Region: Bei Fischbach-Göslikon wurde am Reussufer die renaturierte Aue im Grien eingeweiht
Der Aargau hat eine weitere Aue. Seit Samstag fliesst die Reuss durch einen Seitenarm bei der Sandbank vor Fischbach-Göslikon.
m Morgen seien bereits zwei ...
Region: Bei Fischbach-Göslikon wurde am Reussufer die renaturierte Aue im Grien eingeweiht
Der Aargau hat eine weitere Aue. Seit Samstag fliesst die Reuss durch einen Seitenarm bei der Sandbank vor Fischbach-Göslikon.
m Morgen seien bereits zwei Eisvögel durch den neuen Seitenarm der Reuss geflogen. Ein gutes Zeichen. Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, freut sich an diesem nassgrauen Tag, an welchem im Grien in Fischbach-Göslikon ein neuer Seitenarm und eine neue Insel eingeweiht werden: «Der Eisvogel liebt diese Landschaft.» Und auch ein Fisch- und Laichparadies wird hier entstehen.
Über hundert Frauen, Männer und Kinder strömten am Samstagvormittag zur Reuss-Sandbank bei Fischbach-Göslikon, wo in den letzten Monaten die Landschaft auf einer Fläche von 0,5 Hektaren stark verändert wurde. Baumaschinen hatten am Ufer einen Kanal gegraben – 250 Meter lang, 20 Meter breit – und dahinter eine Insel aufgeschüttet. Die Auenrenaturierung Grien, die als Idee vor rund 20 Jahren aufkam, von 2014 bis 2016 geplant wurde, schliesslich aber wegen Einwendungen ins Stocken geriet, wurde im Oktober 2026 Wirklichkeit.
Der Weg zur gemeinsamen Vision
An diesem Vormittag verhindert zunächst ein Damm das Fliessen der Reuss in den neuen Seitenarm. Kurz vor 12 Uhr entfernt dann ein Bagger unter den aufmerksamen Augen der Zuschauenden Schaufel um Schaufel an braunem Kies. Man hört Raunen: «Er macht es spannend.» Es dauert. Endlich aber, um zehn nach 12, erfolgt der Durchstich. Das Wasser fliesst in den Seitenarm und an der namenlosen Insel vorbei. Sie wird nicht namenlos bleiben. Denn Pro Natura hat einen Wettbewerb lanciert: Die Bevölkerung soll Vorschläge bringen, eine Jury wird einen Namen auswählen.
Zuvor hatte Matthias Betsche, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, im Festzelt erklärt: «Wir feiern heute viel mehr als ein Bauprojekt. Wir geben der Reuss ein Stück ihrer Freiheit zurück.» Tatsächlich zeigt die Michaeliskarte von 1840 Seitenarme, die gebändigt wurden und schliesslich verschwanden. Nun aber, so Betsche, hätten alle Beteiligten mitgeholfen, die Vision Auenrenaturierung gemeinsam mit dem Fussgängersteg über die Reuss, der die Menschen in den Gemeinden Fischbach-Göslikon und Künten-Sulz verbinden soll, zu entwickeln. Die Gemeinden zogen Einwendungen zurück, die Naturverbände willigten zum Bau des Stegs ein. «Das ist mehr als ein Kompromiss», betonte Betsche, «das ist eine Perspektive.» Denn diese neue Aue ist ein weiterer Mosaikstein im Auenschutzpark, der im Aargau ein Prozent der Kantonsfläche betragen muss. So hatte es die Stimmbevölkerung im Jahr 1993 beschlossen. «Das ist mittlerweile erreicht», erklärte Betsche und überliess weiteren Rednern und Rednerinnen die Bühne.
Sandbank bleibt so gross wie bisher
Renate Ballmer, Frau Gemeindeammann in Fischbach-Göslikon, konnte sich lange nicht vorstellen, was hier entstehe. «Schön ist es geworden», sagt sie jetzt. «Schön auch dieser Moment.» Fischbach-Göslikon habe eine Insel erhalten und einen asphaltierten Weg. Die Sandbank bleibe gemäss Berechnungen der Ingenieure so gross, wie sie heute ist, betonte Ballmer. – Das war für viele Fischbach-Gösliker besonders wichtig. Auch einen Picknickplatz haben sie erhalten, zu dem zwei Holzbänke mit Äsche und Ringelnatter gehören, gestaltet vom Künstler Alex Schaufelbühl.
Die Projektkosten über 2,1 Millionen Franken übernehmen mit einem Anteil von 1,4 Millionen Franken Bund und Kanton, 550 000 Franken kommen aus einem Fonds für ökologische Ausgleichsmassnahmen der Stadtzürcher Elektrizitätswerke, 30 000 Franken zahlt die Fischereikommission Bremgarten und den Rest Pro Natura.
Heidi Hess