Glätten sich die Wogen rund um das Jugendfest?
03.07.2026 NiederrohrdorfNiederrohrdorf: Viele Eltern wollten wissen, ob das Dorffest auch ein Jugendfest sein wird. Das «Nein» der Schulen sorgte für Enttäuschung
Das Dorffest 2027 wird kein Jugendfest sein. Daran gibt es weiterhin nichts zu rütteln. Nun sichern die Schulen aber ...
Niederrohrdorf: Viele Eltern wollten wissen, ob das Dorffest auch ein Jugendfest sein wird. Das «Nein» der Schulen sorgte für Enttäuschung
Das Dorffest 2027 wird kein Jugendfest sein. Daran gibt es weiterhin nichts zu rütteln. Nun sichern die Schulen aber aktive Beteiligung am Dorffest zu – mit Schülerinnen und Schülern. In welcher Form eine Teilnahme möglich ist, muss mit dem OK diskutiert werden.
Anfang Juni erfuhr die Niederrohrdorfer Bevölkerung, dass das «Niederrohrdorfäscht» Ende Juni 2027 nicht mit einem Jugendfest gekoppelt wird. So stand es in einer Mitteilung, die auf der Gemeinde-Website veröffentlicht wurde. Kein Jugendfest am Dorffest? – Bei vielen Familien war die Enttäuschung gross. Von verschiedenen Seiten wurden Gemeinderat, Schulen und auch das Organisationskomitee gefragt, warum das geplante «Niederrohrdorfäscht» nicht mit einem Jugendfest kombiniert werde. In der Bevölkerung wurde teilweise sehr emotional diskutiert. Das ging so weit, dass einige androhten, die Kredite für die notwendigen Schulerweiterungen der Primarschule und der Kreisschule in Niederrohrdorf, die an Gemeindeversammlungen genehmigt werden sollten, zu boykottieren. Daraufhin verfasste die Gemeinde die eingangs erwähnte Mitteilung, unterzeichnet vom Gemeinderat, den Schulleitungen der Primarschule und der Kreisschule Rohrdorferberg sowie auch vom Organisationskomitee des «Niederrohrdorfäscht 2027».
Das Schlimmste abwenden
Der Gemeinderat betonte darin, «die Durchführung eines Jugendfestes steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Kreditbegehren für den Neubau des Primarschulhauses.» Dieser Neubau wie auch die Erweiterung des Oberstufenzentrums, diene der Sicherstellung des notwendigen Schulraums. – Das nahmen die Niederrohrdorfer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Gemeindeversammlung vom 16. Juni ernst. Sie liessen Vernunft walten und genehmigten mit klarer Mehrheit den Projektkredit über 15 Millionen Franken für die Erweiterung des Oberstufenzentrums Kreisschule Rohrdorferberg. Über den Kredit für das Primarschul-Projekt soll am 15. September an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung entschieden werden. Die besagte Mitteilung informierte auch darüber, dass die Organisation des Dorffestes 2027 durch den Verein «Niederrohrdorfäscht» auf privater Initiative basiere. Das soll so bleiben: «Das OK konzentriert sich weiterhin voll und ganz auf die Planung und Durchführung des Niederrohrdorfäscht 2027». Dieses Fest wird von der Gemeinde finanziell, durch personelle Ressourcen und gemeindeeigenes Material unterstützt. Die Organisation eines Jugendfestes fällt hingegen in die Zuständigkeit der Schule. Die Schule hielt in der Mitteilung ihrerseits fest, dass sie «aufgrund der komplexen Voraussetzungen» eine längere Vorlaufzeit für die Planung eines Jugendfestes benötige.
Das letzte Fest ist lange her
Es mag in den vergangenen Jahren manch bewegende, schulinterne Veranstaltung für die Niederrohrdorfer Kinder und Jugendlichen gegeben haben – stets verbunden mit einem Zusatzaufwand für das Schulpersonal. Das letzte Jugendfest fand allerdings 2008 statt, vor 18 Jahren. Das ist lange her. Noch länger – 19 Jahre – ist es her, dass in Niederrohrdorf ein Dorffest organisiert wurde. Die Erinnerungen blieben lebendig. Deshalb formierte sich ein OK, das im letzten Januar über das geplante «Niederrohrdorfäscht 2027» informierte.
An dieser Informationsveranstaltung hiess es unter anderem, die Schulen seien «von der ersten Sekunde an» dabei gewesen. Im OK ist die Schule durch einen Primarlehrer vertreten, der damals erklärte, die Schule würde als Bestandteil des dreitägigen Dorffestes ein Jugendfest veranstalten («Reussbote», 23. Januar). – Ein halbes Jahr später zeichnete die von Schulen, Gemeinderat und OK unterzeichnete Mitteilung ein anderes Bild.
