus Brugg und Werner Bodinek, der in Oberrohrdorf lebt. Doch wir lassen die Kamera auf Mellingen zoomen, wo der 1984 geborene Aaron Hitz aufwuchs und heute auf der Bühne zu Hause ist, deren Bretter bekanntlich die Welt bedeuten.
Die Schule als Ursuppe für die Schauspielerei?
Bevor wir seinen Werdegang näher betrachten, frage ich ihn, wie er einem Bekannten, der noch nie in Mellingen war, das Städtchen beschreiben würde. Seine Antwort: «Für mich die einzig wahre Grossstadt am Reussufer, wo der Verkehr mittlerweile aus drei geparkten Autos besteht. Die Nachbarn kennen dich noch beim Namen und der Bahnhof ist so nah, dass du auf dem Weg vom Heitersberg bis zur Haustüre mit dem E-Roller nur einmal hinfallen musst. Kurz gesagt: Ruhiges Lebensgefühl mit perfekter Anbindung.»
Viele Schauspielerinnen und Schauspieler verspürten schon in der Schulzeit gewisse Talente, die vor der Klasse zum Ausdruck kamen oder auch die Lust, in Figuren zu schlüpfen. War Aaron eine Ausnahme?
«Nein. Auch bei mir wurde die Leidenschaft für die Bühne in dem Moment geweckt, als mich mein Primarlehrer an Weihnachten beim Krippenspiel in das Kostüm des Esels gesteckt hat. Und auch ich habe zuhause vor dem Spiegel statt dem Vortrag über heimische Nadelhölzer lieber meine Dankesrede für den Oscar einstudiert.»
Also mit anderen Worten, es gibt Schulfächer, die tatsächlich den Weg zur Bühne und vor die Kamera vorspuren können. Wenn ja, welche denn?
«Besonders hilfreich waren Deutsch und Geschichte, weil ich dort gelernt habe, Texte zu analysieren, Geschichte(n) zu verstehen und Sprache bewusst einzusetzen. Ebenso wichtig waren für mich Musikstunden und Theaterkurse, da ich dort erste Bühnenerfahrungen sammeln und Selbstvertrauen im Auftreten entwickeln konnte. Auch Fremdsprachen haben mir geholfen, Ausdruck, Aussprache und Kommunikation zu verbessern.»
Rezepte für die Schauspielerei
Nach den ersten Theater-Gehversuchen in der Kanti in Baden entschied er sich, seiner Berufung nachzugehen und liess sich an der Hochschule der Künste Bern ausbilden mit Abschluss 2008. Trotz beruflicher Unsicherheiten und spürbarem Wandel in der Theater- und Filmszene, scheint das Interesse für die Schauspielkunst ungebrochen zu sein. Welche Tipps gibt Aaron Hitz für den Nachwuchs?
«Geht ins Theater, lest Stücke, lernt unterschiedliche Spielweisen kennen und tauscht euch mit anderen Interessierten aus. Dabei helfen Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, sich mit Menschen, Geschichten und den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen», sagt er.
Grosse Theater und kleine Rollen, oder umgekehrt?
Seit 2010 ist Aaron Hitz freischaffender Schauspieler und der Start in die Karriere auf der Bühne war das Theater Orchester Biel Solothurn, das übrigens 1927 zu einem Städtebundtheater der beiden Städte fusioniert wurde und heute zu den wichtigsten Bühnen in der Schweiz gehört. Bis heute ist er diesem Haus verbunden wie zum Beispiel im Duo mit Max Merker in «Warten auf Beckett», ein Stück, mit dem die beiden immer noch auftreten. Der Theaterkritiker Michel Schär meint dazu: «Was Max Merker und Aaron Hitz mit ‚Warten auf Beckett‘ auf die Bühne bringen, ist Welttheater». – Ein pointierteres Lob ist gar nicht mehr möglich.
In einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» sagte Hitz 2009: «An grossen Theatern spielt man kleine Rollen, an kleinen Theatern grosse Rollen.» Nun ja, ab wann ist ein Theater gross und eine Rolle klein oder umgekehrt? Zu seinen Arbeitsstationen gehören namhafte Häuser wie Theater Basel, Schauspielhaus Zürich, Voralberberger Landestheater oder das Luzerner Theater. Dass er die Kunst des Schauspielens beherrscht, bestätigt ein Kommentar im «Badender Tagblatt», in dem er als «Chamäleon der Schweizer Theaterund Filmszene» bezeichnet wird. Ein Kompliment, wer weiss, welche optischen Verwandlungsfähigkeiten dieses Tier besitzt. Apropos Film.
Hinterlassene Spuren von «Bestatter» bis «Tatort»
Als er die ersten Angebote für Filme erhielt und annahm, gab er in einem Interview mit der «Solothurner Zeitung» zu, dass das «Spielen vor der Kamera ungeheuren Spass» mache. Und die Liste der Streifen, in denen er zu sehen ist, kann sich sehen lassen. Im berührenden Schweizer Drama «Frieda’s Fall» von Regisseurin Maria Brendle spielt er den Landjäger Schönenberger. Er war in der Kultserie «Der Bestatter» zu sehen und im «Tatort» war er immer wieder zu erleben. So zum Beispiel im Zürcher Fall von 2023, als es um die Abgründe einer Wohltätigkeitsorganisation ging. In der erfolgreichen Kinokomödie mit Beat Schlatter «Bon Schuur Ticino» blitzte Aaron Hitz in der Rolle eines Kondukteurs auf und in der Serie «Neumatt» konnte er gleich in fünf Folgen genossen werden. All die Filme zu erwähnen, in denen Aaron Hitz vorkommt, würde den zugeteilten Platz für diesen Artikel sprengen, aber es seien doch kurz noch diese genannt: «Zwingli», «Flitzer», «Usfahrt Oerlike» oder «Akte Grüninger». Und es darf gehofft werden, dass er noch in vielen Geschichten am Bildschirm und auf der Leinwand zu sehen sein wird.
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