Drei Premieren und ein Hund namens Lennon
09.01.2026 MellingenFilmkomponist und Regisseur Martin Skalsky startet mit Vollgas ins neue Jahr – im Januar darf er gleich mehrere Premieren feiern
Der Mellinger Martin Skalsky wurde unter anderem durch seinen Dokumentarfilm über den Strassenhund Cody bekannt. Cody musste er gehen lassen. ...
Filmkomponist und Regisseur Martin Skalsky startet mit Vollgas ins neue Jahr – im Januar darf er gleich mehrere Premieren feiern
Der Mellinger Martin Skalsky wurde unter anderem durch seinen Dokumentarfilm über den Strassenhund Cody bekannt. Cody musste er gehen lassen. Dafür kommt bald ein neuer tierischer Begleiter. Und auch sonst ist viel los bei ihm.
Cody war ein Star. Für seinen Besitzer Martin Skalsky, dessen Frau Selina und die beiden Töchter, die ihn fest ins Herz geschlossen hatten, sowieso. Aber spätestens seit dem Kinofilm «Cody – the Dog Days are over», war der ehemalige rumänische Strassenhund auch über die Grenzen des Reuss-Städtchens hinaus bekannt. Um Cody besser verstehen zu können, reiste der Mellinger Filmemacher auf dessen Spuren nach Rumänien und sogar bis nach England, wo Hündin Blanche lebte, mit der Cody einst auf den Strassen einer rumänischen Kleinstadt unzertrennlich gewesen war. «Cody hat uns ausgesucht», ist sich Martin Skalsky sicher. Noch immer wird er wehmütig, wenn er gemeinsame Bilder mit Cody sieht. Letztes Jahr mussten sie den damals bereits 15-jährigen Mischling gehen lassen: «Er hat uns gezeigt, dass er gehen wollte», sagt Skalsky. Gesundheitlich ging es Cody längst nicht mehr gut. Ob sie jemals wieder einen Hund aufnehmen würden, wusste die Familie nach Codys Tod nicht. Oft wurden sie beim Spazierengehen in der Region aber danach gefragt. Nun schlug der Zufall – oder das Schicksal – zu. Der Hund der befreundeten Regiesseurin Livia von Aesch («Home ist the Ocean»), ein portugiesischer Wasserhund, bekam gleich neun herzige Welpen. Darunter auch «Lennon Imagine». «Selina und ich haben uns in Portugal kennen gelernt und lieben beide den Strand und das Meer», erzählt Skalsky. Damit nicht genug der Zufälle. Bei ihrem Kennenlernen hätten sie einst gemeinsam Karaoke zu John Lennons Friedenshymne «Imagine» angestimmt, so Skalsky. Und für diesen Sommer ist wieder ein Urlaub in Portugal mit dem Wohnmobil geplant. Noch mehr «Zeichen» brauchte es für die Familie nicht. Um es kurz zu machen: Am Wochenende kommt «Lennon Imagine» als neues Familienmitglied nach Mellingen. «Wir sind komplett irrational, wenn es um emotionale Entscheidungen geht», schmunzelt Skalsky und freut sich schon darauf, wie der Welpe die Familie durcheinander wirbeln wird.
Turbulenter Jahresbeginn
Auch beruflich ist beim Filmkomponist und Regisseur zum Jahresauftakt jede Menge los. Im Januar feiern gleich drei Projekte Premiere, an denen er teils über mehrere Jahre mitgearbeitet hat. An diesem Freitag (9. Januar), wird die Lichtshow «Flow» des Künstler-Kollektivs «Projektil» in der Wasserkirche in Zürich eröffnet. Das historische Gewölbe verwandelt sich dabei in ein Kunstwerk aus Licht, Klang und Bewegtbild. Im Mittelpunkt steht Smetanas musikalisches Meisterwerk «Die Moldau», das Martin Skalsky und Tobias Preisig in Teilen neu komponiert und eigens mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt Prag aufgenommen haben. Man werde das tschechische Nationalwerk nach wie vor wiedererkennen, beruhigt der Komponist mit tschechischen Wurzeln die Liebhaber des Klassikers aus dem 19. Jahrhundert. «Wir sind immer wieder ausgestiegen aus dem Werk und haben mit modernen Beatelementen neue Texturen und Ebenen geschaffen», so Skalsky zum Konzept. Selbst wenn man zwischendurch musikalisch wegfliege, kehre man doch immer wieder zum Original zurück, versichert er.
Hotelzimmer im Wandel der Zeit
Seiner Kreativität freien Lauf lassen durfte Martin Skalsky bei einem anderen Projekt. Für den Episodenfilm «Hotel Excelsior», der am 23. Januar an den Solothurner Filmtagen Premiere feiert, komponierte er die Gesamtmusik. Darüber hinaus führte er neben drei anderen Regisseurinnen bei einer von vier Episoden Regie. Der Film spielt in einem fiktiven Schweizer Hotel in den Jahren 2025, 1990, 1970 und 1927. Anhand der Erlebnisse einzelner Menschen werde Zeitgeschehen behandelt, so Skalsky: «Es geht um die Zwischenkriegszeit, was Menschen gefühlt haben und was sie bewegt hat», erklärt er zu seiner Episode.
Die damalige spezielle Situation zwischen fulminanter Überschwänglichkeit und Zukunftsangst schildert er anhand einer Vater-Tochter-Geschichte. Um eine reale Person, genauer gesagt um den ehemaligen Intendanten des Zürcher Schauspielhauses Kurt Hirschfeld, geht es dagegen im Dokumentarfilm «Hirschfeld – bekannter Unbekannter», zu dem Martin Skalsky ebenfalls die Musik komponierte. «Er ist massgeblich beteiligt gewesen, dass das Schauspielhaus während des Krieges unabhängig blieb und auch kontroverse Themen behandelt hat», erklärt er. In der Nachkriegszeit arbeitete Hirschfeld mit Dürrenmatt und Max Frisch zusammen – unter anderem bei der legendären Uraufführung von Frischs «Andorra» im Schauspielhaus. Dort findet auch die Filmpremiere am 25. Januar statt. Zufall oder eben doch Schicksal?
Michael Lux


