... der dritte Fasnachtstag! – Aber vergeblich suchte ich im Laden die Fasnachtsküchlein. Also fragte ich den Angestellten. «Fasnachtschüechli? Nein wir haben keine mehr!» / «Tja», sage ich, «… dafür stehen dort schon Osterhasen im Gestell, ...
... der dritte Fasnachtstag! – Aber vergeblich suchte ich im Laden die Fasnachtsküchlein. Also fragte ich den Angestellten. «Fasnachtschüechli? Nein wir haben keine mehr!» / «Tja», sage ich, «… dafür stehen dort schon Osterhasen im Gestell, ziemlich früh eigentlich!» Er zuckt nur mit den Schultern. Ich frage noch, auf wann für morgen Nachschub erwartet werde? «Tut mir leid, es werden keine mehr geliefert.» – Also sowas! Mitten in der Fasnachtszeit!
Da zeigt er plötzlich auf das Hasengestell: «Sie haben Glück, Madame!» – Soso, wie denn? «Dort unten am Boden liegt noch eine Packung.» Aha, hat die jemand einfach mit dem Fuss …? Ich ziehe sie hervor. Sechs Fasnachtsküchlein, wird versichert. Durch das Cellophan sieht man, das oberste Stück ist arg zertrümmert, also werde ich feilschen! Am Infostand bekomme ich 50 Prozent. Das ist okay. Daheim lege ich vorsichtig die obersten Fragmente auf einen Teller. Aber was kommt darunter hervor? Nur noch Krümel. Vergiss fröhliches Hineinbeissen: Mit dem Suppenlöffel muss man das auslöffeln! Zurückbringen geht nicht; die würden bloss sagen, ich sei vermutlich nach dem Ausladen nochmals rückwärtsgefahren! Das Gebrösel ist zwar süss, aber sauer bin ich trotzdem, weil der Grossverteiler keinen Nachschub liefert!
Bis mir plötzlich klar wird: Osterhasen, schon mitten in der Fasnachtszeit, lässt vermuten, dass mit Blick auf die Konkurrenz die Maschinen in der Herstellung bereits umgestellt wurden auf Samichlaus-Lebkuchen! Welch’ schwere Fehlkalkulation: Jetzt sind die seit dem 26. Dezember allgegenwärtigen Fasnachtsküchlein genau zur hohen Festzeit ausgegangen! In meinem Zorn beschliesse ich, nochmals in den Laden zu gehen, durch jene Abteilung zu streifen, und diskret einen der grossen Osterhasen vom Gestell zu stossen! Am Boden würde ich ihm mit dem Fuss noch den Rest geben! Nicht am Kopf, das wäre makaber. Aber unten herum. So, dass man auch ihn nur noch löffeln könnte! – Warum ich es dann doch nicht getan habe? Aus Respekt vor dem Konditor, der ihn ins Leben gerufen hat, von der Befreiung aus der Form bis ab aufs Förderband: Tschüss, mein Lieber, alles Gute und mach den Kindern Freude! – Aber ich stelle es mir vor! Ich höre sogar genüsslich, wie es kracht und splittert unter meinem Schuh, sehe, wie das Personal herbeieilt, um zu wischen. «Oh je», sage ich gefühlvoll.
– Und dann frage ich noch höflich, wo die Lebkuchen sind …