«Ein risikofreies Leben ist nicht möglich»
20.02.2026 NiederrohrdorfDas Elternforum der «Mojuro – offene Jugendarbeit Region Rohrdorferberg» dreht sich diesmal um Risikoverhalten bei Jugendlichen
«No risk No Fun» lautet das Thema des Elternforums 2026. Die Jugendarbeiterin Valerie Mäder erklärt im ...
Das Elternforum der «Mojuro – offene Jugendarbeit Region Rohrdorferberg» dreht sich diesmal um Risikoverhalten bei Jugendlichen
«No risk No Fun» lautet das Thema des Elternforums 2026. Die Jugendarbeiterin Valerie Mäder erklärt im Interview, worum es geht und welche Erfahrungen sie persönlich mit der Risikobereitschaft von Kindern und Jugendlichen macht.
◆ Was ist das Ziel des Elternforums?
Ziel des Elternforums ist es, den Eltern durch einen Fachinput konkrete Anregungen und Unterstützung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zu bieten. Zudem sollen sie Einblick in gesellschaftliche Entwicklungen gewinnen und die Möglichkeit haben, Kontakte zu anderen Eltern aufzubauen.
◆ Wie sind Sie auf das Thema des Fachvortrags «No Risk No Fun» (ohne Risiko kein Spass) gekommen?
Wir erleben in unserer täglichen Arbeit, dass Risikoverhalten ein zentraler Bestandteil der kindlichen und jugendlichen Entwicklung ist. Gleichzeitig ist es auch ein grosses Thema für Eltern. Viele Erwachsene tun sich schwer damit, Kindern Freiräume zu geben, in denen sie ausprobieren und auch Fehler machen dürfen. Gleichzeitig suchen Kinder und Jugendliche genau diese Erfahrungen. Der Vortrag «No Risk No Fun» ist ein Angebot der Suchtprävention Aargau, das sie in unterschiedlichen Formaten anbieten.
◆ Wie erleben Sie in Ihrem Alltag die Risikofreudigkeit der Kinder- und Jugendlichen?
Sehr unterschiedlich. Manche suchen körperliche Herausforderungen oder testen soziale Grenzen aus. Andere wiederum sind vorsichtiger. Wie bereits erwähnt, ist Risikoverhalten ein zentraler Bestandteil dieser Entwicklungsphase. Laut Risikoforschung kann Risiko verstanden werden als «ein bedeutsames Ereignis mit ungewissem Ausgang». Das gesteigerte Risikoverhalten von Jugendlichen hat gemäss der Entwicklungspsychologie eine wichtige Funktion für die Entwicklung der Jugendlichen zu selbstbestimmten Individuen. Es hilft ihnen, neue Erfahrungen zu machen, sich in Gruppen von Gleichaltrigen zu integrieren und sich abzulösen von ihren Eltern.
Ein risikofreies Leben ist nicht möglich, daher ist es wichtig, den Kindern und Jugendlichen einen kompetenten Umgang mit Risiken beizubringen. Die Kinder- und Jugendarbeit unterstützt die Kinder und Jugendlichen in diesem Prozess. Die Mojuro stellt mit ihren Angeboten und Projekten sichere Freiräume zur Verfügung, in welchen die Kinder und Jugendliche in einem geschützten Rahmen «Risiken» eingehen und neue Erfahrungen sammeln können.
◆ Gibt es Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, was die Risikobereitschaft angeht?
Wir beobachten weniger Unterschiede in der Risikobereitschaft zwischen Geschlechtern, sondern mehr in der Art, wie sie Risiken eingehen. Aus unserer Sicht hängt die Risikobereitschaft in erster Linie vom individuellen Charakter und vom sozialen Umfeld ab. In der Gesamtbevölkerung zeigen männlich gelesene Personen im Durchschnitt etwas höhere Risikobereitschaft, was aber wenig über das einzelne Kind aussagt. Zugleich ist zu sehen, dass in der Pubertät bei vielen Mädchen eher riskante internalisierte Verhaltensweisen zunehmen, also stille und weniger sichtbare Formen, wie selbstverletzendes Verhalten. Bei Jungen zeigen sich häufiger riskante externalisierende Verhaltensweisen, die nach aussen gerichtet und deutlich sichtbarer sind, zum Beispiel impulsives Handeln ohne Nachdenken oder das Eingehen gefährlicher Mutproben. Trotz solcher Tendenzen steht für uns immer das individuelle Kind im Vordergrund, unabhängig von Geschlechterkategorien.
