Am «Tag der offenen Weide» geht es auf dem Eckwilerhof um kleine Kühe, um Raben und um den Wolf
Der Bauer vom Eckwilerhof lud auf seine Weiden ein. Er sprach über den Herdenschutzhund, über Kühe, über eigenwillige Schafe und gefährliche ...
Am «Tag der offenen Weide» geht es auf dem Eckwilerhof um kleine Kühe, um Raben und um den Wolf
Der Bauer vom Eckwilerhof lud auf seine Weiden ein. Er sprach über den Herdenschutzhund, über Kühe, über eigenwillige Schafe und gefährliche Raben. Er erzählte auch, warum bald nur noch kleine Kühe beim Eckwilerhof weiden werden.
Die beiden Herdenschutzhunde lassen sich kaum von den Schafen unterscheiden. Gleiche Farbe, ähnliche Grösse – das Fell von Hund «Chiara» ist hell, jenes von «Baghira» dunkel. Sie liegen inmitten der Schafherde, bewegen sich auch mit und neben den Tieren. In erster Linie sollen sie die Schafe und Lämmer hingegen vor aggressivem Zugriff schützen. Und dieser kommt längst nicht nur vom Wolf, der mittlerweile auch das Mittelland erreicht hat.
Landwirt Thomas Strebel, der am Samstag zu einem «Tag der offenen Weiden» auf den Eckwilerhof in Mägenwil eingeladen hatte, erklärt den Interessierten, dass seine beiden Hunde in erster Linie die Lämmer vor Rabenkrähen und Kolkraben schützen. «Die grossen Vögel attackieren bisweilen neugeborene Lämmer. Sie können ihnen die Augen aushacken. Sie picken ihnen, während sie schlafen, Löcher in die weiche Seite zwischen den Rippen oder verletzen sie schwer beim Hinterteil, um ihnen die Gedärme aus dem Leib zu ziehen.»
Strebel vom Eckwilerhof hat sich aus diesem Grund vor drei Jahren zwei Welpen angeschafft. Die Zusammenarbeit zwischen Herdenschutzhunden und Schafen funktioniert nur, wenn sich die Lämmer von Geburt an an die Hunde gewöhnen können. «Mittlerweile folgt die ganze Herde meinen beiden Hunden, wenn sie von einer Weide auf die andere verlegt werden», so Strebel.
Das war nicht immer so. Die Hunde müssen eine Prüfung absolvieren, um als Schutzhund zugelassen zu sein. Thomas Strebel erzählt, dass er beim ersten Mal scheiterte. Fünf Schafe und den Hund musste er mitbringen. Vier Schafe seien vor dem Hund geflüchtet, eines ging sogar auf ihn los. Als er das zweite Mal antrat, nahm er jüngere Schafe mit, die seit Geburt an diesen Hund gewöhnt waren. «Die Prüfung gelang auf Anhieb», sagt er lachend.
Das Plus der kleinen «Hinterwälder»
Erwachsene und Kinder hörten ihm zu, stellten Fragen und reichten den Kühen Gras. Thomas Strebel hatte auf seinen Hof eingeladen, weil er immer wieder Kritik aus der Bevölkerung ausgesetzt ist. Er will mit diesem Anlass über Hintergründe aufklären und das Verständnis verbessern: «Weil ich manches anders mache als andere.»
Hühner, Schafe, drei Hunde und Kühe bevölkern den Eckwilerhof. Aus der Reihe tanzen hier 30 Kühe – kurze Beine, gedrungener Körper. «Muskulös», nennt es Strebel. Die kleinen «Hinterwälder» sind eine alte Bergrinderrasse, die durch Pro Specie Rara gefördert wird. Unkompliziert seien sie und einfach im Management, sagt Strebel. «Sie brauchen kein Kraftfutter und verursachen kaum Arztkosten.» Allerdings würden die «Hinterwälder» auch etwas weniger Milch geben. «Dafür bewegen sie sich sicher auf unwegsamem Gelände, auf Bergweiden.» Das kommt Strebel, dessen Betrieb am Hang liegt, entgegen. Zudem kann er seine Wiese zwischen Mägenwil und Wohlenschwil nicht für intensive Landwirtschaft nutzen, weil das Grundwasser das Wohlenschwiler Pumpwerk «Frohberg» speist. – Auch deshalb sollen bis Herbst 2027 auf dem Eckwilerhof nur noch kleine, muskulöse «Hinterwälder» weiden.
Heidi Hess