Erste Verbote, um Wasser zu sparen
17.07.2026 Mägenwil, WohlenschwilTrinkwasser: Mägenwil und Wohlenschwil schränken als erste Gemeinden in der Region den Wasserbezug stark ein
Noch gibt es überall genug Trinkwasser, aber die Reserven gehen zur Neige. Deshalb rufen alle Gemeinden dazu auf, Trinkwasser zu sparen. Die Gemeinden ...
Trinkwasser: Mägenwil und Wohlenschwil schränken als erste Gemeinden in der Region den Wasserbezug stark ein
Noch gibt es überall genug Trinkwasser, aber die Reserven gehen zur Neige. Deshalb rufen alle Gemeinden dazu auf, Trinkwasser zu sparen. Die Gemeinden Mägenwil und Wohlenschwil gehen sogar noch einen Schritt weiter.
Kein Regen oder zu wenig, verbunden mit grosser Hitze – aus diesem Grund rufen fast alle Gemeinden im «Reussbote»-Gebiet zum sparsamen Gebrauch von Trinkwasser auf. Oberrohrdorf und Remetschwil haben die öffentlichen Brunnen ausser Betrieb genommen. Gleichzeitig betonen aber beide Gemeinden, dass die Trinkwasserversorgung nicht gefährdet sei. Dennoch halten sie fest: «Mit dieser Massnahme möchte die Gemeinde ein bewusstes Zeichen setzen und ihre Vorbildfunktion wahrnehmen.» Denn auch für die kommenden Tage und Wochen sei mit Temperaturen um 30 Grad zu rechnen.
Mägenwil spricht Verbote aus
Mägenwil war die erste Gemeinde in der Region, die ein Verbot aussprach. Vor einer Woche, am 10. Juli, schränkte sie den Wasserbezug stark ein. Seither ist es verboten, Rasen und Gärten zu bewässern, private Bewässerungssysteme müssen abgeschaltet werden. Auch die Gemeinde bewässert Rasenflächen und Sportplatz nicht mehr. Das Wasser in öffentlichen Brunnen, die an die Wasserversorgung angeschlossen sind, wurde abgestellt – Wasser fliesst einzig aus Brunnen, die direkt durch Quellen gespeist sind. Es ist verboten, Schwimmbecken zu füllen und nachzufüllen. Fahrzeuge dürfen nicht mehr gewaschen, Plätze nicht mehr abgespritzt werden. Auch Zierbrunnen, Wasserspiele und ähnliche Anlagen bleiben ohne Wasser. Alle müssen ihren Wasserverbrauch stark reduzieren.
Keine Besserung in Sicht
Gemeindeammann Peter Wiederkehr sagt, es gebe aktuell genügend Trinkwasser, allerdings bei negativer Tendenz. Es sei erst Mitte Juli, aber überall sehr trocken und keine Besserung in Sicht. «Wir wollen nicht warten, bis wir zu wenig Wasser haben», erklärt er die Verbote. Sie hätten keine Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Vermutlich weil viele in den Ferien seien. Auswirkungen auf den Pegelstand seien zurzeit noch kaum messbar. Dafür sei es zu früh. Mägenwil werde mit Wasser aus Othmarsingen und aus Birr versorgt, beide Gemeinden hätten die Wasserabgaben bereits limitiert. Zudem seien die eigenen Quellerträge aufgrund der langen, niederschlagsarmen Periode massiv zurückgegangen.
In Mägenwil muss, wer sich nicht an diese Vorschriften hält, mit Bussen bis zu 2000 Franken rechnen.
Gemüse kommt vor dem Rasen
In Mägenwil – und auch in Wohlenschwil, das seit Dienstag die selben Verbote kennt – benötigen Landwirtschaftsbetriebe für den Gemüseanbau viel Wasser. «Die Lebensmittelproduktion hat Vorrang vor dem Bewässern von Rasen», meint Wiederkehr. Die Landwirte klären bereits seit einigen Jahren via Online-Chat, wer seine Felder wann bewässert, um die Wasserversorgung nicht gleichzeitig zu belasten. Das erlaubt ausreichend hohe Pegelstände in den Reservoirs. «Das ist nötig, weil genügend Löschwasser vorrätig sein muss.» Viel Wasser benötigt in Mägenwil zudem der Schlachthof des Unternehmens Kneuss. «Das war aber schon immer so», sagt Wiederkehr. Diese Menge sei im kommunalen Wasserverbrauch einkalkuliert. Keine Regel ohne Ausnahme: Weiterhin dürfen in Mägenwil und auch in Wohlenschwil Gräber, Balkonpflanzen, kleinere Blumenbeete, Hecken, Obst und Gemüse sparsam mit der Giesskanne bewässert werden.
«Wir beobachten sehr genau»
Mägenwil und Wohlenschwil sind im «Reussbote»-Gebiet bislang die einzigen Gemeinden, die Verbote ausgesprochen haben. In zahlreichen weiteren Gemeinden wird aber zum «sparsamen Umgang mit Trinkwasser» aufgerufen. Die gängige Empfehlung lautet überall ähnlich: Swimmingpools nicht mehr füllen, keine Rasen und Gärten bewässern und auch keine Autos oder Vorplätze waschen. So handhabt es etwa Tägerig, weil in den Quellen Büschikermatt und Wyhalde die verfügbaren Reserven bereits heute auf einem Niveau seien, wie es normalerweise erst Ende Juli oder August erreicht wird.
Fislisbach beschränkt sich aktuell ebenfalls auf eine Empfehlung. Da die natürlichen Wasserspeicher diesen Frühling nach den langen Trockenperioden nur minim angestiegen sind, kauft die Gemeinde wie bereits in den Vorjahren während der Sommermonate zusätzliches Trinkwasser aus Baden ein. Gemeindeschreiber-Stellvertreter Daniel Bützberger sagt: «Wir beobachten die Grundwasserstände und Quellfassungen zurzeit sehr genau.» Anlass zur Besorgnis bestehe aber noch nicht, der Trinkwasserbedarf könne mit den vorhandenen Ressourcen abgedeckt werden.
Entspannt hat sich die Lage in Niederwil seit Inbetriebnahme der Verbundleitung zur Wasserversorgung Wohlen im Herbst 2024. Ein bewusster Umgang mit dem Trinkwasser bleibt aber auch ohne Versorgungsengpass angezeigt, teilt die Gemeinde mit. Im Jahr 2023 mussten die Gemeinden Niederwil und Fischbach-Göslikon bereits im Frühling den Notstand ausrufen und massive Wassersparmassnahmen durchsetzen. Damals lag der Grundwasserspiegel beim Grundwasserwerk Karrenwald alarmierend tief.
Heidi Hess

