Einmaliges Werk ist bald zu besichtigen
08.04.2026Oberrohrdorf: Hubert Spörri hat das historische Abt-Zimmer vom Sennenberghof massstabgetreu rekonstruiert
3000 Stunden hat er in sein Werk gesteckt: Der ehemalige Wettinger Lehrer Hubert Spörri, der in Oberrohrdorf lebt, lässt am 26. April ein verlorenes historisches Juwel ...
Oberrohrdorf: Hubert Spörri hat das historische Abt-Zimmer vom Sennenberghof massstabgetreu rekonstruiert
3000 Stunden hat er in sein Werk gesteckt: Der ehemalige Wettinger Lehrer Hubert Spörri, der in Oberrohrdorf lebt, lässt am 26. April ein verlorenes historisches Juwel in der Lindehofscheune wieder auferstehen.
Hubert Spörri hat sich in den letzten Jahren die Aufgabe gestellt, das Abt- oder Sennenbergzimmer nach den wenigen vorhandenen Fotografien massstabsgetreu zu rekonstruieren (der «Reussbote» berichtete am 25. Juli 2025). Der Hintergrund: Das Bauerngut auf dem Sennenberg am Heitersberg gehörte ab 1234 zum Kloster Wettingen. Ihm angegliedert war ein Erholungsheim für Mönche. Im Dach des herrschaftlichen Gebäudes befand sich einst ein prächtig bemaltes, getäfertes Zimmer aus dem 18. Jahrhundert für den Abt. Es geriet nach der Aufhebung des Klosters in Vergessenheit. Vor rund 100 Jahren wurde das Gebäude vollständig umgebaut und man wollte das Abt-Zimmer entsorgen. Zwei beherzte Lehrer retteten einige der bemalten Tafelbilder vor der Vernichtung. Sie sind heute im Museum Baden im Landvogteischloss eingelagert, aber nicht öffentlich zugänglich. Hubert Spörri durfte sie bisher nie betrachten.
Er studierte wochenlang jedes Detail
Der 83-jährige Hubert Spörri hat sein Werk der Rekonstruktion nun vollendet. «Ich habe rund 3000 Arbeitsstunden investiert», erzählt er. Spörri ist ein profunder Kenner der Geschichte des Klosters Wettingen und interessiert sich stark für Kirchengeschichte und -musik (er dirigierte früher den Kirchenchor Killwangen und ist auch Komponist). Tage und Monate vertiefte er sich in jedes Detail der Malereien auf den alten Fotos. So fand er beispielsweise heraus, dass der Abt Alberich Beusch das Pilgerwesen des Jakobswegs («Camino») wieder populär machte und förderte. «Eine Route des Jakobswegs führte am Kloster Wettingen vorbei und die Pilger konnten dort übernachten», weiss er. In seiner Rekonstruktion malte Spörri deshalb Abbildungen der Jakobsmuschel nach und das grosse Weihrauchfass in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Auch ein zur heutigen Zeit passendes Gebet hat der Künstler in wochenlanger Arbeit auf den alten Fotos entziffert. Spörri arbeitet für Gotteslohn, aus Freude am Thema. «Ich habe bisher von keiner öffentlichen Institution etwas erhalten», sagt er. Beim Lotteriefonds hat er ein Gesuch eingereicht. Dafür haben ihn verschiedene private Spender unterstützt. Beispielsweise der ehemalige Oberrohrdorfer Gemeindeammann Toni Merki. «Nach einem Artikel in der ‹Bergpost› schrieb er mir einen Brief und freute sich sehr, dass ich das Abtzimmer rekonstruiere», erzählt Spörri. Merki verbinden viele Erinnerungen mit dem Sennenberg-Hof, der auf Killwanger Gemeindegebiet liegt. Dieser habe in alten Dokumenten «als Staretschwil zugehörig» gegolten. Heute steht nun die Nachbildung des Abt-Zimmers in voller Pracht auf der anderen Talseite des Heitersbergs, in Oberrohrdorf, auch wieder in einem Bauerngehöft. Das Werk mit passenden Möbeln und Dekorationen ist in der Lindehofscheune an der Sorchenstrasse aufgestellt. Toni Merki stellte Spörri dafür den von ihm angemieteten Teil der Scheune zur Verfügung. Am Sonntag, 26. April, findet eine feierliche Vernissage dort statt. Regierungsrat Markus Dieth hat sich angekündigt und wird eine Rede halten. Die Kulturkommission Oberrohrdorf hat die Vernissage in ihr Programm aufgenommen. Der Gemeinderat und die Kulturkommission offerieren den interessierten Gästen zum Anlass mit Musikbegleitung einen Apéro. Neben Führungen werden von Spörri gestaltete Schautafeln Interessantes zur Geschichte des Klosters Wettingen und des Sennenbergs vermitteln und es gibt eine Festwirtschaft.
Schon 100 Gäste angemeldet
«Wir werden Tische und Bänke vor der Scheune aufstellen», sagt Hubert Spörri. Das Interesse ist gross: Ende vergangener Woche hatten sich bereits 100 Personen zur Vernissage angemeldet. Er hat auch eine Broschüre über das Abt-Zimmer verfasst. Sie ist für 18 Franken an der Vernissage oder direkt bei ihm erhältlich. Weitere Infos: hubertspoerri@hotmail.com und auf www.zaehnteschuer.ch. Vernissage am 26. April, 10.30 bis 16 Uhr in der Lindehofscheune an der Sorchenstrasse 13. Am Museumstag vom 17. Mai ist das Zimmer erneut besichtigbar von 10.30 bis 16 Uhr.
Marc Benedetti

