Ein Ort der Kraft, der Ruhe und der Begegnung
23.10.2026 HägglingenHägglingen: Die historische Bruderklausenstätte mit Denkmal und Kapelle auf dem Saalhau-Höhenrücken ist ein beliebter Ort der Einkehr
Als Ort der Stille und der Begegnung lädt die Bruderklausenstätte seit 1947 zum Innehalten ein. Getragen von einer ...
Hägglingen: Die historische Bruderklausenstätte mit Denkmal und Kapelle auf dem Saalhau-Höhenrücken ist ein beliebter Ort der Einkehr
Als Ort der Stille und der Begegnung lädt die Bruderklausenstätte seit 1947 zum Innehalten ein. Getragen von einer Stiftung und gepflegt mit viel Herzblut, ist die Kapelle für viele Menschen ein wichtiger Zufluchtsort im Alltag.
Hoch über dem Aargauer Bünztal, auf dem malerischen Saalhau-Höhenrücken, liegt die Bruderklausenstätte Hägglingen. Sie wurde 1947, im Jahr der Heiligsprechung von Niklaus von Flüe, als Zeichen des Dankes für die Verschonung der Schweiz während der beiden Weltkriege errichtet. 1950 wurde neben dem Denkmal eine Kapelle im Stile eines Blockhauses gebaut, welche fortan für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt wurde. Durch einen Brand wurde die Kapelle 2005 vollständig zerstört. Zur Erinnerung ist die zerstörte Glocke der abgebrannten Kapelle auf dem Vorplatz des Blockhauses aufgestellt. Jedoch konnte durch einen Neubau, wiederum im Stil eines Blockhauses, die Kapelle neu gebaut werden, welche heute allen Besuchern der Gedenkstätte offensteht.
Ort der Ruhe und des Weitblicks
Die schlicht gestaltete Kapelle fügt sich harmonisch in die Landschaft ein. Als täglich geöffneter Ort der Stille lädt die Gedenkstätte Vorbeigehende jederzeit zum Innehalten, Kerzenanzünden und persönlichen Gebet ein, während sich draussen ein weiter Panoramablick über das Freiamt eröffnet. Darüber hinaus bildet das Areal einen stimmungsvollen Rahmen für Taufen, Trauungen und die traditionelle Bruderklausenfeier, die alljährlich im August unter freiem Himmel stattfindet. Die nächste Bruderklausenfeier wird am Sonntag, 8. August 2027 stattfinden, bei welcher auch das 80-jährige Bestehen gefeiert werden kann. Jeweils am Donnerstag-Abend findet ein gemeinsames Rosenkranzgebet statt. Um den Erhalt dieses besinnlichen Ortes kümmert sich seit 1961 die eigens dafür gegründete Bruderklausenstiftung Hägglingen.
Dass dieser beliebte und vielgeschätzte Ort ein Ort der Kraft bleibt, ist dem unermüdlichen Engagement zweier Häggligerinnen zu verdanken: Josy Stutz und Tanja Jordi kümmern sich hier mit viel Herzblut in Teilzeitarbeit um den Unterhalt. «Ich wurde damals von der Bruderklausenstiftung angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dieses Amt zu übernehmen», erinnert sich Josy Stutz im Gespräch. Nach einer kurzen Bedenkzeit sagte sie zu und so sorgt die heute 75-Jährige bereits seit dem Jahr 2015 mit unaufhörlicher Freude und tiefem Engagement für das Wohl der Kapelle. Ebenso arbeitet Tanja Jordi seit dem Jahr 2024 mit. Denn die Aufgaben sind vielfältig und anspruchsvoll: Jeden Morgen um 8 Uhr öffnen sie die Kapelle und entzünden die Kerzen. Anschliessend wird der Vorplatz gesäubert und aufgeräumt. Ob Schneeräumen im Winter oder das Beseitigen von Laub und herabgefallenen Ästen im Herbst, die Umgebungsarbeiten verlangen je nach Jahreszeit vollen Einsatz, und dies jeden Tag. Auch das Rasenmähen und das liebevolle Pflegen und Giessen der Blumen gehören ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag.
Neben der körperlichen Arbeit liegt Josy Stutz auch das geistliche Leben vor Ort am Herzen: Jeden Donnerstag leitet sie das gemeinsame Rosenkranzgebet. Alleine war sie dabei noch nie. Mindestens eine Person feiert und betet jedes Mal mit ihr mit.
Menschliche Begegnungen und Trost
Überhaupt sind es vor allem die menschlichen Begegnungen, die diese Aufgabe so besonders machen. Unzählige Menschen haben in all den Jahren in der Kapelle Trost und Stille gesucht. Josy Stutz erinnert sich an eine ältere Dame, die sie einmal bat, mit ihr zusammen doch das «Vaterunser» zu beten. «Solche Momente sind ein Geschenk», erzählt sie berührt. Oft schütten ihr Passanten ihr Herz aus. Sie hört dann einfach zu. Dankbar dafür, für einen kurzen Augenblick ein wenig Licht in das Leben anderer bringen zu dürfen. Für die Häggligerin ist dieser Ort weit mehr als eine Aufgabe. Schon als Kind verbrachte sie hier viel Zeit. Dass sie sich heute in den Dienst dieser sinnstiftenden Arbeit stellen darf, empfindet sie daher nicht nur als Pflicht, sondern als eine Herzensangelegenheit.
Isabel Steiner Peterhans
Bruder Klaus
Niklaus von Flüe, bekannt als Bruder Klaus, wurde 1417 in Flüeli im Kanton Obwalden geboren. Er stammte aus einer Bauernfamilie und war selbst Bauer, Ratsherr und Richter. Während des Alten Zürichkriegs diente er zudem als Offizier. Nach dem Krieg heiratete er Dorothea Wyss. Das Paar hatte zehn Kinder. Doch 1467 veränderte sich sein Leben grundlegend: Mit dem Einverständnis seiner Frau verliess er Familie und Hof, um als Einsiedler zu leben. Am 21. März 1487 starb er in seiner Zelle. 1649 wird er selig- und im Jahr 1947 heiliggesprochen. Seither gilt Bruder Klaus als Schutzpatron der Schweiz. (isp)


