Mellingen: Mit einem Gottesdienst, Chorgesang, Führungen und Mellinger Wein wird der hohe Geburtstag der Mellinger Stadtkirche gefeiert
Das Gotteshaus war voll: Die Gäste waren aus Mellingen und den Nachbargemeinden gekommen, um die 350 Jahre der Stadtkirche zu feiern. ...
Mellingen: Mit einem Gottesdienst, Chorgesang, Führungen und Mellinger Wein wird der hohe Geburtstag der Mellinger Stadtkirche gefeiert
Das Gotteshaus war voll: Die Gäste waren aus Mellingen und den Nachbargemeinden gekommen, um die 350 Jahre der Stadtkirche zu feiern. Es gab anregende Reden, Geschichten aus der Kirche und ein Glas zum Anstossen.
Vor 350 Jahren boten die Mellingerinnen und Mellinger dem Weihbischof, der eigens aus Konstanz zur Mellinger Kirchweih angereist war, Burgunder und Champagner an. Mit diesen Worten leitete Alexandra Atapattu fast am Schluss des Gottesdienstes zum grossen Jubiläum der katholischen Kirche in Mellingen zum Apéro über, zu welchem alle eingeladen waren. Statt Champagner gebe es heute, 350 Jahre später, Mellinger Wein vom Alten Berg, sagte sie und schob nach: «Ich versichere Euch, er ist gut.»
«In Mellingen fanden sie Zuflucht»
Zuvor hatten die Seelsorgemitarbeiterinnen Alexandra Atapattu, Miriam Savia und der Theologe Alois Metz einen Festgottesdienst zelebriert, der das Jubiläums-Motto «Im Wandel der Zeit» ins Zentrum rückte: Sie fokussierten auf Offenheit, die Gastfreundschaft und den Mut, sich zu verändern.
Wie der biblische Abraham, der einst Fremde als Gäste an seinen Tisch und so auch das Leben in sein Haus holte, hätten Mellingerinnen und Mellinger Anfang des 17. Jahrhunderts mit ihrer Offenheit, dazu beigetragen, dass sich das Städtchen weiter entwickeln konnte, erzählte Miriam Savia. Atapattu fuhr fort: «In Mellingen wütete 1629 die Pest.» Fast die Hälfte der Mellinger Bevölkerung starb an dieser Seuche. Gleichzeitig flüchteten Menschen aus dem Fricktal und dem süddeutschen Raum vor den Wirren des Dreissigjährigen Krieges. «In Mellingen fanden sie offene Türen, eine Zuflucht.» Diese Menschen trugen dazu bei, dass das Leben zurückkehrte und sich das Städtchen weiter entwickeln konnte – auch dank ihnen dürfte 1676 die neue Kirche eingeweiht worden sein.
«Mellingerinnen und Mellinger, ihr könnt stolz sein», lobte Alois Metz diese Offenheit, den Mut und die Tatkraft. Eine Offenheit, die er selbst erlebt habe, als er für diesen Gottesdienst nach Mellingen eingeladen worden sei – sozusagen als «Quotenmann». Er spielte darauf an, dass er in der katholischen Kirche neben den beiden Frauen Atapattu und Savia den Festgottesdienst leitete. Mitten im Kirchenschiff stehend, ermutigte er zu Wandel statt Resignation in der katholischen Kirche.
Auch der Johanneschor unter der Leitung von Francisco Santos hielt sich ans Motto. Fünf Werke für Kirchenchor aus mehreren Jahrhunderten erklangen auf der Empore, bis auf eines wurden alle von Aargauer Komponisten verfasst: Vom Psalm «Beatus Vir» von Johann Melchior Gletle aus Bremgarten bis zur zeitgenössischen Umsetzung des «Unser Vater» durch den Rupperswiler Markus Fricker.
Führungen, kurz und kurzweilig
Wie von den Organisatoren erhofft, war die Stadtkirche voll. Nach dem Gottesdienst stiessen alle auf den Kirchengeburtstag an – die feinen Häppchen hatte die Associazione Italia Nostra zubereitet. Danach suchten die einen das Vereinshaus auf, wo es Pasta mit drei Saucen gab – auch dafür standen die Mitglieder der Associazione in der Küche. Andere wählten vor dem Essen eine der vier kurzen und kurzweiligen, historischen Führungen, wo sie viel erfuhren über die «Bilderstürme», die Kirchenglocken oder den Palmesel und den Kirchenschatz.
Heidi Hess