«Ganz handfeste monetäre Nachteile»
25.09.2026 NiederrohrdorfFortsetzung von der Titelseite «Gemeinden beantragen die Scheidung» Roger Lenherr führt das Korps als Kommandant ad interim bis Ende 2026. «Es ist der Repol trotz ausgetrocknetem Personalmarkt gelungen, die durch die Unruhen entstandenen Vakanzen zu füllen.» Schon im ...
Fortsetzung von der Titelseite «Gemeinden beantragen die Scheidung» Roger Lenherr führt das Korps als Kommandant ad interim bis Ende 2026. «Es ist der Repol trotz ausgetrocknetem Personalmarkt gelungen, die durch die Unruhen entstandenen Vakanzen zu füllen.» Schon im Juni sei klar gewesen, dass das Korps per Ende 2026 beinahe Vollbestand erreichen würde (96.7 Prozent des bewilligten Stellenplafonds von 1840 Stellenprozenten).
«Dass die Evaluationsgemeinden diesen Umstand nicht berücksichtigten, ist ein Indiz dafür, dass sie nicht bereit sind, der Repol unter der neuen Führung eine Chance zu geben», schreiben die Gemeinderäte. Zweitens sei die Evaluation «lückenhaft». Die Evaluation sehe auch über die gelungene Qualitätssteigerung der Regionalpolizei hinweg. Dass die Organisation heute reibungslos funktioniere, werde in der Evaluation überhaupt nicht in die Waagschale geworfen. Dabei bestätigen dies selbst die Vertreter der Evaluationsgemeinden.
Die Präsenz vor Ort fiele weg
«Drittens macht die Evaluation keine ‘Vollkostenrechnung’», heisst es in der Mitteilung. Sie habe zwar zu Offerten mit einem tieferen Pro-Kopf-Beitrag als in der heutigen Organisation geführt. – Laut den dem «Reussbote» vorliegenden Informationen beträgt dieser Beitrag bei der Regionalpolizei Rohrdorferberg-Reusstal rund 50 Franken pro Einwohner(in), bei der Stadtpolizei Baden rund 35 Franken und bei der Kantonspolizei 24 bis 40 Franken.
Den aktuellen Kosten stünden allerdings Leistungen gegenüber, «die nicht alle in Franken gemessen werden könnten.» Die Repol erbringe ein «sehr umfassendes und unter den gesetzlichen Rahmenbedingungen optimales Dienstleistungsangebot». Die örtliche Präsenz, die schnelle Verfügbarkeit, die Ortskenntnisse und die individuellen Absprachemöglichkeiten für die Gemeindebehörden sind Vorteile, die mit einer Auslagerung an eine andere Polizeiorganisation aufgegeben würden, heisst es weiter. Es gebe aber auch «ganz handfeste monetäre Nachteile» für die austretenden Gemeinden. Sprich: Sie legten finanziell drauf. Diese hätten gemäss dem geltenden Polizeivertrag keinen Anspruch auf Rückvergütung der getätigten Investitionen. Laut Auskunft von Gisela Greder, Vorsteherin der Repol-Kommmission und Frau Gemeindeammann von Niederrohrdorf, geht es bei den Investitionen um angeschaffte Polizeiautos, Radargeräte, Semistationäre Anlage, Computer usw. Nicht gemeint ist der erfolgte Umbau des Polizeipostens. Zu diesem sagt sie: «Er hat 880 000 Franken gekostet. Das trägt Niederrohrdorf. Die anderen Gemeinden finanzieren das durch die Pro-Kopf-Kosten ihrer Einwohner.» Der Mietvertrag der Repol mit der Standortgemeinde Niederrohrdorf könne frühestens per August 2035 erstmals gekündigt werden und die austrittswilligen Gemeinden blieben bis dahin gebunden, heisst es in der Stellungnahme weiter. Wenn der Mietvertrag nach Ablauf der zehnjährigen Mindestmietdauer nicht verlängert werde, so hätten sich alle aktuellen Repol-Gemeinden an den vertraglich vereinbarten Rückbaukosten zu beteiligen – unabhängig von einem vorherigen Austritt. Zum Schluss schreiben die Gemeinderäte der Gemeinden, welche bei der Repol bleiben wollen, dass sie sich schriftlich an den Regierungsrat gewandt hätten.
Polizisten mit Vorstrafen im Korps
Aktuell herrscht wieder Ruhe bei der Regionalpolizei Reusstal-Rohrdorferberg. Zuvor verliessen Mitarbeitende das Korps. Ein Grund: Der frühere, langjährige Repol-Kommandant erhielt wegen einer diskrimierenden Mail einen Strafbefehl und kassierte eine bedingte Strafe; er hatte sich über einen Beschuldigten mit dem N-Wort geäussert, brachte die «Aargauer Zeitung» 2025 ans Licht. Die Gemeinde Niederrohrdorf verwarnte ihn; später liess er sich frühzeitig pensionieren. Ein weiterer Repol-Angehöriger war vorbestraft, weil er Fahrzeugdaten an Dritte weitergegeben hatte. Er arbeitet inzwischen nicht mehr beim Korps.
Marc Benedetti

