Mellingen: Pro Natura Aargau hat an Orten, welche ein Augenmerk verdienen, spezielle «Fenster» aufgestellt
Was ist eine Trockensteinmauer? Welche Funktionen erfüllen Asthaufen? Warum ist Totholz wichtig für viele Tierund Pflanzenarten? Antworten darauf findet ...
Mellingen: Pro Natura Aargau hat an Orten, welche ein Augenmerk verdienen, spezielle «Fenster» aufgestellt
Was ist eine Trockensteinmauer? Welche Funktionen erfüllen Asthaufen? Warum ist Totholz wichtig für viele Tierund Pflanzenarten? Antworten darauf findet man jetzt bei sieben «Fenstern in der Natur», die in Mellingen verteilt sind.
Beim Parkplatz neben dem Friedhof sind zwei Frauen am Arbeiten, Ursina El Sammra und Friederike Stöckmann von der Umweltbildung der Naturschutzorganisation Pro Natura Aargau. Sie haben morgens die «Fenster» – Metallrahmen, durch die man hindurchblicken kann samt Tafeln mit erklärenden Texten – in Lengnau im Bezirk Zurzach abgebaut. Anschliessend sind sie nach Mellingen gefahren und haben am Mittag angefangen, die Fenster dort aufzustellen. Die Wanderausstellung gastiert in verschiedenen Gemeinden. In Mellingen bleibt die Ausstellung bis zum 6. November und lädt zum Entdecken ein. Mit den verschiedenen Fenstern will Pro Natura der Bevölkerung zeigen, welche Natur-Lebensräume es vor der eigenen Haustüre gibt.
Beim Grundstück neben dem Friedhofparkplatz müssen die beiden Frauen mit einem Betonsockel arbeiten, um das Fenster aufzustellen. Ansonsten rammen sie einen Metallpfosten in den Boden, um das Fenster zu montieren. «Der Boden im Reusstal als Moränengebiet ist leider ziemlich hart», weiss Ursina El Sammra. Durch das beim Friedhof aufgestellte Fenster sieht man auf Steine und einen Haufen «Totholz»; das ist Holz von abgestorbenen Bäumen. «Totholz bietet zahlreichen Organismen wie Insekten, Pilzen und verschiedenen Säugetieren Lebensraum. Totholz ist also trotz dem Namen lebendig», erklärt El Sammra. «In ihm wimmelt es von Insekten und ihren Larven, die für viele Vögel und Säugetiere eine wertvolle Nahrungsquelle darstellen.»
Sieben Fenster in Mellingen
An sieben Orten haben die beiden Frauen vergangene Woche Fenster montiert. Drei befinden sich in der Überbauung nahe beim Friedhof, zwei in der Altstadt und zwei im nördlichen Stadtgebiet rechts der Reuss. Im Friedhof wird auf spezielle Blumen-Beete hingewiesen, in der Siedlung an der Jurastrasse auf eine extensiv bewirtschaftete Magerwiese. Aber auch der Kirchturm der katholischen Kirche als Lebensraum für Vögel wie Mauersegler, Dohlen oder Fledermäuse, hat ein Fenster erhalten. Ebenso verdient die Fassadenbegrünung an der Stadtmauer hinter dem Iberghof einen Blick durch den Rahmen. Auf der rechten Seite der Reuss gibt es ein Fenster am Reussuferweg bei den ökologisch wichtigen Hecken und eines im oberen Teil der Trottenstrasse. Dort wird auf ein Stück Land mit offenem Boden hingewiesen. «Die Hälfte der Wildbienenarten in der Schweiz nistet im Boden», erklärt Friederike Stöckmann.
Zum Echo in anderen Gemeinden auf die Wanderausstellung meint sie: «Die meisten Leute finden sie interessant. Aber manche fragten auch schon, was der ‹Schilderwald› soll. In diesem Sinne, keine Angst, die Wanderausstellung wird am 6. November wieder abgebaut». Die Fenster laden nun die nächsten Wochen zum Entdecken auf eigene Faust ein. Sie sind für naturbegeisterte Personen und Familien geeignet, sowie als Ausflug für Schulen und Gruppen im Rahmen einer Exkursion. Sie sind zumeist gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und einem kleinen Spaziergang erreichbar. Die Elemente der Wanderausstellung leiten den Blick gezielt auf Strukturelemente, welche wichtig sind für die Vernetzung von Lebensräumen und Elementen der Biodiversität im Siedlungsraum. Der mobile Lehrpfad informiert kurz und knapp zu den Tieren, Pflanzen und Lebensräumen, die man durch das Fenster beobachten kann. Gezeigt wird auch, wie sich neben dem Gemeinwesen auch Private für mehr Natur und Biodiversität in der Umgebung engagieren könnten. – Dies im Sinne ähnlicher Bemühungen in Mellingen wie dem «Massnahmenplan Natur» von 2025 oder dem Programm «Natur findet Stadt». Auf der Website pronatura-ag.ch (siehe «Unsere Angebote», «Ausstellung und Lehrpfad») findet sich eine Übersichtskarte zum neuen Fensterparcours in Mellingen.
Marc Benedetti