Patrick Zehnder lebt mit seiner Familie in Birmenstorf. Er unterrichtet Geschichte an der Kantonsschule Baden und verfolgt als freiberuflicher Historiker lokalund regionalgeschichtliche Projekte. Seine Freizeit verbringt er beim Orientierungslauf, auf dem Velo oder auf Langlaufskis.
...
Patrick Zehnder lebt mit seiner Familie in Birmenstorf. Er unterrichtet Geschichte an der Kantonsschule Baden und verfolgt als freiberuflicher Historiker lokalund regionalgeschichtliche Projekte. Seine Freizeit verbringt er beim Orientierungslauf, auf dem Velo oder auf Langlaufskis.
Seit rund 50 Jahren kurve ich mit dem Velo durchs Reusstal und darüber hinaus. Davon war an dieser Stelle schon die Rede. Auch davon, dass ich mich für verschiedene Fahnen interessiere, die vor öffentlichen Gebäuden und Privathäusern flattern.
Meine langjährige Erfahrung lehrt, dass Kantonsfahnen dann und wann falsch aufgehängt werden. Nicht die Kantonsfahnen der Freiämter Nachbarn Zug und Luzern, da geben die in der Fabrik angenähten Ösen einen allzu deutlichen Hinweis. Beim Kanton Zürich wäre alles möglich, aber der blaue Saum gehört unten hin. Und der dicke sattgrüne Balken, der für die Zürcher Bescheidenheit steht, muss ganz oben flattern. Oder hätte ich das hier nicht verraten dürfen?
Um bei den Nachbarn des Aargaus zu bleiben. Der Baselbieter Bischofsstab mit den sieben Tupfen oder Chriesi sieht man selten auf dem Kopf. Ausser jemand versteht das rote Symbol als Qualle – oder als Tintenfisch im Fall von Baselstadt. Am schwierigsten haben es zweifellos die Solothurnerinnen und Solothurner beim morgendlichen Fahnenaufzug. Im Grunde genommen handelt es sich um eine vereinfachte Schweizerflagge. Aber das rote Feld gehörten oben hin. So wie Monaco, nicht wie Polen.
Und jetzt zum Symbol des Aargaus. Es lässt sich verkehrt herum aufhängen. Wer unsicher ist, merke sich, die beiden Sterne prangen oben, der dritte Stern unten. Der geteilte Schild besteht aus einem schwarzen Feld mit einem Wellenkann und einem blauen Feld mit drei Sternen. Nach den Massgaben der Wappenkunde sind die fünfstrahligen Sterne und der Wellenkamm übrigens nicht weiss, sondern in Silber gehalten. Als sich der Kanton 1803 eine eigene Fahne gab, war die Zahl der Wellenlinien und der Sterne nicht festgelegt. Je nach Windrichtung ist links und rechts verhandelbar.
Es ist übrigens interessant zu sehen, wie Liegenschafts- und Fahnenbesitzer auf wohlmeinende Hinweise reagieren, die Aargauer Fahne hänge bei ihnen verkehrt herum. Der Eigentümer eines schönen Reitstalls mit noch schönerem, altem Baumbestand liess vor ein paar Jahren seinen landwirtschaftlichen Mitarbeiter sofort ausrücken und bedankte sich höflich für den Hinweis. Ein Generalstabsoffizier an meinem Wohnort, der seine Villa zum Bundesfeiertag beflaggt hatte, fragte ungläubig nach, ob dem wirklich so sei. Und mit jenem Notorischen am Ortseingang von Künten habe ich noch keinen Kontakt aufnehmen können.