Die grosse Erleichterung, eine Bitte und ein Dank
19.06.2026 NiederrohrdorfNiederrohrdorf: Die Gemeindeversammlung diskutierte, genehmigte alle Geschäfte und beschloss den Abend mit einer grossen Bitte
Ein Händemeer sorgte für Erleichterung und Freude in Niederrohrdorf: Die neue Kreisschule kann gebaut werden. Es wurde über die ...
Niederrohrdorf: Die Gemeindeversammlung diskutierte, genehmigte alle Geschäfte und beschloss den Abend mit einer grossen Bitte
Ein Händemeer sorgte für Erleichterung und Freude in Niederrohrdorf: Die neue Kreisschule kann gebaut werden. Es wurde über die Doppelturnhalle diskutiert, über Zufahrtsstrassen und nicht zuletzt über das Dorffest 2027.
Die Erleichterung war Gemeinderat Kevin Van nach der Gemeindeversammlung ins Gesicht geschrieben: «Ich freue mich sehr.» Die zahlreich erschienenen Niederrohrdorferinnen und Niederrohrdorfer bewegten sich zu diesem Zeitpunkt bereits Richtung Apéro-Tischchen in der Mehrzweckhalle Rüsler, wo Mineralwasser oder ein Glas Wein angeboten wurden. Zum Anstossen gab es nämlich Grund genug: Endlich kann die Kreisschule Rohrdorferberg erweitert werden. 213 Stimmberechtigte hatten in Niederrohrdorf den Kredit von 41,1 Millionen Franken für das neue Oberstufenzentrum gutgeheissen – im grossen Ja-Mehr waren die beiden Nein-Stimmen chancenlos. Niederrohrdorf zahlt 15,35 Millionen Franken an die Gesamtkosten.
Rückweisung ist ausgeschlossen
«Wir sind stolz, dass die Kreisschule, in unserem Dorf ansässig ist», leitete Frau Gemeindeammann Gisela Greder ein. Das sei ein «grosses Plus». Ein Standortvorteil, weil die Kinder alle Schulstufen, vom Kindergarten bis zur Oberstufe, im gleichen Ort besuchen könnten. Greder bat vor allem auch um eine sachliche Diskussion, ohne Vermischung mit anderen Themen – solche standen durchaus im Raum, wie sich später unter «Verschiedenes» zeigen sollte. Die Stimmung war denn auch angespannt.
Gemeinderat Kevin Van (FDP), zuständig für Bildung, präsentierte das Projekt «Torfmoos» und informierte über Finanzierungsmöglichkeiten: «Ziel ist es, ohne Steuererhöhung zu bauen.» In der anschliessenden Diskussion stellte Peter Schmid die Doppelturnhalle in Frage. Niederrohrdorf brauche sie nicht. Er rechnete vor, wie Primarschule und Oberstufe mit ihren Turnlektionen aneinander vorbeikommen könnten und wollte einen Rückweisungsantrag stellen, um seiner Gemeinde mittels Turnhallenverzicht Kosten von rund 5 Millionen Franken zu ersparen. Dezidiert äusserte sich Kevin Van gegen diesen Rückweisungsantrag. Jegliche Änderungsvorschläge – auch dieser Antrag – würden einer Ablehnung des gesamten Projekts gleichkommen. «Heute Abend ist nur ein Ja oder ein Nein möglich.» Und Marcia Peterhans, Mutter von Primar-Schulkindern, wandte ein, dass die Turnhallen auch durch Kinderturnen, Mu-Ki-Turnen, Altersturnen oder Schulsport belegt würden.
Was ist mit den Zufahrtsstrassen?
Besorgt zeigte sich Michael Notter wegen möglicher Zufahrtsstrassen zur Baustelle. Auf die Zufahrt über die Holzrüti sei zu verzichten. «Fahren 20-Tönner über die Holzrütistrasse, ist die Strasse kaputt.» Eine Sanierung dürfte mehr als eine Million Franken kosten, meinte er und wollte wissen, wer dafür aufkäme. Gemeinderat Van erklärte, die Zufahrt erfolge in erster Linie über die Zelglistrasse.
Namens der Ortspartei «Mitte» empfahl Bernhard Guhl den Kredit für das «Torfmoos» zu genehmigen, weil «das Projekt in allem» überzeuge. Er gab hingegen zu bedenken, dass die Schülerinnen und Schüler auch während der Bauphase Zugang zu einem Pausenplatz im Freien haben müssen.
Bis dahin waren die Resultate der anderen Vertragsgemeinden unbekannt. Erst kurz vor 21 Uhr konnte Kevin Van freudig mitteilen, dass alle dem Kredit zugestimmt hatten. Läuft alles nach Plan, erfolgt der Baustart 2028 und im Jahr 2030 kann das neue Oberstufenzentrum bezogen werden.
Diskussionslos und einstimmig wurde die Rechnung 2025 genehmigt. Einstimmig angenommen wurde auch der Verpflichtungskredit über 2,235 Millionen Franken für die Sanierung der Fohrhölzlistrasse. Bei diesem Geschäft trat der neu gewählte Gemeinderat Stéphane Huguenin (FDP) in den Ausstand. Sein Ingenieurbüro hatte im Jahr 2019 den Auftrag für die Sanierung erhalten und wird den Auftrag auch ausführen. Denn das Verfahren zog sich in die Länge, das Baugesuch lag 2023 auf, Einwendungen folgten und der Bau konnte erst 2025 bewilligt werden. Genehmigt wurde der Projektierungskredit über 150 000 Franken für die Gesamtsanierung Loorenstrasse und Hilitmattstrasse – zur Submission werde kein Ingenieurbüro eingeladen, das befangen sein könnte, spielte Huguenin auf sein eigenes Büro an.
Inständige Bitte für ein Jugendfest
Unter «Verschiedenes» wurde das Primarschul-Projekt «Palimpsest» vorgestellt, über welches am 13. August informiert und am 15. September an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung abgestimmt wird.
Marcia Peterhans hatte bis zuletzt mit ihrem Votum gewartet, obwohl ihr Anliegen im Dorf aktuell sehr viele Eltern stark bewegt: Das Niederrohrdorffäscht 2027 soll kein Jugendfest werden – dabei fand das letzte Jugendfest 2008 statt. Das ist sehr, sehr lange her. Die Schule, die das Jugendfest organisieren müsste, begründete, sie benötige mehr Vorlauf und Planungszeit für die Organisation eines Jugendfestes. Bei Eltern und Kindern ist die Enttäuschung riesig. So gross, dass im Vorfeld der Gemeindeversammlung sogar dazu aufgerufen wurde, den Kredit für das Kreisschul-Projekt «Torfmoos» abzulehnen. Die Vernunft obsiegte. Peterhans bat die Schule aber inständig darum, Wege zu finden für eine aktive Beteiligung der gesamten Schule an diesem Fest. Gisela Greder betonte, ihre Bitte sei gehört worden. Sie bedankte sich danach bei allen für die anständige Diskussion.
Heidi Hess

