Kaum sind die Weihnachtsdekorationen und Lichterkränze verstaut, finden wir uns bereits wieder mitten in der fünften Jahreszeit – der Fasnacht. Dieses bunte, laute Treiben hat seinen Ursprung in alten Bräuchen und Traditionen und diente der Winteraustreibung sowie der ...
Kaum sind die Weihnachtsdekorationen und Lichterkränze verstaut, finden wir uns bereits wieder mitten in der fünften Jahreszeit – der Fasnacht. Dieses bunte, laute Treiben hat seinen Ursprung in alten Bräuchen und Traditionen und diente der Winteraustreibung sowie der Vertreibung der dazugehörigen Geister und Dämonen, welche sich über die Natur gelegt haben sollen. Anders konnten sich die Menschen damals nicht erklären, weshalb sich Bäume und Blumen in der Winterzeit so stark veränderten.
Die katholische Kirche übernahm diesen heidnischen Winterbrauch und kreierte die Fas(t)nacht, also die Nacht vor der Fastenzeit. Die Menschen durften feiern bis zum fetten Dienstag oder Mardi Gras um Mitternacht. Danach, am Aschermittwoch, begann die 40-tägige Fastenzeit bis Ostern. Dadurch, dass die reformierte Kirche diese närrische Zeit verbot, widerspiegelt sich dies bis heute in der Art, wie Fasnacht gefeiert wird – die katholischen Orte und Kantone haben klar die Nase vorn.
Nun, es gibt viele Auslegungen, wie die Fasnacht begann. Fakt ist jedoch, dass diese Zeit wahrlich eine laute und zuweilen sehr lustige Angelegenheit ist. Neulich, bei einem Treffen unter Nachbarn, kamen wir auf dieses Thema zu sprechen, und es zeigte sich, dass fast alle am Tisch eine fasnächtliche Vergangenheit haben – sei es als Mitwirkende in einer Guggenmusik mit Umzügen oder an Maskenbällen. Dabei wurden bei mir Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend wach.
Schon früh wurde bei uns zu Hause die Fasnacht gelebt. Meine Mutter war eine begeisterte Fasnächtlerin und nahm regelmässig mit Vollmaske an Maskenbällen teil. Einmal war sie mit einer Kollegin als Metzger unterwegs – Trockenfleisch zur Weitergabe durfte dabei nicht fehlen. Meine eigenen Teilnahmen an Maskenbällen waren später weniger von Vollmasken geprägt. Zwischendurch war ich sogar als Aargauerin verkleidet – übliche Strassenkleidung, die vor allem in Luzern belächelt wird. Die damalige ausgelassene Stimmung schwingt noch heute mit, und besonders bei später (oder früher) Stunde sorgte die Demaskierung immer wieder für Überraschungen, wer sich hinter welchem Wesen verborgen hatte.
Nun frage ich mich, weshalb diese Zeit keinen Platz mehr in meinem Leben hat. Bin ich langweilig geworden? Ich denke, ich sollte mich wieder einmal in diese Jahreszeit hineingeben – auch wenn ich erneut als Aargauerin gehe.