Die Wasserressourcen sinken seit April
13.10.2026 MellingenMellingen: Laut dem lokalen Brunnenmeister Roger Knöpfel war der Wasserverbrauch überdurchschnittlich hoch
Mellingen hat am 5. Oktober ein strenges Wasserverbot erlassen, um die Versorgung mit Trinkwasser wegen der anhaltenden Trockenheit zu sichern. Verboten sind Rasen ...
Mellingen: Laut dem lokalen Brunnenmeister Roger Knöpfel war der Wasserverbrauch überdurchschnittlich hoch
Mellingen hat am 5. Oktober ein strenges Wasserverbot erlassen, um die Versorgung mit Trinkwasser wegen der anhaltenden Trockenheit zu sichern. Verboten sind Rasen bewässern, Auto und Vorplätze abspritzen etc. Viele Personen zeigten Verständnis, sagt Brunnenmeister Roger Knöpfel von der Wasserversorgung.
◆ Roger Knöpfel, das von der Stadt Mellingen per 5. Oktober verhängte Wasserverbot sieht Bussen bis 2000 Franken vor. Sind eventuell schon Bussen ausgesprochen worden? R.K. Nein, bis jetzt ist es noch nicht dazu gekommen.
◆ Hat die Stadt eventuell Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten?
Ja, die Rückmeldungen sind unterschiedlich. Teilweise fallen sie sehr positiv aus. Viele Personen zeigen Verständnis für die Massnahmen und finden es richtig, dass die Wasserressourcen geschont werden. Teilweise gibt es aber auch Unverständnis, beispielsweise darüber, weshalb der Rasen nicht mehr bewässert werden darf.
◆ Weshalb wartet Mellingen erst so spät mit diesen Verboten auf im Vergleich mit anderen Gemeinden?
Aus unserer Sicht hat das weniger mit «früh» oder «spät» zu tun, sondern vielmehr mit dem Monitoring der eigenen Ressourcen. Jede Wasserversorgung hat unterschiedliche Voraussetzungen. Die verfügbaren Quellen, Grundwasserfassungen, Bezugsrechte und auch der Wasserverbrauch unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde. Deshalb lassen sich die einzelnen Wasserversorgungen nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen. Unsere eigenen Wasserressourcen sind seit Ende April rückläufig. Gleichzeitig ist der Wasserverbrauch im Mai stark angestiegen und während rund fünf Monaten überdurchschnittlich hoch geblieben. Bereits vor der Einführung des Verbots haben wir die Bevölkerung zweimal zum freiwilligen Wassersparen aufgerufen, um dem hohen Verbrauch entgegenzuwirken.
◆ Hat der Aufruf etwas genützt, ging der Wasserverbrauch zurück?
Wir haben den Tagesverbrauch nach den beiden Wassersparaufrufen genau beobachtet. Leider blieb der Verbrauch weiterhin auf einem hohen Niveau, weshalb die Aufrufe nicht die erhoffte Wirkung erzielten. In Mellingen liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch bei rund 1500 m³ pro Tag. In den vergangenen Jahren verzeichneten wir Spitzenverbräuche von ungefähr 2400 m³ pro Tag. In diesem Jahr erreichten wir jedoch einen Spitzentagesverbrauch von 3240 m³. Zudem lagen die Tagesverbräuche über mehrere Monate hinweg überdurchschnittlich hoch.
◆ Wieso investiert die Stadt derart viel in die Gestaltung der Altstadt und strebt eine kontinuierliche Zunahme der Einwohnerzahl an, ohne entsprechende Mittel in die eigene Wasserversorgung zu investieren?
Die Aufwertung der Altstadt und die Wasserversorgung müssen getrennt voneinander betrachtet werden. Betreffend Wasserversorgung haben wir im Jahr 2024 den GWP (Generelle Wasserversorgungsplanung) erarbeitet. Dabei wurde der Ist-Zustand sowie der zukünftige Soll-Zustand unserer Wasserversorgung aufgenommen und beurteilt. Verschiedene daraus resultierende Projekte sind bereits in der Investitionsplanung enthalten und sollen in den kommenden Jahren umgesetzt werden. Weiter ist Mellingen am Projekt «Wasser 2035» beteiligt. Dabei soll ein regionaler Wasserverbund die Wasserversorgungen im Bünz- und Reusstal miteinander verbinden und damit die Versorgungssicherheit zusätzlich erhöhen. Die Stadt Mellingen investiert somit durchaus in die eigene Wasserversorgungsinfrastruktur, da wir uns der Bedeutung einer sicheren Trinkwasserversorgung bewusst sind. Gleichzeitig sind aber auch wir, wie alle anderen Wasserversorgungen, vom natürlichen Wasserkreislauf abhängig. Wenn über längere Zeit wenig Niederschlag fällt und sich Grundwasser und Quellen nicht genügend erneuern, wirkt sich das auch auf eine gut ausgebaute Wasserversorgung aus.
◆ Hat das Wasserverbot auch Konsequenzen für das Hallenbad?
Zur Zeit gibt es keine Einschränkungen im Hallenbad. Bei einer Verschlechterung muss die Situation neu beurteilt werden.
◆ Was wäre im schlechtesten Fall eine mögliche Folge?
Aus heutiger Sicht zeigen die bereits getroffenen Massnahmen die gewünschte Wirkung. Im äussersten Fall wäre eine vorübergehende Einstellung des Badebetriebs denkbar, beispielsweise wenn die gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen an die Badewasserqualität aufgrund der eingeschränkten Wasserverfügbarkeit nicht mehr eingehalten werden könnten.
Marc Benedetti


