Fünf Gemeinden wollen die Scheidung
25.09.2026 NiederrohrdorfNiederrohrdorf: Mellingen, Tägerig, Bellikon, Oberrohrdorf und Stetten wollen 2029 zur Kantonspolizei wechseln
Die unruhigen Zeiten für die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal gehen weiter: Sie ist heute für zehn Vertragsgemeinden zuständig. Fünf ...
Niederrohrdorf: Mellingen, Tägerig, Bellikon, Oberrohrdorf und Stetten wollen 2029 zur Kantonspolizei wechseln
Die unruhigen Zeiten für die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal gehen weiter: Sie ist heute für zehn Vertragsgemeinden zuständig. Fünf wollen nun aus dem Vertrag mit der Repol aussteigen. Dagegen protestieren die verbleibenden Gemeinden.
Bellikon, Mellingen, Oberrohrdorf, Stetten und Tägerig haben gemeinsam verschiedene Möglichkeiten für ihre zukünftige polizeiliche Grundversorgung evaluiert. Die Gemeinde- und Stadträte dieser Gemeinden wollen ihren Stimmberechtigten einen Wechsel zur Kantonspolizei Aargau per 1. Januar 2029 beantragen, teilten sie am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit.
Die fünf Gemeinden hätten in den vergangenen Monaten die zukünftige Organisation ihrer polizeilichen Grundversorgung umfassend geprüft. «Im Rahmen des Verfahrens reichten die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal, die Stadtpolizei Baden und die Kantonspolizei Aargau entsprechende Angebote ein. Diese wurden anhand eines vorgängig definierten und für alle Anbieter einheitlichen Bewertungsverfahrens beurteilt», heisst es in der Mitteilung weiter.
«Breite Evaluation, klares Ergebnis»
Die Evaluation umfasste rund 70 einzelne Bewertungskriterien. Beurteilt wurden insbesondere Leistungsumfang, Personalstruktur, Organisation, Vertragsmodalitäten sowie weitere qualitative und quantitative Kriterien. Ziel sei nicht gewesen, den günstigsten Anbieter zu bestimmen, sondern eine fundierte Grundlage für die insgesamt überzeugendste zukünftige Lösung zu schaffen, heisst es weiter. Die drei evaluierten Polizeiorganisationen verfügten über unterschiedliche Stärken und Voraussetzungen. In der Gesamtbetrachtung gebe sich für die fünf Gemeinden ein klares Ergebnis zugunsten der Kantonspolizei Aargau.
Fünf Exekutiven beantragen Wechsel
Nach Abschluss der Evaluation haben die Gemeinde- beziehungsweise Stadträte die Ergebnisse jeweils eigenständig politisch gewürdigt. Alle fünf Exekutiven sind zum Schluss gekommen, ihren Stimmberechtigten einen Wechsel zur Kantonspolizei Aargau per 1. Januar 2029 zu beantragen.
Die Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal dürfte damit von zehn noch fünf Vertragsgemeinden betreuen. Das sind Fislisbach, Mägenwil, Remetschwil, Wohlenschwil und Niederrohrdorf (wo die Repol ihren Sitz hat). Laut Stephan Schibli, Gemeindeammann von Stetten und Auskunftsperson, stehen die Vorfälle bei der Regionalpolizei im vergangenen Jahr nicht in einem direkten Zusammenhang mit dem Ergebnis der Evaluation. «Die damaligen Ereignisse waren mit ein Auslöser dafür, dass sich alle zehn Trägergemeinden grundsätzlich mit der zukünftigen Organisation ihrer polizeilichen Grundversorgung auseinandergesetzt haben», sagt Schibli zum «Reussbote».
Im Frühling lagen rudimentäre Grundlagen zu möglichen Lösungen mit der Kantonspolizei und der Stadtpolizei Baden vor. «Fünf Gemeinden waren der Ansicht, dass die verschiedenen Varianten vertieft und anhand einheitlicher Kriterien miteinander verglichen werden sollten», sagt Stephan Schibli. Der Preis sei dabei nicht das ausschlaggebende Kriterium für den Entscheid zugunsten der Kantonspolizei gewesen. «Der Preis machte lediglich 15 Prozent der Gesamtbewertung aus. Dass das Angebot der Kantonspolizei auch finanziell interessant ist, ist ein zusätzlicher Aspekt – entscheidend war jedoch die Gesamtbeurteilung», sagt der Stetter Gemeindeammann. Laut Schibli wurden im Rahmen der Evaluation die rund 70 Kriterien in verschiedenen Hauptgruppen geprüft. Eine hohe Gewichtung hatten dabei unter anderem die Personalstruktur und die organisatorischen Voraussetzungen. Bewertet wurde beispielsweise die Entwicklung des Personalbestands über die vergangenen drei Jahre. Auch die Stabilität der Führungsstrukturen floss in die Beurteilung ein. «Es liegt in der Natur der Sache, dass es für eine kleinere Organisation systembedingt eine grössere Herausforderung darstellt, personelle Ausfälle, Vakanzen oder Führungswechsel aufzufangen als für eine grosse Organisation. Genau solche Aspekte der organisatorischen Stabilität und Leistungsfähigkeit wollten wir mit der Evaluation ebenfalls beurteilen», sagt Stephan Schibli.
Andere Gemeinden üben Kritik
Die Gemeinden, welche bei der Regionalpolizei bleiben wollen, haben am Mittwoch ebenfalls eine Pressemitteilung verschickt. Es sind Fislisbach, Mägenwil, Niederrohrdorf, Remetschwil und Wohlenschwil. Sie seien informiert worden, dass die fünf Gemeinden Bellikon, Oberrohrdorf, Mellingen, Stetten und Tägerig ihren Stimmberechtigten einen Wechsel zur Kapo empfehlen würden. Sie respektierten dieses Engagement ausdrücklich. Ihre eigene Position bringen sie wie folgt auf den Punkt: «Die wiedererstarkte Repol Rohrdorferberg-Reusstal ist die beste Lösung zur Gewährung der lokalen Sicherheit.» Das duale System der Regionalpolizeien und der Kantonspolizei im Kanton sei überdies politisch gewollt.
Materiell könnten sich die Gemeinderäte der Evaluation der austrittswilligen Gemeinden nicht anschliessen. «Erstens war die Evaluation verfrüht», heisst es in der Mitteilung. Auslöser seien personelle Unruhen im Repol-Korps 2025 gewesen. Die neue Führung habe sich seither bewährt. (mbe)
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