Ein Verkauf würde vier Millionen Franken einbringen
23.10.2026 WohlenschwilWohlenschwil: Infoveranstaltung über die Zukunft des Elektrizitätswerkes (EWW) und über die Erweiterung der Schulanlage war gut besucht
An der Wintergmeind werden die Weichen für die Zukunft des Elektrizitätswerks gestellt – der Souverän wird ...
Wohlenschwil: Infoveranstaltung über die Zukunft des Elektrizitätswerkes (EWW) und über die Erweiterung der Schulanlage war gut besucht
An der Wintergmeind werden die Weichen für die Zukunft des Elektrizitätswerks gestellt – der Souverän wird zwischen den zwei Varianten wählen. Dass dieses Thema und die Schulraumerweiterung bewegt, zeigte der Besucheraufmarsch an der Infoveranstaltung.
Seit der Rückweisung des Verkaufsantrags an die Regionalwerke AG Baden an der Winter-Gmeind 2025 ist ein Jahr vergangen. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger goutierten damals nicht, dass nur der Verkauf und keine anderen Optionen zur Debatte standen. Der Gemeinderat setzte nach der Rückweisung eine neunköpfige Arbeitsgruppe ein. Diese prüfte die Situation des EWWs detailliert und erarbeitete Varianten. Zwei wurden als sinnvoll erachtet: Das EWW behalten und eine externe Betriebsführung einsetzen oder der Verkauf des EWWs. «Die Arbeitsgruppe kam zum Schluss, dass die Weiterführung des EWWs in der bisherigen Form nicht mehr möglich ist und dringender Handlungsbedarf besteht», sagte Gemeinderat Claude Michel am Dienstagabend an der Infoveranstaltung. Beide Varianten, Externe Betriebsführung und der Verkauf wurden vorgestellt. «Die Arbeitsgruppe empfiehlt der Bevölkerung, sich für eine der beiden Varianten an der Gemeindeversammlung zu entscheiden.»
Betriebsführung versus Verkauf
Bei der Einsetzung einer Geschäftsführung bliebe die lokale Verankerung erhalten und der Einfluss der Gemeinde auf Betrieb und Angebote weiterhin möglich. Claude Michel sagt: «Auch wenn das EWW zurzeit uns gehört, haben wir keinen Einfluss auf den Einkauf der Strompreise. Die Unterhaltskosten und der Netzausbau müsste die Gemeinde stemmen.» Das werde bereits in naher Zukunft anstehen, da wegen der Solaranlagen bereits aktuell Trafostationen und Stromnetz ausgelastet sind. Wie sich die Strompreise entwickeln, könne wegen der Weltlage nicht vorausgesagt werden. Klar sei: EWs dürfen gemäss Bund seit längerer Zeit nur noch geringe Gewinne abwerfen. Daher sei das heute mit der Situation vor 20 Jahren nicht zu vergleichen. Ein kleines EW wie Wohlenschwil mit nur 900 Stromabonnenten sei zu klein und sei daher komplett vom Marktpreis abhängig. Die Variante Verkauf überzeuge mit einem Gesamtpaket. Es garantiere die Summe vom Verkauf, eine gute Tarifstruktur und eine Leistungsfähigkeit des Stromnetzes. Der zukünftige Investitionsbedarf müsse zudem nicht mehr von der Gemeinde getragen werden.
Viel Diskussionsstoff vorhanden
Sowohl die Variante externe Geschäftsführung und Verkauf wurden öffentlich ausgeschrieben. Obenaus schwang bei beiden Varianten die AEW Energie AG. Die externe Geschäftsführung würde die Gemeinde 182 756 Franken kosten. Der Verkauf würde vier Millionen Franken einbringen. Nach der Präsentation folgten Fragen und eine Diskussion, wie hoch allfällige Investitionen seien und ob der Strompreis nicht teurer würde. Claude Michel sagt, dass die Unterschiede bei den Stromtarifen gering seien, die Investitionen hingegen mit Bau von neuen Trafostationen und Verstärkung von Leitungen sehr hoch, genaue Zahlen lägen nicht vor. Andere Voten waren, dass mit dem Verkauf des EWWs das Schulprojekt mitfinanziert werden und so vielleicht eine Steuererhöhung 2027 umgangen werden könne. «Der Gemeinderat kann mit beiden Varianten leben. Schlussendlich wird der Souverän entscheiden», so Michel. «Tatsache ist, das EWW ist unter Druck und es besteht Handlungsbedarf.»
