Birrhard: Landwirte aus der Region nahmen am Ressourcenprojekt zur Pflanzenschutzoptimierung mit «Precision Farming» (PFLOPF) teil
Von 2019 bis 2026 nahmen 58 landwirtschaftliche Betriebe an einem Projekt teil, das die Möglichkeiten zur Reduzierung von ...
Birrhard: Landwirte aus der Region nahmen am Ressourcenprojekt zur Pflanzenschutzoptimierung mit «Precision Farming» (PFLOPF) teil
Von 2019 bis 2026 nahmen 58 landwirtschaftliche Betriebe an einem Projekt teil, das die Möglichkeiten zur Reduzierung von Pflanzenschutzmittel mit Hilfe von neuen Technologien erforschen sollte. Das Ziel: eine Einsparung von bis zu 25 Prozent durch gezielten Einsatz.
enn es um Pflanzenschutzmittel geht, gehen bei manchem sofort die Alarmglocken los. Um den kompletten Verzicht von Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft ging es beim Projekt mit der etwas unglücklichen Abkürzung «PFLOPF», an dem sich die Kantone Zürich, Thurgau und Aargau beteiligten, jedoch nicht. Das wurde bei der Medienpräsentation auf dem Gelände des Lohnunternehmens Haller GmbH in Birrhard deutlich: «Die entscheidende Frage lautet nicht, Pflanzenschutz ja oder nein, sondern: Wie setzen wir Pflanzenschutzmittel so ein, dass sie wirksam, aber möglichst schonend sind», erklärte Matthias Müller, Abteilungsleiter Landwirtschaft beim Kanton Aargau. Die gute Nachricht: Nach acht Jahren Laufzeit verkündeten die Projektverantwortlichen unter Führung von «Agrofutura», dass das 4,1 Millionen Franken teure Projekt, an dem sich der Bund mit 80 Prozent finanziell beteiligte, sein Ziel erreicht hat: Über alle Betriebe konnten 25 Prozent Pflanzenschutzmittel eingespart werden.
Gemischte Resultate
Wie sich bei der Präsentation zeigte, muss das positive Ergebnis jedoch differenziert betrachtet werden. Denn die getesteten, hochtechnisierten Massnahmen – angefangen bei digitalen Prognosemodellen für den richtigen Spritzzeitpunkt, über GPS-gesteuerte Pflanzenschutzgeräte oder Hack-Roboter bis hin zu Spritz-Drohnen – brachten unterschiedlich starken Nutzen für die Betriebe. Diese mussten im Rahmen des Projekts mindestens zwei der sieben vorgeschlagenen Technologien einsetzen und wurden dabei von Experten begleitet. Beim Anbau von Ackerkulturen lag das Einsparpotenzial insgesamt bei unter fünf Prozent. Beim intensiven Weizenanbau konnte aber beispielsweise der Einsatz von Fungiziden um 25 Prozent reduziert werden. Beim Zuckerrübenanbau sparte man 25 Prozent Unkrautvernichtungsmittel. Obstanbaubetriebe konnten die Menge an Herbiziden um immerhin 50 Prozent reduzieren, während der Einsatz von Pflanzenschutzmittel beim Rebbau auf dem gleichen Niveau blieb. Das grösste Potenzial zeigte sich beim Gemüseanbau. Hier müssen durch die technische Unterstützung und gezielteres Spritzen 25 Prozent weniger Fungizide und Insektenschutzmittel sowie bis zu 80 Prozent weniger Unkrautvernichtungsmittel ausgebracht werden.
Lohnend nur bei grossen Betrieben
«Die 25 Prozent gelten nur für eine Anwendung», schränkte Thomas Käser, Betriebsleiter der Gemüse Käser AG aus Birmenstorf ein. Beim zweiten und dritten Spritzvorgang müsse dennoch breitflächiger gespritzt werden.
Käser, der auf 120 Hektar Anbaufläche rund 30 verschiedene Gemüsesorten anbaut, führte am Beispiel eines Salatfeldes einen Traktor mit kombinierter Technik vor. Im Anhänger ist ein sensorgesteuerter Hack-Roboter verbaut, der das Unkraut zwischen Salatköpfen automatisch heraushackt. Parallel werden diese über ein weiteres Gerät punktgenau mit Pflanzenschutzmittel besprüht. «Spot-Spraying» nennt man das. Grundlage sind satellitenbasierte Lenksysteme für den Traktor. Dieser fährt innerhalb vorher eingegebener Koordinaten des Feldes und ohne Zutun des Fahrers seine Bahnen bis auf 2,5 Zentimeter genau ab. Eine Technik, auf die sowohl Thomas Käser als auch Thomas Haller, Geschäftsführer des Lohnunternehmens Haller GmbH aus Birrhard, seit Jahren setzen. Haller zeigte beim Anlass ein weiteres landwirtschaftliches Gerät mit fortschrittlicher Technik: Eine Spritzmaschine mit automatischer Teilbreitenschaltung, sogenannter Section Control, in Kombination mit einer Einzeldüsenschaltung. Das System erkennt über Satellitendaten die Position des Spritzgestänges. Sobald eine einzelne Düse über eine bereits behandelte Fläche oder eine Feldgrenze fährt, wird sie automatisch abgeschaltet. «Man spart circa zehn Prozent Pflanzenschutzmittel», rechnet Haller vor, dessen Unternehmen selbst rund 40 Hektar Ackerland bewirtschaftet. Er spare so Zeit und Kosten und der Chauffeur sei entlastet, so Haller.
Spezialisten gefragt
Die schöne neue Technikwelt stellte die Betriebe aber auch vor Herausforderungen, wie die beiden Landwirte berichten. Zum einen ist die Technik noch sehr teuer, zum anderen braucht es geschultes Personal zur Bedienung. Hinzu komme das aufwendige Datenmanagement. Wirklich lohnen würde sich die Technologie hauptsächlich bei grossen Anbauflächen und wenn man nur eine Gemüsesorte anbaue, glaubt Thomas Käser. Denn sobald er auf ein anderes Pflanzenschutzmittel wechselt, muss die Anlage gründlich gereinigt werden. Der Preisdruck und die Kundenansprüche sind zudem hoch. «Eine Laus ist schon zuviel», berichtete Käser. Dann würde der Grossverteiler bereits die ganze Charge zurückgehen lassen. Vielleicht müssen wir Verbraucher uns also auch an die eigene Nase fassen. Auch das könnte helfen.
Michael Lux