Ein doppelter Meilenstein fürs Freiamt
30.10.2026 MägenwilMägenwil/Dottikon: Der Verein Steinbruch und die Emil Fischer AG bewahren das Erbe des Mägenwiler Muschelkalks
Der Aargauer Heimatschutz prämiert in diesem Jahr gleich zwei Institutionen aus der Region.
Der Verein Steinbruch Mägenwil und die ...
Mägenwil/Dottikon: Der Verein Steinbruch und die Emil Fischer AG bewahren das Erbe des Mägenwiler Muschelkalks
Der Aargauer Heimatschutz prämiert in diesem Jahr gleich zwei Institutionen aus der Region.
Der Verein Steinbruch Mägenwil und die Emil Fischer AG teilen sich den Aargauer Heimatschutzpreis 2026 (der «Reussbote» berichtete Ende August). Beide setzen sich auf unterschiedliche Weise für den Erhalt des Mägenwiler Muschelkalks ein. An der feierlichen Übergabe im Gartencenter Rosen-Huber in Dottikon nahmen die strahlenden Gewinner kürzlich ihre Urkunden und das Preisgeld entgegen.
Ein wenig Hintergrundwissen vorab. Der Mägenwiler Muschelkalk entstand vor knapp 20 Millionen Jahren und besteht zu rund 90 Prozent aus fossilen Muschelfragmenten, welche sich mittels Kalkzement verfestigten. Der je nach Oxidationsgrad gelbe oder blaue Stein ist weich und gut zu bearbeiten, gilt als sehr beständig und wird deshalb vorwiegend für Bodenbeläge, Mauern, Fassaden und Brunnen verwendet. Schon vor der Erfindung der Eisenbahn wurde der Boutiquestein rund 100 Kilometer weit und bis in die Ostschweiz und den Schwarzwald geführt. Verwendung fand er beispielsweise in Gebäuden der Nationalbank oder des Bundesgerichts in Lausanne. Er ist aber auch in der Klosterkirche Muri oder im Foyer der Alten Kirche in Boswil zu sehen.
Neues Leben auf altem Grund
Bis zu seiner Stilllegung in den 1980er-Jahren wurde der bekannte Muschelkalk auch in Mägenwil abgebaut. Nach dem Kauf durch die Ortsbürgergemeinde rodeten die Mitglieder der gegründeten Interessengemeinschaft unermüdlich das stark verwilderte Gelände, das heute als Naherholungsund Naturschutzgebiet dient. 2001 entstand aus der IG der Verein Steinbruch Mägenwil, in dem sich seither über 200 Mitglieder für den Erhalt, Betrieb und die Pflege des stillgelegten Steinbruchs Eckwil einsetzen. Der Verein unterhält ein Museum, bietet Führungen für Schulklassen und interessierte Gruppen an und betreibt das beliebte «Steibruchbähnli». Der Aargauer Heimatschutz würdigt den Verein, der heuer auch sein 25- jähriges Bestehen feiert, für sein langjähriges und erfolgreiches Engagement für die Bewahrung und Pflege des historisch bedeutenden Steinbruchs und für die lebendige Vermittlung seiner Geschichte. «Die Auszeichnung erfüllt uns mit ganz grossem Stolz», sagte Peter Wiederkehr, Gemeindeammann von Mägenwil. Das Vereinsmitglied zeigt sich bei der Preisübergabe sichtlich berührt: «Es zeigt uns, dass die Gesellschaft traditionelle Geschichte anerkennt und schätzt». Der Steinbruch Mägenwil sei ein Ort, an dem einst ehrliche, harte Arbeit geleistet wurde. «Und heute soll er ein Ort des Handwerks, der Natur und der Begegnung sein», so Wiederkehr.
Ein nachhaltiges Ersatzteillager
In Dottikon, wo der Muschelkalk indes noch abgebaut wird, bleibt die Gewinnung und Bearbeitung trotz moderner Technik ein mühseliger Prozess. Reto Nussbaumer, seit 21 Jahren als oberster kantonaler Denkmalpfleger tätig, erklärte: «Dieser Steinbruch ist ein historisch relevantes Materialarchiv und ein natürliches Ersatzteillager, welches sorgfältig und langfristig behandelt werden muss». Seit über 120 Jahren engagiert sich die Emil Fischer AG für diesen umsichtigen Abbau, wobei nur jenes Material vom Fels abgetragen wird, welches für konkrete Auftragsarbeiten und geplante Restaurationen benötigt wird. «Das ist nachhaltig ohne Ende», lobte Nussbaumer. Die Emil Fischer AG beschäftigt rund 20 Mitarbeitende und trägt mit der Restaurierung historischer Steinmetz- und Bildhauerarbeiten sowie der Ausbildung von Lernenden massgeblich zum Erhalt des traditionellen Handwerks bei. Deshalb wurde der Firma der Heimatschutzpreis 2026 gleichauf verliehen. (wa)
Siehe auch unter heimatschutz-ag.ch