Schule braucht mehr Platz
Vor einem Jahr wurde an der Winter-Gmeind ein Nachtragskredit für die Planung der Schulraumerweiterung angenommen. «Ein Jahr später kann ich ein Projekt präsentieren, das für den Gemeinderat und die Bevölkerung passt und der Schule gerecht wird», sagte Gemeinderat Patrick Räber im zweiten Teil der Infoveranstaltung. «Es hat viele Sitzungen gebraucht, deshalb sind wir ein halbes Jahr in Verzug. Dafür konnten wir erfreulicherweise die Kosten um eine halbe Million Franken senken.» Bauexperte Daniel Zehnder führte den Anwesenden im Anschluss die Hintergründe zum Projekt aus. Das Planerteam Emanuel Moser und Raphael Zulauf stellten das Projekt vor und der Leiter Finanzen, Dieter Stäger, zeigte auf, dass das Projekt für die Gemeinde bezahlbar ist.
An der Winter-Gmeind im November kann der Souverän über den Baukredit von 9,2 Millionen Franken für die Schulraumerweiterung befinden. Geht alles glatt, wird die Baueingabe und danach die Bauausschreibung, folgen. Der Bezug wäre nach den Sommerferien 2029 vorgesehen.
Projekt gefällt vielen
Daniel Zehnder sagte, dass im Moment rückgängige Schülerzahlen prognostiziert werden. Tatsache sei, dass Wohlenschwil das vom Kanton geforderte Raumangebot bereits heute nicht bieten könne. Es gebe keinen Platz für Förderzimmer, Gruppenräume und die Schulleitung. Sonderklassen würden zudem in Mellingen unterrichtet. «Die Situation wird geduldet, weil der Kanton weiss, dass die Schulraumerweiterung in Planung ist», sagt Zehnder.
Der geplante Neubau Schulhaus grün dockt an das bestehende Schulhaus rot an. Dieses wird dadurch behindertengerecht. Im neuen Schulhaus entstehen im Erd- und Obergeschoss jeweils drei Schulzimmer, die Gruppenräume liegen dazwischen. Im Sockelgeschoss befinden sich ein grosser Mehrzweckraum und Musikräume. Der Mehrzweckraum kann auch durch Vereine genutzt werden. Im Untergeschoss sind Schutz- und Technikräume untergebracht. Im Anschluss an die Erstellung des Neubaus wird das Schulhaus rot geringfügig angepasst – die Gebäudesubstanz ist gut. Es werden unter anderem sanitäre Anlagen erneuert. Im Dachgeschoss entstehen zwei Fachzimmer, welche klimatisiert werden. Die bestehenden Schulzimmer entsprechen den Anforderungen.
Tagesstrukturen ziehen in Halle blau
Das Schulhaus gelb wird nicht angepasst. Im Erdgeschoss bleiben die beiden Kindergärten. «Wohlenschwil wird in naher Zukunft einen dritten Kindergarten benötigen. Im ersten Obergeschoss könnte dieser leicht untergebracht werden. Vereine wie Turnvereine und Musikverein werden künftig die nicht genutzten Räumlichkeiten im Schulhaus gelb anstelle der Räume im Untergeschoss der Halle blau nutzen. Die Tagesstrukturen werden in die freigewordenen Räumlichkeiten einziehen. «Wir können so auf den kostspieligen Einbau eines Lifts im Schulhaus gelb verzichten. Ein Votum nach den Ausführungen war, man erhalte viel für den investierten Betrag. Die Frage sei aber, ob die Gemeinde sich 9,2 Millionen leisten könne. «Ja», sagte der Leiter Finanzen, Dieter Stäger. Die Gemeinde verfüge über ein schönes Polster von 13 Millionen von früheren Ertragsüberschüssen. Das sind Steuern, die in früheren Jahren bezahlt wurden. «Wir dürfen das verrechnen. Ich bin überzeugt, dass Wohlenschwil sich die Schulraumerweiterung leisten kann.»
Debora Gattlen


