Fassaden und Autos heizen stark auf
10.03.2026 MellingenDie Folgen des fortschreitenden Klimawandels machen sich auch in Mellingen bemerkbar
Eine aktive kommunale Klimapolitik stand im Fokus der öffentlichen Veranstaltung vor der Generalversammlung von Birdlife Mellingen.
Stadtpräsidentin Györgyi Schaeffer wies in ihrer ...
Die Folgen des fortschreitenden Klimawandels machen sich auch in Mellingen bemerkbar
Eine aktive kommunale Klimapolitik stand im Fokus der öffentlichen Veranstaltung vor der Generalversammlung von Birdlife Mellingen.
Stadtpräsidentin Györgyi Schaeffer wies in ihrer Grussbotschaft als Mellinger Umweltressort-Verantwortliche darauf hin, dass Naturschutz stets Team-Arbeit ist. Diese wird in der Gemeinde geprägt durch die Tätigkeiten der Natur- und Umweltkommission (NUK), der Verwaltung und von Privaten wie Birdlife Mellingen. Im Reuss-Städtchen seien die Verantwortlichkeiten klar definiert und ein entsprechendes Budget liege vor, basierend auf dem 2025 erstellten «Massnahmenplan Natur Mellingen». Aktuell beschäftigt sich die NUK damit, wie sich mit Bäumen – darunter auch mobilen in Kisten – das Klima in und um die Altstadt verbessert lässt.
Der Klimawandel bringt Probleme
Im Hauptreferat des Abends zeigte Isabelle Glanzmann vom Naturama Aargau auf, wie der Klimawandel die einzelne Gemeinde herausfordert. Ausgehend von den Klimaszenarien, welche die ETH Zürich und Meteo Schweiz kürzlich vorstellten, ist in der Schweiz in jedem Falle mit einem deutlich höheren durchschnittlichen Temperaturanstieg zu rechnen als im Mittel weltweit. Bereits heute heizen sich Fassaden im Sommer bis über 40 Grad, Strassenbeläge gegen 60 Grad und das Innere von draussen parkierten Autos bis 85 Grad Celsius auf.
Die Folgen von extremer Hitze, andauernder Trockenheitsphasen und dem Oberflächenabfluss von Starkniederschlägen für Mellingen zeigte die Referentin anhand Karten des Kantons auf. Gewisse Gebiete, wie die Mellinger Altstadt, das Quartier Gheid, die Schulanlage Bahnhofstrasse oder das Tanklager-Areal, erschienen dabei mehrfach dunkel eingefärbt. Glanzmann erläuterte den Begriff «Schwammstadt», der für ein klimaangepasstes Stadtplanungskonzept steht, welches Niederschlagswasser dezentral dort speichert, verdunstet oder versickern lässt, wo es anfällt.
Entsiegeln und Bäume pflanzen
Sie zeigte anhand von Fotos, wie Gemeinden Regenwasser in Mulden sammeln oder wie sie mit Bäumen und versickerungsfähigen Böden dem Oberflächenabfluss entgegenwirken können. Sie sieht insbesondere bei der Entsiegelung asphaltierter Flächen, dem Begrünen von Dächern sowie dem Pflanzen von Bäumen und der Erstellung von Rabatten ein grosses Potenzial, um die Folgen des Klimawandels lokal zu mindern. Dabei sei es aus Kostengründen wichtig, entsprechende Massnahmen nicht nachträglich, sondern integral mit sowieso geplanten Vorhaben zu realisieren.
«Bäumiges» Mellingen erwünscht
Thomas Lang, Präsident von Birdlife Mellingen, wies bezüglich des geforderten integrativen Ansatzes auf die anstehenden umfassenden Sanierungen wichtiger Mellinger Verkehrsachsen, wie die Bahnhof-, die Birrfeld-, die Lenzburg- oder die Bremgartenstrasse hin. An diesen Orten lässt sich in den nächsten Jahren wie angedacht, ein «bäumiges» Mellingen mit schattenspendenden, grossen Bäumen realisieren. Er betonte zudem, dass neben der öffentlichen Hand auch Private einen Beitrag für ein klimaangepasstes und biodiverses Mellingen zu leisten vermögen. Im Rahmen der Kampagne «Natur findet Stadt» erhalten interessierte Mellingerinnen und Mellinger eine kostenlose Startberatung von der Gemeinde offeriert, wie Gärten oder Balkone ökologisch aufgewertet werden können.
Weiher kann realisiert werden
Im Anschluss zum Referat durften die Anwesenden mit Mellinger Weisswein auf das abgeschlossene Geschäftsjahr von Birdlife Mellingen anstossen und Häppchen essen, welche Sandra Aebischer wiederum liebevoll vorbereitet hatte. Die Traktanden der eigentlichen GV wurden zügig abgearbeitet; die drei Dutzend Anwesenden genehmigten jeweils den Jahres- und den Revisorenbericht sowie das Programm 2026 ohne Gegenstimmen. Thomas Lang informierte über die Gründe der Verzögerung beim geplanten Amphibienweiher auf einem vereinseigenen Grundstück. Inzwischen wird die Erstellung dieses Gewässers vom Kanton als wertvolle Ergänzung zur Strukturvielfalt am Mellinger Buechberg angesehen, was den Verein nun nach Eintreffen der Baubewilligung ermuntert, das Vorhaben schnell umzusetzen. (tl/zVg)