Die Elternsicht: Marcia Peterhans
Diese Mitteilung irritierte denn auch Marcia Peterhans, Mutter von vier Kindern im Primarschulalter. Sie habe deshalb den Kontakt mit der Schulleitung gesucht, erzählt sie. Sie habe früh kommuniziert, dass sie den Entscheid der Primarschule, kein Jugendfest zu organisieren, respektiere. Gleichzeitig machte Peterhans aber deutlich, dass sie eine aktive Beteiligung der Schule am Dorffest sehr begrüssen würde. «Es muss kein Jugendfest sein. Aber ich wünsche mir für die Schulkinder, dass sie Teil dieses grossen Festes sind.» Das stärke die Dorfgemeinschaft, zu welcher die Mädchen und Buben unbedingt gehörten.
Als Möglichkeiten für eine «aktive Beteiligung» nannte sie einen kreativ gestalteten Umzug mit allen Schülerinnen und Schülern oder kleinere Aktivitäten wie einen gemeinsamen Auftritt der gesamten Schule, beispielweise das Singen eines Festliedes. Sie bot der Schule auch ihre Mithilfe an, wo immer sie gebraucht würde. Idealerweise sollten Umzug oder Schulvorführung zu einem Zeitpunkt angesetzt werden, an welchem auch berufstätige Eltern dabei sein könnten, ergänzt sie. Anbieten würde sich dafür möglicherweise die Fest-Eröffnung am späteren Freitagnachmittag. «Dann könnten Eltern und Kinder den Festbeginn gemeinsam erleben.»
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Primarschule zugesagt, am Samstag während des Dorffestes eine öffentlich zugängliche Werkschau im Schulhaus zu präsentieren. Nach einem ersten Setzen lassen dieser Information, wurde Marcia Peterhans bewusst, dass sie einen solchen Anlass als zu wenig aktiv gestaltet findet. Enttäuscht über den Vorschlag der Werkausstellung reagierten auch ihre Kinder am Familientisch. Sie hatten mitbekommen, was an den umliegenden Dorf- und Jugendfesten gemacht wird.
Eine Bitte an der Sommer-Gmeind
Deshalb trat Peterhans zwei Wochen später, an der Gemeindeversammlung vom 16. Juni, unter dem letzten Traktandum «Verschiedenes» ans Rednerpult und brachte vor über 200 Stimmberechtigten ihr Anliegen vor: Sie wünsche sich eine aktive Beteiligung der Niederrohrdorfer Schülerinnen und Schüler am Dorffest. Eine Werkschau mit Werken, welche die Kinder in der Schule kreiert hatten, sei eine schöne Idee. Unter einer «aktiven Beteiligung» der Schülerinnen und Schüler verstehe sie aber etwas anderes. Sie gehe davon aus, meinte sie, dass es der Schule auch zum jetzigen Zeitpunkt – ein Jahr vor dem Fest
– und unter angemessenem Planungsaufwand noch möglich sein sollte, die Schulkinder in das Dorffest einzubinden. Für ihr Votum erntete sie viel Applaus. Und das Versprechen von Frau Gemeindeammann Gisela Greder: «Der Gemeinderat hat das gehört. Wir nehmen dieses Anliegen ernst.»
Wie geht es weiter?
Einen Monat nach Veröffentlichung der Mitteilung «Kein Jugendfest am Niederrohrdorfäscht» klingt vieles versöhnlicher, auch wenn von einem Jugendfest weiterhin keine Rede ist.
Ende Juni erklärt Kevin Van, zuständig im Gemeinderat für das Ressort Bildung und Schule, auf Anfrage: «Die Schulleitungen beider Stufen werden das Programm mit dem OK besprechen. Dabei sollen die Anliegen aller Beteiligten so gut wie möglich berücksichtigt werden.» Die Schule wird sich aktiv und angemessen am Dorffest beteiligen. Wie diese Beteiligung konkret aussehen wird, sei Gegenstand weiterer Abklärungen, so der Gemeinderat. Das Anliegen der Bevölkerung nach einem Jugendfest habe der Gemeinderat aufgenommen. Nun werde geprüft, ob und wie das Format künftig ausgestaltet werden könnte.