◆ Wie gehen Sie mit vielleicht allzu stürmischen Kindern um?
Wir arbeiten bewusst mit einer Kultur der zweiten, dritten und vierten Chance. Wenn Kinder und Jugendliche sehr stürmisch sind oder Grenzen überschreiten, versuchen wir so zu reagieren, dass die Beziehung bestehen bleibt. Denn genau diese Beziehung ermöglicht weitere Lern- und Entwicklungsprozesse. Statt impulsives Verhalten nur zu korrigieren, nutzen wir es als Ausgangspunkt. Wir zeigen alternative Handlungsmöglichkeiten auf, schaffen sichere Rahmenbedingungen und begleiten die Kinder und Jugendlichen so, dass sie ihre Energie sinnvoll einsetzen können. So fördern wir ihre Selbstständigkeit, stärken ihre sozialen Kompetenzen und unterstützen sie in ihrer persönlichen Entwicklung.
◆ Gibt es auch den umgekehrten Fall, dass sich die Jungen oder Mädchen zu wenig trauen und man sie ermutigen muss?
Es gibt Kinder und Jugendliche, die sehr vorsichtig sind, manchmal aus Unsicherheit, manchmal aus Angst, Fehler zu machen. In solchen Fällen ermutigen wir sie behutsam, kleine Schritte zu wagen und begleiten sie dabei.
◆ Hat sich das Verhalten der Kinder und Jugendlichen verändert, etwa durch zu fürsorgliche Eltern?
Gesellschaftlich gesehen ist das Bedürfnis nach Sicherheit gestiegen und gleichzeitig ermöglichen technische Entwicklungen einen sehr schnellen und engen Kontakt zwischen Eltern und Kindern. Dies kann dazu führen, dass Kinder und Jugendliche weniger Gelegenheiten haben, Selbstständigkeit zu üben und Erfahrungen mit Scheitern und Verantwortung zu sammeln.
◆ Welche Rolle spielt das Elternhaus beim Risikoverhalten generell?
Beim Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Risiken spielt das Elternhaus eine zentrale Rolle. Kinder und Jugendliche orientieren sich stark an den Erwachsenen, die sie begleiten. Eltern, die ihren Kindern Vertrauen schenken, Grenzen klar formulieren und gleichzeitig ausprobieren lassen, fördern eine gesunde Risikokompetenz.
◆ Was können Eltern vom Fachvortrag am 5. März erwarten (siehe Kasten unten)?
Die Eltern erhalten einen Einblick in das Risikoverhalten von Kindern und Jugendlichen und wie sie souverän, klar und gleichzeitig entspannt bleiben können. Mit alltagsnahen Beispielen und sofort umsetzbaren Tipps soll der Workshop Lust darauf machen, mit Kindern im Gespräch zu bleiben und sie sicher durch diese aufregende Zeit zu begleiten.
◆ Seit wann führen Sie das Elternforum bereits durch?
Das Elternforum wurde erstmals im Jahr 2008 durchgeführt und entstand aus der Zusammenarbeit des Kirchlich Regionalen Sozialdienstes und der Mojuro. Bis 2015 fand das Elternforum in dieser Form statt. Nach längerer Pause nahm die Mojuro das Angebot 2022 wieder auf und führt es seither einmal jährlich durch.
Michael Lux
«No Risk No Fun»
Am 5. März 2026 organisiert die «Mojuro – offene Jugendarbeit Region Rohrdorferberg» von 19 bis 21 Uhr im Gemeindesaal Niederrohrdorf ihr alljährliches Elternforum. Thema des Abends und des Fachvortrags: «No Risk No Fun». Unter diesem Titel führt Referentin Ramona Patt von der Suchtprävention Aargau durch den Abend und das Thema. Die Eltern erhalten spannende Einblicke in das Risikoverhalten von Kindern und Jugendlichen und Tipps für den alltäglichen Umgang.
Anmeldung bis 26. Februar per Mail an team@mojuro.ch Weitere Infos: mojuro.ch

