Niederrohrdorf: Ein 1.-April-Scherz mit realem Hintergrund, der die Kundschaft in den beiden Läden amüsierte
Die am 31. März lancierte Idee eines temporären Chef-Tauschs zwischen der Drogerie Meier und dem Chäslade war ein 1.-April-Scherz und doch keiner. Denn die ...
Niederrohrdorf: Ein 1.-April-Scherz mit realem Hintergrund, der die Kundschaft in den beiden Läden amüsierte
Die am 31. März lancierte Idee eines temporären Chef-Tauschs zwischen der Drogerie Meier und dem Chäslade war ein 1.-April-Scherz und doch keiner. Denn die Inhaber tauschten am Mittwoch tatsächlich zeitweise ihr Fachgebiet. Wie kam das an?
Augenschein in Niederrohrdorfs Einkaufsmeile am 1. April, um 9.30 Uhr: Rolf Gasser hat sich gerade einen weissen Drogisten-Arbeitskittel angezogen. Kurz darauf tritt er in den Verkaufsraum und geht als «Neu-Drogist» auf eine Kundin zu, um zu bedienen. «Ich habe die Geschichte über den Tausch gelesen und gestaunt, dass Sie dafür Zeit haben», sagt die ältere Dame zu ihm. Gasser macht sie lächelnd auf das Datum aufmerksam. Eine andere Kundin, Susanne Lehmann, kaufte zuerst im Chäslade ein und entdeckte den Drogisten Andreas Meier dort an der Kasse. «Ich dachte zuerst, ich sei im falschen Film», sagt sie und lacht. Nun ist sie am Shoppen in der Drogerie Meier. «Ich finde diese Aktion eine gute Idee», sagt sie. Rolf Gasser verkauft ihr ein ätherisches Lavendel-Öl, das sie wünscht. Er fand es in den Gestellen auf Anhieb…
Andreas Meier stand an der Kasse
Ein weiterer Augenschein im nahen Chäslade. Dort ist gerade jede Menge los. Und siehe da, Drogist Andreas Meier bedient flink und gut gelaunt eine Kundin nach der anderen an der Kasse. «Es ist, wie wenn er noch nie etwas anderes gemacht hätte», sagt Claudia Gasser schmunzelnd. «Ist das ein 1.-April-Scherz?», fragt eine Kundin in die Runde. Ja! Bevor die Kundinnen und Kunden ihre feinen Käsespezialitäten einpacken, überreicht ihnen Andreas Meier ein kleines Crème-Müsterli und sagt: «Nach Ostern kommt ja die Sonne, ich gebe Ihnen noch eine kleine Sonnencrème mit.» Das sorgt für noch mehr Amusement. – Entstanden ist die Idee des Fachkräfte-Tauschs übrigens an einem Gewerbeapéro. «Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir dem Fachkräftemangel humorvoll begegnen könnten», erklärt Rolf Gasser.
Man habe von Jobsharing geredet und dann schnell «Nägel mit Köpfen» gemacht, fügt seine Frau Claudia hinzu. Die Idee eines 1.-April-Scherzes mit realem Hintergrund war geboren. Denn der Fachkräftemangel ist ja tatsächlich ein Problem – auch wenn er wohl so nicht gelöst werden könnte.
Der Scherz kam jedenfalls gut an. «Die meisten haben das Ganze mit einem Augenzwinkern genommen», sagt Eliane Meier. Am Dienstag, als der Artikel im «Reussbote» erschien, hätten sie diverse Nachrichten erhalten. «Auf Instagram klickten viele Daumen hoch», sagt sie. Ihr Mann, Andreas Meier, sagt, viele Kunden im Laden seien erstaunt gewesen. «Die einen, welche den Bericht nicht gelesen haben, fanden, da seien die falschen Leute am falschen Ort. Diejenigen, welche den Bericht lasen, waren erstaunt, dass wir das tatsächlich durchziehen.»
Man spricht darüber im Dorf
Die Kundinnen und Kunden sowie das Verkaufspersonal hatten jedenfalls Freude, dass etwas anders ist an diesem Tag. Zudem, und das ist ebenfalls wichtig im harten Pflaster des Detailhandels, wo sich kleine Läden gegen Grossverteiler und Onlinehandel behaupten müssen, spricht man jetzt darüber im Dorf nach dem Motto «Tue Gutes und sprich darüber.»
Marc Benedetti