Die historische Artilleriestellung «Buacher» musste Überbauungen weichen
Die vier ehemaligen Bunker an der Buacherstrasse sind restlos verschwunden. Damit erinnert an sonniger Lage nichts mehr an eine Zeit, in der die Schweiz sich von Feinden bedroht sah.
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Die historische Artilleriestellung «Buacher» musste Überbauungen weichen
Die vier ehemaligen Bunker an der Buacherstrasse sind restlos verschwunden. Damit erinnert an sonniger Lage nichts mehr an eine Zeit, in der die Schweiz sich von Feinden bedroht sah.
Alles weg», sagt der Bauarbeiter achselzuckend auf die Frage, ob die Bunker an der Buacherstrasse denn vollständig entfernt worden seien. Am Hang oberhalb von Vogelrüti klafft an deren Stelle ein riesiger Aushub. Die Bauarbeiten für die Überbauungen Buacher Ost und West sind im vollen Gange. Bald sollen hier Terrassenhäuser in bester Lage entstehen. Die Bunkeranlage wurde im Zuge der Überbauung mit Spezialbaggern abgetragen», bestätigt Thomas Busslinger, Gemeindeschreiber von Oberrohrdorf auf Nachfrage. Es habe sich nicht um geschützte Bauten gehandelt. Daher wurde die Baugenehmigung erteilt. In Betrieb waren die Bunker schon lange nicht mehr und 1986 wurden sie vom Bund an die Anstösser verkauft, welche sie teilweise als Keller- oder Lagerräume nutzten. Auch die Einfamilienhäuser, die hier standen, sind nun verschwunden.
Bunker war Teil der Limmatstellung
Bereits vor zweieinhalb Jahren war absehbar, dass die Tage der Weltkriegsbunker gezählt waren. Richard Irniger vom Ortsmuseum Niederrohrdorf berichtete damals, wofür sie gebaut wurden. Die Bunker wurden Anfang des Zweiten Weltkriegs gebaut und waren Teil der sogenannten «Limmatstellung», die das schweizerische Mittelland vor dem gegnerischen Einfall aus dem Norden schützen sollte. Die vier nebeneinander liegenden Bunker mit massiven Betonwänden dienten als Beobachtungsposten, zur Lagerung von Munition und waren teilweise zur Geschützstellung ausgebaut. «Wir hätten über den Heitersberg ins Limmattal geschossen, nicht talwärts», erklärte Irniger bei einer Ortsbegehung, bei der noch das Podest zu sehen war, auf dem einst das Geschütz stand. Laut Aufzeichnungen wurde die «Artilleriestellung Buacher» einst von der «Feldbatterie 69» gebaut. Zeitweise waren auch Soldaten der «Gebirgsfüsilier-Kompanie 48» aus Zug am Rohrdorferberg stationiert.
Tragischer Todesfall
Zum Einsatz kam die Geschützstellung allerdings nie, der Ernstfall trat glücklicherweise nie ein. Im Juni 1940 ereignete sich hier jedoch ein tragischer Unfall. Leutnant Hansjörg Keller, der in Mellingen stationiert war, wollte die Stellung inspizieren und wurde auf einem nächtlichen Kontrollgang irrtümlich von der Wachmannschaft erschossen. Eine steinerne Gedenktafel an der Stützmauer an der Buacherstrasse erinnerte seither an den tragischen Todesfall. «Ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Tafel erhalten bleibt», sagt Richard Irniger. Ob sie von den Bauarbeiten tatsächlich verschont bliebt, war zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Falls ja, soll sie künftig im Ortsmuseum Niederrohrdorf ausgestellt werden. Es wäre die letzte Erinnerung an ein – wenn auch düsteres – Stück Geschichte am Rohrdorferberg.
Michael Lux