Schulleitungen an OK-Sitzungen
Auf Nachfrage betont auch Primarschulleiterin Anneli Rash: «Die Schule wird sich aktiv und angemessen am Dorffest beteiligen.» Die Schulleiterin führt kommunikative Missverständnisse ins Feld, die nun zu klären und aus dem Weg zu räumen seien. Die Schule habe sich definitiv nie gegen eine Beteiligung am Dorffest gewehrt und wird ein angemessenes Programm für die Niederrohrdorfer Jugend zusammen mit der Kreisschule und dem OK mitgestalten. Guido Hirschvogl, Schulleiter an der Kreisschule Rohrdorferberg, erklärt, von einer Nichtbeteiligung der Schule sei nie die Rede gewesen. Er habe dem OK geschrieben, dass er an der nächsten OK-Sitzung im August dabei sein werde. Das sei vom OK positiv aufgenommen worden. «Dann werden Schule und OK gemeinsam etwas auf die Beine stellen», äussert er sich zuversichtlich. Hirschvogl gibt allerdings auch zu bedenken, dass die Kreisschule von vier Verbandsgemeinden getragen werde, Niederrohrdorf sei nur eine davon. Ausserdem habe die Kreisschule bereits vergangenes Jahr ihr zehnjähriges Bestehen mit einem grossen Fest gefeiert.
Beim Organisationskomitee «Niederrohrdorfäscht 2027» blickt man nach eigener Aussage «voller Freude nach vorne». Das Dorffest soll ein schönes Miteinander werden. «Wir wollten von Anfang an gemeinsam etwas anstossen und haben alle zum Mitdenken eingeladen», heisst es aus dem OK, in dem auch die Lehrerschaft von Beginn an beteiligt war. Dass sich die Zusammenarbeit mit den Schulen nun vertieft, freut das OK. Inzwischen haben sich beide Schulleitungen gemeldet und werden an der nächsten OK-Sitzung teilnehmen. Die Schulen haben signalisiert, sich aktiv und mit Beiträgen für und mit den Kindern am Fest zu beteiligen.
Wie machen es die anderen?
Fast schon routiniert in der Durchführung von Jugendfesten sind die Primarschulen in Fislisbach und in Oberrohrdorf. In beiden Gemeinden organisieren die Schulen alle vier Jahre ein Jugendfest, so erlebt jedes Kind während seiner Primarschulzeit wenigstens einmal ein Jugendfest. Schulleiterin Maria Gschwend erklärt, dass der Aufwand für ein solches Fest nicht zu unterschätzen sei. Die Routine vereinfache indes die Organisation, weil sie alle vier Jahre auf das Jugendfest-Grundgerüst zurückgreifen könnten, welches ein schulinternes OK gemeinsam mit den Lehrpersonen jeweils mit Programmpunkten anreichere. Gschwend ist überzeugt, dass die Jugend dazu gehört, wenn Feste gefeiert werden.
Susan Held, Schulleiterin in Oberrohrdorf, spricht von einem Planungsaufwand von rund eineinhalb Jahren: «Es braucht einen Effort und der Organsiations-Aufwand muss in die Jahresplanung integriert werden.» Aber die Freude und der Stolz der Kinder während des Umzuges oder einem Auftritt sei für alle «sehr ergreifend».
Heidi Hess
KOMMENTAR
HEIDI HESS
STELLVERTRETENDE
CHEFREDAKTORIN
Aufgerüttelt
Es muss den Schulleitungen von Primarschule und Kreisschule an Sensibilität gefehlt haben. Vielleicht fehlte auch die Kenntnis der Tradition von Jugendfesten im Aargau. So lässt sich die Absage der beiden Schulen, ein Jugendfest zu organisieren und auch die Beteiligung der Schule am Dorffest gering zu halten, ein Stück weit erklären. Die Enttäuschung war in vielen Familien aber gross.
Fast hätte dieser Unmut zu irrationalem Verhalten bei einem Teil der Bevölkerung geführt. Auf dem Spiel stand der Kredit für die Schulerweiterung des Oberstufenzentrums. So weit gingen die Niederrohrdorferinnen und Niederrohrdorfer dann doch nicht. Sie wussten an der Sommer-Gmeind vom notwendigen Bauprojekt und einem wünschenswerten Fest zu unterscheiden und genehmigten das Schul-Projekt nahezu einstimmig.
Beide Schulleitungen sicherten inzwischen zu, sich aktiv am Dorffest zu beteiligen und die Zusatzmeile zu laufen. Das ist erfreulich. Vielleicht ist es auch ein Dank an die Bevölkerung, die letztlich besonnen an der Sommer-Gmeind entschieden hatte.


